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Die Katharer sind eine im
Mittelalter weitverbreitete Sekte, die an die Lehren des Manichäismus
anknüpfte und von dem Dualismus zwischen göttlichem Geist und teuflischer
Materie geprägt ist. Der Manichäismus, der im Untergrund weiterlebte, wurde
von den Paulikianern, die sich nach dem Apostel Paulus benannten, im 8./9.
Jahrhundert fortgesetzt. Sie wurden von den byzantinischen Kaisern aus
Kleinasien nach Südosteuropa umgesiedelt, wo sie sich mit einer anderen
neumanichäischen Sekte, den Bogomilen vermischten. Ab dem 11. Jahrhundert
verbreitete sich diese Sekte bis nach Oberitalien und Südfrankreich, wo sie
mit oppositionellen Christen in Kontakt trat. Aus dieser Verbindung, deren
einzelne Phasen noch im dunkeln liegen, entwickelte sich die Sekte der
Katharer, die in Frankreich nach ihrem Zentrum in Albi auch Albigenser
genannt wurden.
Lehre: Die Vergebung der Sünden und die Erlösung vom Übel werden durch
Entsagung von der Welt, der Materie und den Eintritt in die Gemeinschaft der
Reinen erreicht. Die Aufnahme geschah durch einfaches Auflegen der Hände,
wodurch die sog. Geistestaufe erteilt wurde. Die Wassertaufe verwarfen sie.
Erst nach empfangenem Consolamentum war man ein Vollkommener, dem allein der
Name „Catharus”, d. h. „Reiner”, gebührte. In Frankreich nannten sie sich „bons
hommes”. Da die Katholiken sie „Haeretici” nannten, wurde die Bezeichnung
„Ketzer” bald der Name für Häretiker überhaupt. Andere Schimpfnamen
lauteten: Bogomilen oder Bougres, Poblicants, Patarer oder Manichäer. Die
„Vollkommenen” waren die Lehrer, die Verwalter der Gebräuche; sie mussten
sich aller Handlungen enthalten, die als Todsünde angesehen wurden, lebten
ohne Besitz und ehelos, genossen nur pflanzliche Nahrung oder Fische und
fasteten zu gewissen Zeiten des Jahres streng. Sie mussten immer zu zweit
sein, doch konnte der zweite Mann, der Socius, auch ein blosser Gläubiger
sein. Sie erkannten sich an bestimmten Zeichen, durch welche sogar die
Häuser, in denen sie wohnten, ihren Mitbrüdern erkennbar wurden. Auch unter
den Frauen gab es Vollkommene, die jedoch weder lehrten noch umherreisten,
sondern in Hütten einsam lebten oder sich mit der Erziehung junger Mädchen
abgaben. Die Zahl der „perfecti” war wegen der strengen Lebensführung aber
immer gering.
Gemeindeleben: Es gab in den Gemeinden sehr viele Gläubige, „credentes”,
denen Güterbesitz, Ehe und der Genuss aller Art Speisen gestattet war;
jedoch unter der Bedingung, diese Sünden den Geistlichen der Sekte zu
beichten und vor dem Tode das Consolamentum, das als unerlässliches
Heilmittel betrachtet wurde, zu erlangen. Die Gemeinschaft der Vollkommenen
bildete die eigentliche Kirche, die sich die „wahre” und „reine” nannte.
Gebräuche und Gottesdienst: Ihre religiösen Gebräuche waren sehr einfach:
Dort, wo sie mächtig genug waren, um öffentlich aufzutreten, wie in
Südfrankreich oder in Oberitalien, hatten sie eigene Gebetshäuser - aber
ohne Bilder, Kreuze und Glocken; darin stand nur ein mit einem weissen Tuch
bedeckter Tisch, auf welchem das neuen Testament mit dem aufgeschlagenen
Evangelium des Johannes lag. Das Vorlesen einer Stelle und ihre Erklärung
bildeten den Hauptteil des Gottesdienstes; hierauf folgte der von den
Gläubigen kniend empfangene Segen. Das Abendmahl wurde durch Brechen und
Segnen des Brotes durch die Vollkommenen ersetzt, und zwar bei jeder
Mahlzeit, an der sie teilnahmen. Dieses geweihte Brot wurde durch die
Gläubigen sorgfältig aufbewahrt, denn davon sollte täglich ein Stück
gegessen werden. Doch dieser Brauch hatte keine symbolische Beziehung wie in
der kath. Kirche der Leib Christi. Als Beichte kannten die Katharer ein
öffentliches, von den Gläubigen wie von den Vollkommenen abgelegtes
Sündenbekenntnis. Abgesehen von Weihnachten, Ostern und Pfingsten gab es
keine kirchlichen Feiertage. Ihre kirchliche Organisation führten sie zum
Teil auf die ursprünglich. christl. Kirche zurück. Sie hatten nur Bischöfe
und Diakone; dem Bischof waren zwei Gehilfen oder Stellvertreter beigegeben:
der Filius maior und Filius minor. Die einzelnen Gemeinden besprachen
Probleme auf kleinen oder grösseren Synoden.
Geschichte und Verbreitung: Die K. waren besonders in Südfrankreich in der
Gegend um Albi und in Oberitalien verbreitet. Um 1240 soll die Zahl der
Katharer 40.000 betragen haben. 1167 fand in der Nähe von Toulouse ein
Konzil der Katharer statt, an dem auch Bischöfe der Bogomilen aus
Konstantinopel teilnahmen. Ausser in Oberitalien gab es auch in Florenz, im
Kirchenstaat, in Kalabrien und Sizilien lange Zeit Gemeinden der Katharer,
die zuletzt mehrere Diözesen bildeten. Im 14. Jahrhundert wurden die letzten
Gemeinden durch die Inquisition beseitigt. Vergebens durchreiste 1147
Bernhard von Clairvaux ihre Zentren in Südfrankreich, um sie zu bekehren.
Fürsten und Adel protegierten sie, so dass sie sich frei entwickeln konnten.
Sie waren hier in mehrere Bistümer unterteilt, deren bedeutendste die von
Toulouse und Albi waren.
Im Jahre 1165 hielten die kath. Bischöfe im Schloss Lombers bei Albi ein
öffentliches Religionsgespräch mit den Geistlichen der K. aus dem ganzen
Land ab. Das Gespräch endete ohne Ergebnis. Die katholische Kirche musste
sich damit begnügen, ihre Lehre zu verdammen. Die Ermordung des päpstlichen
Kardinallegaten Pierre de Castelnau im Jahre 1208 war für Papst Innozenz
III. eines unter mehreren Argumenten, gegen die Albigensergemeinden im Süden
Frankreichs zu einem Kreuzzug aufzurufen, dem viele Adlige folgten. 1209
marschierte ein Heer die Rhöne hinab und belagerte die Stadt Beziers. Diese
wurde am 22. Juli 1209 eingenommen. Viele Einwohner wurden dabei
niedergemetzelt. Auf den Fall Bziers folgte die Einnahme von Carcassonne.
Nach diesen Anfangserfolgen zogen sich die Kämpfe über eine längere Zeit
hin. Sie endeten 1229 mit der weitgehenden Vernichtung der Albigenser.
Nach Deutschland kamen die Lehren der Katharer aus Flandern und der
Champagne. Schon 1052 wurden in Goslar Katharer zum Tode verurteilt. In Köln
und Bonn bestand die Sekte aber fort. In der ersten Hälfte des 13.
Jahrhunderts finden sich katharische Gemeinden auch in Bayern und am Rhein,
die von Konrad von Marburg verfolgt wurden. |