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RUNEN

Als Runen werden die bei fast allen germ. Völkern bekannten 24 Schriftzeichen bezeichnet. Jede dieser 24 Runen repräsentiert einen Laut und besitzt einen Begriffswert. Die Runen mit dem Lautwert „f” bedeutet z. B. auch „fehu”. Nach den ersten sechs Runen heisst die 24er-Reihe auch „Futhark”, die in über 350 Inschriften vom 2. nachchristl. Jahrhundert bis ins 8. Jahrhundert gebraucht wird. Die Runen waren in einem grossen geographischen Gebiet, das sich von Skandinavien im Norden, über England und Frankreich im Westen, über die Ukraine im Osten bis nach Rumänien im Süden erstreckte, verbreitet. Ab dem 9. Jahrhundert wurden in Skandinavien diese 24 Zeichen auf 16 reduziert. Die Zahl der Runenfunde aus der Wikingerzeit und aus dem Mittelalter beläuft sich auf über 5.000. Die Runen wurden auf lose Objekte, wie Waffen, Fibeln etc., aber auch auf feste Steine eingezeichnet. 150 Runeninschriften finden sich auf einseitig gepressten Goldblättchen, den „Brakteaten”. Ungeklärt ist noch die Herkunft der Runen Man nimmt heute u. a. an, dass sie sich aus einem der zahlreichen südeurop. Alphabete entwickelt haben. Unter-schiedlich wird in der Fachwissenschaft auch die Frage beantwortet, ob die Runen nur zur Verständigung im Alltag dienten, sprich: ein Kommunikationsmittel waren, oder eine mag. Funktion hatten. Bereits in der älteren Forschung wurde die Ansicht vertreten, die Runen seien eine Art Kultschrift und den Runeninschriften wohne eine mag. Wirkungsabsicht inne. Als Beweis für diese These sah man Inschriften an, die das gesamte Futhark-Alphabet enthielten. Diese geschlossene Sammlung von 24 Zeichen mit ihren Begriffswerten stellen, so die Vorstellung, eine 24fache religiöse Macht dar. Problematisch ist bei dieser Deutung, dass einige dieser 24 Runen auch eine entgegengesetzte Bedeutung haben: so z. B. Hagel, Not oder Eis, aber auch gutes Jahr, Sonne und Wonne. Unklar bleibt, ob die mag. Absicht in der Abwehr oder aber in der Herbeiwünschung von Schaden beruhte.
Einen wichtigen Beitrag zur Lösung dieser Frage lieferte Stephen Flowers in seinem Buch Runes and Magic 1986: Alle Runeninschriften seien Versuche, mit den Göttern und den Dämonen zu kommunizieren; sie seien eine Art Zeichensystem, das schon Augustinus im 4. und 5. Jahrhundert als Modell zur Erklärung des Aberglaubens und des Teufelspaktes herangezogen habe. Der Magier hätte diese Zeichen benutzt, die aus sich selbst heraus wirkten, um mit einem bestimmten Gott oder Dämon in Kontakt zu treten, damit er ihm einen Dienst leiste.
Im Spätmittelalter wurden die Runen auch als Geheimschrift zur Verschlüsselung von Zaubertexten genutzt.


 

 

 

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