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Zukunft im Buddhismus

Die Frage nach Zukunft und Jenseits stellt sich sowohl hinsichtlich des einzelnen Menschen als auch des Weltablaufs. Anthropozentrisch steht sie im Zusammenhang mit dem Zeitbegriff und dem Weltverständnis, die wiederum bedingt sind durch die buddhistische Deutung der Existenz und die Negation von Substanz und Subjekt. Da Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nur Erscheinungsformen des Seienden sind, fehlt der indische Begriff für Zeit (Skt. kala) in urbuddhistischen Texten fast vollständig. Dennoch nimmt das buddhistische Zeitverständnis kosmologisch an den hinduistisch-zyklischen Vorstellungen von Weltzeitaltern (Skt. kalpa, jap. ko) teil. Auch wenn nach Anknüpfungen im Urbuddhismus gesucht wird, gewinnt eine zukunftsorientierte, eschatologische Sicht der Geschichte des Buddhismus vorrangig im japanischen Amida- sowie im Nichiren-Buddhismus Gestalt.

Der Buddhismus selbst durchläuft danach drei Zeitperioden:

1. Shobo, die Zeit des wahren Dharma, die noch 500 Jahre über Buddhas Tod hinaus angedauert hat, in der Lehre, Praxis und die „Frucht der erlösenden Weisheit" (Y. Takeuchi) miteinander lebendig sind;

2. Zobo, die Zeit des verfälschten Dharma, die ihrerseits die nächsten 500-1000 Jahre ausmachten, in der zwar die Lehre noch verbreitet wurde und die Praxis weiterlebte, doch die Früchte der Weisheit nicht mehr geerntet wurden;

3. Mappo, die Zeit des letzten Dharma, in der die lebendige Bezeugung der Weisheit ebenso fehlt wie die religiöse Praxis und nur noch der tote Leichnam der in den Sutren niedergelegten Lehre ohne jede geistige Lebendigkeit verblieben ist. Am Ende dieser Letztzeit, für die zumeist 10 000 Jahre angesetzt werden, verbrennt die Welt im Kalpa Feuer. In dieses negative Erwartungsbild zeichnen der Gründer der Wahren Reine-Land-Schule (jap. Jodo-shinshu), Shinran (1173-1262), wie auch der Gründer der dritten mittelalterlich gegründeten Schule Japans, Nichiren (1222-1282), ihre Gestalt von Heilsverheissung. In der amidistischen Jodo-shinshu bezieht sich diese auf das in der Anrufung des Amida Namens verwirklichte radikale Vertrauen auf die rettenden Gelübde Amida Buddhas und seine Verheissung des Reinen Landes (jap. jodo), im Nichiren Buddhismus auf die Anrufung der befreienden Kraft des Lotossutras. Dass sich eine im eigentlichen Sinne zukunfts-/jenseitsorientierte Auffassung erst im japanischen Buddhismus entwickelte, hat seinen wesentlichen Grund darin, dass das Bewusstsein, in der Endzeit, d. h. der der ursprünglichen Erleuchtung entferntesten und zugleich dieser am stärksten entfremdete Zeit, zu leben, den Sinn für eine alle Zeiten betreffende Heilsbotschaft neu eröffnete. Entsprechend bietet der japanische Amida-Buddhismus auch vom Ansatz der christlichen Eschatologievorstellungen her den nächsten Ansatzpunkt. Er muss. dann allerdings auch in der Dialektik von, Zen- und Amida-Buddhismus neubedacht werden.
 


 

 

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