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Nach der christlichen
Lehre ein Engel, der nach der Vertreibung der ersten Menschen aus dem
Paradies jedem Menschen zur Seite steht, damit er den Nachstellungen Satans
nicht schutzlos preisgegeben ist. Jesus erwähnt einen Schutzengel der
Kinder. Ursprünglich wurde in der frühchristl. Engelslehre allen Naturdingen
und Phänomenen ein Engel zugewiesen. Im Buch Henoch und in der Offenbarung
des Johannes stehen der Hagel, der Reif, die Jahreszeiten etc. unter der
Aufsicht eines Engels. Origenes lehrte, dass es Engel gäbe, damit Tiere
geboren werden. Andere hielten sie für das Wachstum der Pflanzen notwendig.
Thomas von Aquin drückte es in seiner Summa theologica so aus:
„Wahrscheinlich werden die einzelnen Arten der Dinge von je einem Engel
behütet.” Da es nicht nur einen persönlichen Schutzengel für jeden einzelnen
Menschen gibt, sondern ganze Völker, Staaten, Stände, Berufe, Amter etc.
einen Schutzengel besässen, stehe jeder Mensch unter dem Schutz mehrerer
Engel. Der im Mittelalter sehr einflussreiche Pseudo-Dionysius liess die
persönlichen Schutzengel aus der neunten und letzten Stufe der
Engelhierarchie hervorgehen, aber die der Völker aus der achten Stufe. Seit
dem 16. Jahrhundert gibt es das Schutzengel-Fest, das am 2. Oktober gefeiert
wird. Die Vorstellung von einem Schutzengel kennt auch die babyl. Religion,
wo das Mischwesen Karibu - halb Mensch, halb Tier - der Wächter der Tempel
und der Häuser ist. Die alten Perser verehrten die Fravashi, die als
Urgeister Teil jeder Seele waren und den Menschen beschützten. Bildlich
stellte man sie sich mit scharfen Speeren und schnellen Rossen vor, damit
sie jeden Feind abwehren können. In der Antike ist der Glaube an einen
persönlichen Schutzgeist sehr verbreitet. Das Daimonion, wie die Griechen
diesen persönlichen Schutzgeist nannten, war der Ratgeber des Sokrates.
Hierüber hat der griech. Schriftsteller Plutarch eine Schrift mit dem Titel
Über den Schutzgeist des Sokrates verfasst. Aber dieser antike Schutzdämon
war nicht nur Ratgeber eines Menschen, sondern er wachte auch über dessen
Schicksal, das für jeden Menschen vorherbestimmt war. Der Neuplatoniker
Jamblichos lehrte, dass der Schutz- oder Eigendämon, wie er ihn nannte,
einem Menschen nicht aufgrund der Konstellation der Planeten zukomme,
sondern schon lange vorher bestimmt sei. Deshalb sei es möglich, dass der
Eigendämon eines Menschen ihn aus der Schicksalsbestimmung befreie. Die
Römer glaubten, dass ihr Leben in den Händen des Genius liege, der ihnen von
Beginn ihres Daseins an zur Seite stünde: „Mein Genius hat seinen Namen
daher, weil er mich erzeugte.” Den Römern war auch die Überzeugung vertraut,
dass Völker und Städte einen Genius haben können. Der Geburtstag war der
natürliche Festtag des Genius. Die Germanen glaubten an ein „zweites Ich”,
das sie Fylgjur nannten. Dieser Schutzgeist gehörte zwar zum Körper eines
Menschen, aber er konnte sich zeitweilig auch von ihm trennen. Meistens erst
kurz vor seinem Tod gibt sich dieser Dämon dem Menschen zu erkennen.
Besonders hellsichtige Menschen können ihn auch im Traum beobachten. |