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Wie in den meisten
Religionen der Welt waren auch im europäischen Altertum Natur- bzw.
Elementargeister bekannt. Nach Proklus können diese Wesen von
halbkörperlicher Struktur in gewissem Masse als Seelen der Elemente, der
Minerale und Pflanzen angesehen werden. In der mittelalterlichen Magie
wurden sie als böse Geister den Erzengeln und Engeln der Elemente
gegenübergestellt:
Diese antike Denktradition, die den Nymphen, Dryaden eine Mitwirkung an der
kontinuierlichen Erschaffung des Universums zuschrieb, konnte vom
Christentum in dieser Form nicht übernommen werden. Der antike Begriff des „Daimon”
- ursprünglich durchaus ambivalent - wandelte sich zum ausschliesslich
negativ besetzten „Dämon”.
Während in der Antike diese Naturgeister wie die Natur selbst zum Guten als
auch zum Bösen wirken konnten, wurden sie im christlichen Mittelalter
zunehmend negativ beurteilt. Der berühmte Abt von Sponheim, Johannes
Trithemius, sah in den Luft- und Erdgeistern in erster Linie Diener der
Hexen, denen sie bei ihren Zauberwerken beistehen und die auch sonst in
erster Linie darauf aus sind, Schaden anzurichten. Feuer- und Wassergeister
spricht Tritheim zwar frei von der Mitwirkung am schwarzmagischen Tun, die
letzteren aber sind verantwortlich für Meeresstürme und Schiffsunglücke,
während die Erdgeister Erdbeben verursachen können.
Ähnlich sah es Agrippa von Nettesheim, der vor allem die Luftgeister als
Helfer der Hexen bezeichnet. Dabei greift er eine von Theologen des
Mittelalters öfter diskutierte rationale Erklärung für Werwölfe oder die
Fähigkeit der Menschen, sich in verschiedene Tiere zu verwandeln, auf.
Eine echte Verwandlung von Menschen in Tiere sei demnach unmöglich, die
Luftgeister würden aber durch Spiegelungen entsprechende Trugbilder
hervorrufen. Besonders gefährlich ist nach Agrippa eine bestimmte
unterirdische Form von Erdgeistern, die die Schätze der Erde hüten und für
Bergleute eine echte Bedrohung darstellen. Sie geben sich manchmal als
Geister Verstorbener aus, um die Menschen zu täuschen.
Insgesamt freundlicher ist die Sichtweise von Paracelsus, der den
Elementargeistern ein eigenes Buch gewidmet hat. Seiner Ansicht nach haben
diese Geister mit den Menschen zwar die Vernunft gemein, jedoch keine Seele.
In der okkulten Tradition werden zahlreiche Rituale überliefert, mittels
derer sich der Magier einzelne Elementarwesen dienstbar machen kann. Anders
als im Teufelspakt, bei dem der Zauberer dem Teufel Versprechungen leisten
muss, um dessen Hilfe zu erlangen, wird hier der Elementargeist mittels
einer magischen Operation zur Dienstbarkeit gezwungen; sein Verhältnis zum
Magier ist dementsprechend oft hasserfüllt. Rudolf Steiner greift in seiner
Lehre die antiken Traditionen wieder auf und sieht in den Elementargeistern
die „Seele der Elemente”, verantwortlich für das Wachsen und Gedeihen der
Pflanzen, für die Fruchtbarkeit der Erde, die lebensspendende Kraft des
Wassers u. a. Dieser Gesichtspunkt ist auch in der heutigen Esoterik und im
Wicca-Kult massgebend.
Vorstellungen dieser Art hatten sich im übrigen in der ländlichen
Bevölkerung trotz der Christianisierung bis in unsere Zeit gehalten: Die
zahlreichen Wald- und Wassergeister, Moosfräulein, wilden Männer, saligen
Fräulein, Kornmuhmen, Nixen und Wassermänner der deutschen Sagen sind nichts
anderes als Widerspiegelungen dieses Glaubens an Elementargeister.
Das bis ins 20. Jahrhundert geübte Brauchtum zu Erntedank, aber auch bei
Beginn der Säarbeit und der Ernte, diente häufig dazu, diese Naturgeister
günstig zu stimmen, wie sich auch Bräuche in der Art hielten, bei
Dürreperioden Opfergaben in bestimmte Seen zu werfen etc. |