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Bezeichnung für die
Verehrung Satans als widergöttlichem Prinzip, das einem als das Gute
gedachten Gott gegenübersteht bzw. für die alleinige, selbst entstandene
Macht, die das Böse in der Welt darstellt.
Man unterscheidet drei Formen des Satanismus:
• RELIGIÖSER SATANISMUS: Gott und Satan
sind zwei selbstgezeugte Prinzipien, die voneinander unabhängig sind und
sich feindlich gegenüberstehen. Dieser Dualismus geht auf die Lehren der
Gnosis zurück. Für die Verehrung des Gegengottes werden unterschiedliche
Begründungen angeführt. Da die Welt durch und durch böse ist, widerspricht
es jeder Logik, einem guten Gott als Prinzip des Guten zu huldigen. Die Welt
muss folglich von einem Feind Gottes gelenkt werden. Die Schriften des alten
Testament bieten eine Reihe von Belegen, dass die Handlungen Gottes auch
strafender Natur sein können. Die Welt wurde von Engeln erschaffen, die
gegen Gott rebellierten. Wenn die Welt von Anfang an böse war, ergibt der
Sündenfall keinen Sinn, der den Nachkommen Adams den Makel der Erbsünde
verliehen hat. Jesus Christus als Retter der sündigen Menschheit ist dann
überflüssig. Einige religiöse Satanisten gehen so weit, dass sie den Gott
der Bibel aufgrund seines Verhaltens den Menschen gegenüber für den
eigentlichen Satan, d. h. die Verkörperung des Bösen ansehen, während Satan
der gute Gott sei. Denn er habe die Gestalt einer Schlange angenommen, um
den Menschen im Paradies die Erkenntnis des Guten und Bösen zu vermitteln.
Er wollte ihnen die Augen öffnen und zeigen, wie böse Gott sei. Für die
Lebensführung hatten diese Lehren zur Folge, dass man gegen die Gesetze
handeln müsste, weil das Böse das Weltprinzip ist. Die Verehrung Satans
erfolgte in Anlehnung an den christl. Kultus, dessen Kernelemente in das
Gegenteil verkehrt oder verspottet wurden. Man bezeichnet diesen Satanskult
auch als Schwarze Messe.
• ARELIGIÖSER SATANISMUS: Da die Existenz eines personalen Gottes
grundsätzlich geleugnet wird, gibt es nur das Böse, das man sich als
weltbeherrschende Macht vorstellte. Da diese Macht nur zerstört und
vernichtet, muss auch der Mensch, um nicht gegen das Wesen der Natur zu
handeln, zerstören und Verbrechen begehen. Begründer dieser Richtung war der
Marquis de Sade.
• LITERARISCHER SATANISMUS: Diese Bezeichnung wurde ursprünglich für die von
dem engl. Dichter Lord Byron und seinen Schülern vertretene Stilrichtung
gebraucht. Die Werke dieser Dichter haben einen düsteren Grundtenor, das
Grausame spielt eine wichtige Rolle, und die Melancholie prägt den Charakter
der Hauptpersonen. Die literarische Behandlung des Satanskultes und die
Einführung des Teufels als Zentralfigur in literarischen Werken haben seinen
Ursprung im Frankreich des 19. Jahrhunderts , wo im Gefolge der Schwarzen
Romantik der Satanismus zeitweilig zur Moderichtung wurde. Die wichtigsten
Vertreter sind Baudelaire, Huysmans, Carducci, Leopardi und Lewis. Zwischen
diesen drei Hauptgruppen gibt es viele Übergänge. So wird de Sade
gelegentlich als Ahnherr und Begründer des literarischen Satanismus
angesehen.
Eine andere Gliederung
schlägt Joachim Schmidt vor, um alle Formen des Satanismus begrifflich zu
fassen:
• DER REAKTIVE, PRAGMATISCH-KONFORME Satanismus: Satan wird als das Prinzip
des Bösen verehrt, ohne dass sich seine Stellung im christl. Weltbild
verändert. Ausgangspunkt dieses Satanismus, der beinahe ohne jede
intellektuelle Grundierung auskommt, ist eine Protesthaltung gegen die
christl. Religion. Anhänger dieser Form des Satanismus finden sich in
Jugendgruppen, Randgruppen der Gesellschaft und in den sogenannte
Black-Metal-Gruppen.
• DER GNOSTISCH-UMGEWERTETE Satanismus:
Satan ist nicht das Prinzip des Bösen, sondern von ihm kommen die positiven
Eigenschaften, wie Wissen, Erkennen und Freiheit. Der christl. Gott drückt
negative Züge aus, weil er den Menschen täuscht und unterdrückt.
• DER INTEGRATIVE Satanismus: Der Gegensatz zwischen Gott und Satan ist
aufgehoben. Beide sind nur verschiedene Pole einer Einheit. Ein Vertreter
dieser Spielart ist Charles Manson, der sich als Christus und Satan
bezeichnete.
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• DER AUTARKE, SEKUNDÄR-ACHRISTLICHE Satanismus: Dieser Satanismus hat alle
Verbindungen zum Christentum gelöst und verehrt als Prinzip des Bösen einen
Gott, der in einer nichtchristlichen Religion das Böse symbolisiert - wie z.
B. Seth in der Religion der Ägypter.
• DER SYNKRETISCH-GEBROCHENE Satanismus: Mit
seiner Bezeichnung werden okkultistische Strömungen erfasst, in denen der
Satan zwar eine Rolle spielt, wie z. B. in der Fraternitas Saturni, aber
nicht Mittelpunkt ihres Kultes ist.
• LITERARISCHER Satanismus: Diese Form des Satanismus reicht von den Märchen
und Sagen mit Hexenmotiven bis hin zu der Schwarzen Romantik des 19.
Jahrhunderts , die sich in literarischer Form mit der Gestalt des Satans und
seiner Verehrung beschäftigt.
Ausgangspunkt des modernen Satanismus ist das Gedankengut der Gnosis, das
seit dem frühen Mittelalter in Häretikergruppen und geheimen Sekten
weiterlebte und in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Frankreich eine
Renaissance erlebte. Die beiden Expriester Eliphas Levi und Boullan sowie
der Okkultist und Sektengründer Vintras begründeten den frz. Satanismus. Ein
wichtiger Schritt für die Entwicklung des modernen S. bedeutet der von
McGregor Mathers, Woodman und Westcott 1883 gegründete Orden der Goldenen
Dämmerung. Diese vielfältigen Strömungen führten um die Jahrhundertwende zur
Gründung des O. T. Os., der als eigentlicher Ahnherr des modernen Satanismus
gilt. Seine dtsch. Gründer Reuss und Kellner brachten aus der frz. Sektion
der Gnostisch-kath. Kirche das Ideengut des franz. S. in den neuen Orden
ein. Nach dem Eintritt des engl. Magiers Crowley, im Jahre 1910, der von der
Tradition des Golden Dawn geprägt war, drangen auch die Lehren, besonders
die Geheimlehren dieses engl. Ordens ein. 1913 verfasste er für den O. T. O.
das Messbuch. Die engl. und amerik.. Gruppen des O. T. Os. und die dtsch.
Abspaltungen Pansophische Loge und zum Teil auch Bezeichnung für Hexen, die
Schwarze Magie betreiben. Die Thelema Society versteht darunter Hexen, die
sich mit Leib und Seele dem Satan opfern. Durch die geschlechtliche
Vereinigung mit Satan verschmelzen sie mit ihm und werden zu Satansengeln. |