| Hexenwesen, Satanismus, schwarze Magie |
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TEUFELSNEUROSE |
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Im Jahre 1922 veröffentlichte Sigmund Freud eine Abhandlung mit dem Titel Eine Teufelsneurose im 17. Jahrhundert Der Bibliothekar Payer-Thurn hatte den berühmten Wiener Psychoanalytiker auf ein Manuskript aufmerksam gemacht, das den Teufelspakt und seine Folgen beschreibt, den der bayrische Maler Christoph Haitzman im Jahre 1668 abgeschlossen haben soll. Anlass für den Abschluss dieses Paktes war der Tod seines Vaters, der bei ihm eine grosse Melancholie hervorrief. In diesem Vertrag, den er mit seinem Blut unterschrieb, verpflichtete sich der Maler, nach Ablauf von neun Jahren dem Teufel mit Leib und Seele zu gehören. Eine Gegenleistung des Teufels war nicht vereinbart. 1677 brachte man den Maler in die Kirche von Mariazell, nachdem er von schweren Krämpfen befallen wurde. In der Nacht erschien ihm der Teufel zunächst als normaler Bürger, dann aber mit weiblichen Hängebrüsten. Da die vereinbarte Zeit inzwischen abgelaufen war, fürchtete er, der Teufel würde sein Versprechen einfordern. Seine Hoffnungen richteten sich auf die Mutter Gottes, die ihn von diesem Pakt befreien sollte. In der Nacht wurde er von furchtbaren Träumen heimgesucht, in denen ihm der Teufel in fratzenhaften Tiergestalten erschien. Durch Busse und Gebete, die von den Exorzismen der Mönche begleitet wurden, erhielt er am 8. September, dem Tag der Geburt Marias, den Vertrag zurück. Nach seiner Heilung kehrte er nach Wien zurück. Doch seine Heilung war nur von kurzer Dauer, denn schon 1678 wurde er wiederum von fürchterlichen Krämpfen befallen und musste in das Kloster Mariazell zurückkehren. Er gestand den Mönchen, dass er einen zweiten Vertrag mit Tintenschrift aufgesetzt hatte. Mit Hilfe von Gebeten und Exorzismen erhielt er auch diesen Vertrag zurück. Danach trat er unter dem Namen Chrysostomos in den Orden der Barmherzigen Brüder ein. Medizinisch gesehen, soll es sich um eine melancholische Depression gehandelt haben, die durch den Tod des Vaters ausgelöst worden sei und bei ihm Arbeitsunfähigkeit hervorrief. Offensichtlich habe der Maler in dem Teufel einen Ersatzvater gesucht, dessen Sohn er werden wollte. Die neunjährige Dauer könne als Hinweis auf die neun Monate einer Schwangerschaft gedeutet werden. Die Vatersehnsucht des Malers machte einen Konflikt aus seiner frühen Kindheit sichtbar. Der Sohn liebte einerseits seinen Vater, anderseits hasste er ihn, weil er ihm sein Liebesobjekt, die Mutter, wegnahm. Diesen nichtbewältigten Konflikt des Malers aus seiner Kindheit sei nach dem Tod des Vaters sichtbar geworden und habe sich als Neurose geäussert. Das Menschengeschlecht habe diese zwiespältige Einstellung zum Vater durch die Vorstellung von Gott, dem geliebten Vater, und dem Teufel, der Verkörperung des bösen Vaters, dargestellt. Gott und Teufel seien an sich eine Gestalt, wenngleich der Teufel sogar schon vor Gott existiert habe. Denn der Christ benötige den Teufel, um an Gott festhalten zu können. Damit alle feindseligen Gefühle nicht auf Gott, den geliebten Vater, übertragen würden, sei der Teufel als Hassobjekt geschaffen worden. Diese in jedem Menschen vorhandene Erfahrung wurde von dem Maler wiedererlebt, als sein Vater gestorben war. Seine Hassgefühle, die durch das Verlassensein entstanden seien, habe er auf seinen Ersatzvater, den Teufel, übertragen. Dieser Versuch der Selbstheilung habe scheitern müssen, weil der Maler trotz seiner starken Hinwendung zu seinem Vater noch auf seine Mutter fixiert gewesen sei. Dass er ein weibliches Verhältnis zu seinem Vater hatte, werde deutlich durch die Teufelsgestalt mit den Hängebusen. Deshalb suchte er Rettung bei der Mutter Gottes, die die Rolle seiner Mutter spielte. |
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