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TEMPLERORDEN, auch Tempelherrenorden

Wurde im Jahre 1119 von Hugo von Payens in Jerusalem gegründet. Nach ihrem Wohnsitz, der an den Salomonischen Palast angrenzte, nannten sie sich „Arme Ritterschaft Christi vom Salomonischen Tempel”. Ihre Aufgabe war der Schutz der Jerusalempilger. Auf dem Konzil von Troyes im Jahre 1128 wurde der Orden vom Papst Honorius II. bestätigt, ab 1139 direkt dem Papst unterstellt. Durch Erbschaften, Schenkungen und Finanzgeschäfte wuchs der Orden und breitete sich in West- und Südwesteuropa aus. Anfang des 14. Jahrhunderts musste der Orden seinen Sitz nach Frankreich verlegen, weil das Heilige Land von den Sarazenen erobert worden war. Wegen seines Reichtums und Einflusses wurde der Templerorden vom frz. Adel und bes. von Philipp dem Schönen argwöhnisch beobachtet. 1307 liess er den Grossmeister De Molay und die führenden Ordensmitglieder in Frankreich verhaften und verbrennen. Papst Clemens V. löste den Orden 1312 auf. Der Templerorden war ein selbständiges Staatswesen mit Militär, Polizei, Gerichten etc. An der Spitze stand der Grossmeister, der den in Ritter, Kapläne und Brüder gegliederten Orden leitete. Der Orden selbst zerfiel wiederum in Ordensprovinzen, die eine ähnliche hierarchische Struktur aufwiesen. Ungeklärt ist die Frage, ob der Orden nach dem Verbot noch weiter bestand und ob bzw. welche Geheimlehren er hatte. Hans Prutz hat 1879 in einer quellenmässig gut fundierten Studie mit dem Titel Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens versucht zu beweisen, dass die folgenden fünf Anklagepunkte zu Recht erhoben wurden:

  • Die Aufnahme neuer Mitglieder in den Orden war verbunden mit einer Verhöhnung des Kreuzes meistens durch Bespeien, zuweilen durch Treten mit den Füssen auch mit einer ausdrücklichen Verleugnung Christi und endlich mit Küssen, die die Aufzunehmenden dem Leiter der Zeremonie und anderen anwesenden Ordensmitgliedern auf Körperstellen zu geben hatten, die man sonst schamhaft zu verhüllen pflegt.

  • Bei ihren geheimen Zusammenkünften erwiesen die Tempelherren vielfach einem meist in der Gestalt eines Kopfes gebildeten Idol, dem Baphomet, göttliche Verehrung, in dem sie das Bild des wahren Gottes sahen, des einzigen, an den man glauben dürfe.

  • Die Priester des Tempelherren-Ordens liessen bei der Feier der Messe die nach der Verwandlung von Brot in den Leib Christ und Wein in das Blut Christi heilige Worte aus.

  • Die Oberen des Ordens, obgleich Laien, behaupteten berechtigt zu sein, den Ordensrittern die Absolution zu erteilen.

  • Den Mitgliedern des Ordens wurde bei der Aufnahme die ausdrückliche Erlaubnis zu widernatürlicher Unzucht erteilt.

 

Das Ergebnis der Studie von Prutz lässt sich so zusammenfassen: Der Templerorden hatte Gedankengut der Gnosis und anderer kleinasiatischer und islamischer Sekten übernommen.
Bedenklich ist nur, dass die Aussagen der verhafteten Tempelherrenritter in der Regel unter der Folter gemacht wurden, so dass sich grundsätzlich die Frage der Glaubwürdigkeit stellt. Gegen Prutz wandten andere Forscher wie Henry Charles Lea ein, dass ein so reicher Orden wie die Templer ein grosses Risiko eingegangen wären, wenn er eine neue Religion begründet hätte. Dies hätte zur Folge gehabt, dass Ordensmitglieder im Falle einer Entdeckung nicht nur ihre soziale Stellung in Frankreich eingebüsst, sondern auch schwere Verfolgungen hätten ertragen müssen. Eine solche Bereitschaft zum Martyrium muss aber bei einem Orden angezweifelt werden, der sich durch seine überwiegend weltliche Gesinnung selbst zugrunde richtete.


 

 

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