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Hexenwesen, Satanismus, schwarze Magie
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HEXE(R)

Bezeichnung für Männer, mehrheitlich aber für Frauen, gegen die im 15. bis 18. Jahrhundert der Vorwurf der Hexerei erhoben wurde. Diesem Delikt werden Schadenszauber, Teufelspakt, Hexenflug, Hexensabbat und Teufelsbuhlschaft zugerechnet.
Der Name Hexe(r). findet zuerst 1419 in einem Luzerner Gerichtstext Erwähnung, wo die Bezeichnung „Hexerey” gebraucht wird. Nach der heute all-gemein anerkannten Worterklärung geht das Wort „Hexe” auf and. Haguzza: Zaunreiterin, zurück. Das Reiten auf einem Zaun gehört zur altgerm. Hexenvorstellung. Beim Hexenglauben flossen verschiedene Motive zusammen: so z. B. der Pakt und die Buhlschaft mit dem Teufel, die Anbetung fremder Gottheiten, der Sabbat, Schadenszauber, der Flug durch die Luft und die Tierverwandlung.
Die wichtigsten Elemente des europäischen Hexenglaubens finden sich schon in der Antike, bei den Nordgermanen und bei den zentralasiatischen Völkern, deren religiöse, vom Schamanismus geprägten Glaubenvorstellungen über die Lappen und Finnen zu den Nordgermanen und über die Steppenvölker nach Mitteleuropa eingedrungen sind.
Die antiken Hexer, die meistens aus bestimmten Regionen des Schwarzes Meeres, des Pontos Euxenos, Phrygiens, Syriens oder Thessaliens stammten, waren mehr oder weniger mit den etablierten Kulten der Hekate oder Diana verbunden, die sich auf die Fruchtbarkeit und Unterwelt bezogen. Zu ihren Fähigkeiten gehörten die Einflussnahme auf Mond, Gestirne, Naturgewalten und Unterwelt, die Zukunftsvorhersage und die Technik der Herstellung von Amuletten, Talismanen und anderer mag. Mittel, mit denen man sich gegen Zauberkräfte zur Wehr setzen konnte.
Einen Höhepunkt erlebte das antike Hexenwesen in den ersten drei Jahrhunderten der röm. Kaiserzeit. Bis in die Spätantike wurde nur der Schadenszauber mit der Todesstrafe geahndet, die schon seit dem Zwölftafelgesetz für die Verzauberung von Feldfrüchten vorgesehen war.
Nach dem Sieg des Christentums wurde jede Form der Zauberei als teuflisch angesehen. Kaiser Konstantin II. verfügte, dass alle Magier ohne Ausnahmen mit dem Tode zu bestrafen seien, weil sie Feinde des menschlichen Geschlechtes wären.
Die germ. Hexe weist Züge auf, die noch deutlich den Einfluss des zentralasiatischen Schamanismus verraten. Zentrale Vorstellung dieses Schamanismus ist der Flug ins Jenseits in einem ekstatischen Zustand. Das wichtigste Zaubermittel der altnord. H. ist ein Stab, der nicht nur die Seele des Schamanen verkörpert, sondern sie auch mit sich fortträgt. Verletzungen während des Fluges sind auch am Körper des Schamanen sichtbar. Deshalb bedeutet den „gandr” schwingen soviel wie einen Flug durch die Luft antreten. Ausser der Vorstellung des mag. Fluges verrät schon die Bezeichnung gandr, die aus dem Lappischen stammt und übersetzt „Seele” bedeutet, die schamanistische Herkunft dieses Glaubens. Die germ. Göttinnen Holda und Freya waren wie Hekate und Diana Beschützerinnen der Frauen und Fruchtbarkeitsgöttinnen. Freya, die dem Geschlecht der Wanen angehörte, heiratete in das Geschlecht der Asen ein und erlernte von dem Asengott die „Seidkunst” - eine Zaubertechnik, mit deren Hilfe die Zukunft erkannt werden kann. Die germ. Mythologie enthält zahlreiche Berichte über Seherinnen, Zauberinnen und Frauen, die mit mag. Kräften ausgestattet sind. Die bekanntesten sind Albruna, Valeda und die Seherin Völva, die in den Eddas, den altisländischen Sagen, vom Anfang und Ende der Welt berichten. Man muss weiterhin davon ausgehen, dass sich trotz der Christianisierung eine Art Klein- bzw. Dorfmagie erhielt, deren Ziel es war, mit mag. Mitteln die Fruchtbarkeit von Acker und Tieren zu vergrössern.
Die Verbindung der unterschiedlichen, im Volksglauben verbreiteten Vorstellungen wurde von mittelalt. Theologen vollzogen, die im Anschluss an die Lehre des Augustinus vom Teufel und den Dämonen die Meinung vertraten, dass der Teufel die Menschen zu mag. Übeltaten wie Behexung der Feldfrüchte, Wetterzauber und bösem Blick anstifte. Dieses umfangreiche Lehrgebäude von Satan und seinen Dämonen, das mit den Methoden der Scholastik entwickelt wurde, ging eine enge Verbindung mit der Praxis der Ketzerverfolgung ein. Die Ketzer, zu denen man die Katharer, Albigenser, Templer und Waldenser zählte, waren sektenartig organisiert und wurden von der Inquisition beschuldigt, einen Satanskult zu betreiben. Die Erfahrungen der Inquisitoren mit diesen Ketzersekten, die sich zu einem Feindbild verfestigt hatten, wurden nun auf die im Volksglauben noch lebendigen mag. Vorstellungen bzw. Praktiken der Dorf- und Kleinmagie angewandt. Wesentliche Elemente dieses Feindbildes waren geheime Versammlungen, die Absage an den christlichen Glauben, grausame religiöse Praktiken wie Kannibalismus sowie sexuelle Orgien. Man entdeckte nun nach den Ketzern eine weitere, bei weitem noch viel gefährlichere Sekte, nämlich die der Hexen. In den Quellen werden die Hexer als haeresis insolita - ungewöhnliche Ketzerei - bezeichnet. Die Inquisitoren waren von der Entdeckung einer derartigen Sekte geradezu überrascht. Ausgangspunkt dieser Entwicklung war die westliche Schweiz, wo nach der Ketzer- bzw. Waldenserverfolgung in den 30er Jahren des 15. Jahrhunderts diese neue Sekte von den Inquisitoren zuerst entdeckt worden war. Da gleichzeitig das Baseler Konzil stattfand, wo sich die bedeutendsten Theologen trafen, verbreitete sich dieses neu entdeckte Verbrechen der „Hexerei” sehr schnell. Dieser Hexenglaube wurde besonders durch den gerade aufkommenden Buchdruck intensiv verbreitet.

Die wichtigsten Eckdaten zur Hexenverfolgung:

 

906: Canon Episcopi.
1266-1273: Thomas von Aquin: Summa Theologica.
1419: In einem Strafprozess vor dem Luzerner Stadtgericht fällt zum erstenmal die Bezeichnung „Hexerey”.
1435: Errores Gazariorum; anonymer Autor.
1480-1525: Grosse Hexenverfolgungswelle in Europa. Hexenprozesse
1484: Hexenbulle von Papst Innozenz VIII.
1486: Der Hexenhammer erscheint.
1489: Molitor: De lamüs...
1519: Agrippa von Nettesheim verteidigt eine Hexe.
1532: Reichsgesetzbuch: Carolina. 1560-1660: Klimaverschlechterung; neue Hexenverfolgungswelle.
1563: Weyer: De prastigiis daemonum.
1569: Sammelwerk: Theatrum diabolorum.
1570: Höhepunkt der Verfolgungswelle.
1580: Bodin: De daemonorum magorum.
1595: Remy: Daemonolatria.
1600: Delrio: Disquisitiones.
1602: Boguet: Discours de Sorciers.
1608: Guazzo: Compendium maleficarum.
1612: De Lancre: Tableau de l'inconstance.
1631: Spee: Cautio Criminalis.
1693: Bekker: Verzauberte Welt.
1701: Thomasius: De crimine magiae.
1782: Letzte Hexenhinrichtung - Anna Göldi, Schweizer Kanton Glarus - in Europa.


 

 

 

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