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(später zarduscht; griech.
Zoroaster)
ist der Begründer der zarathustrischen (zoroastrischen) Religion, heute
Parsismus genannt (Parsi/Parsismus). Zeit und Ort seines Wirkens sind bei
den Fachleuten (Iranisten) umstritten. Gute Gründe sprechen für eine Zeit um
630 v.Chr. als Beginn mit dem östlichen Iran (damals auch Teile von
Afghanistan und Pakistan umfassend) als Ort seines Wirkens. Der Zarathustra
Nietzsches hat mit der geschichtlichen Gestalt nichts zu tun. Die einzige
Quelle, die einigermassen Aufschluss gibt über sein Leben und sein
religiös-ethisches Wirken und Denken sind die Gathas. Sie sind der älteste
Teil des Avesta, des heiligen Buches des heutigen Parsismus. Die metrische
Dichtung der 17 Gathas (Hymnen) zeugen von einer starken Persönlichkeit
Zarathustras. Die Texte selbst aber sind unserem heutigen Verständnis in
bezug auf sein religiös-ethisches Welt- und Menschenbild nicht leicht
zugänglich. Daher gibt es bis zum heutigen Tag eine Reihe von verschiedenen
Übersetzungen und Interpretationen, wie - abgesehen von Bartholomae und
Lommel - etwa Herzfeld, H. Humbach, W. Hinz zeigen.
Wir können jedenfalls den Gathas entnehmen, dass Zarathustra als einzige
Gottheit den Weisen Herrn (Ahura Mazdah) anbetete als Schöpfer und Herrn der
Welt. Angesichts der äusseren Schwierigkeiten seines Auftretens und Wirkens
bittet er den Weisen Herrn um Hilfe. Dieser Weise Herr ist umgeben von
tugendartigen Wesen mit menschlichen und göttlichen Eigenschaften, den
amesha spentas, den unsterblichen Heiligen. Zarathustra widersetzt sich dem
Kult anderer Gottheiten aus dem indo-iranischen mythischen Erbe. Er
widersetzt sich den Priestern der daevas, der höchsten Gottheiten, und deren
grausigen Tieropfern. In diesem Zusammenhang lehnt er die Opferform des
berauschenden Haoma-Trankes ab.
Im nachgathischen, jüngeren Avesta tauchen polytheistische religiöse
Vorstellunge aus der Zeit vor Zarathustra wieder auf. Die Gestalt des
Zarathustra wird - bei allem Respekt aber - in legendenhaften Zügen
geschildert. Die monotheistische Grundkonzeption wird durchkreuzt von einem
dualistischen Weltbild.
Das Weltbild des Zarathustra gründet im alten Zwillingsmythos: Angra Mainyu
(Böser Geist, später Ahriman) hat sich im Gegensatz zu Spenta Mainyu
(Wohltätiger Geist) für das Böse in Gedanken, Wort und Werken entschieden.
Der Böse Geist ist Herr der Dämonen und Gegner der Weisen Herrn. Dieser
dualistische Gegensatz der ursprünglichen Weltenscheidung teilt die Welt in
zwei gegensätzliche Bereiche des Guten und Bösen. Der einzelne Mensch muss
sich nach zarathustrischer Vorstellung ebenfalls für eine der beiden Welten
und Lebensauffassungen entscheiden. Die ursprünglich monotheistische
Stellung des Ahura Mazdah kommt der Eschatologie wieder zum Vorschein, wo
der Weise Herr endgültiger Sieg wird über den Bösen Geist; er ist
Mittelpunkt eines seligen Endzustandes. Nach der Auffassung einer einzigen
Gatha Stelle hat Ahura Mazdah auch die Finsternis erschaffen (Yasna 45,2).
Auch dies deutet in die Richtung des Weisen Herrn als absoluten Herrn. Beim
Tod entscheidet sich das Schicksal des Menschen aufgrund seiner freien
Wahlentscheidung. Der Gang über die Brücke der Trennung (cinvant) lässt ihn
endgültig das Reich des Lichtes, der Wahrheit und des Guten gelangen ; oder
er fällt in das Reich der Lüge, des Bösen und Hässlichen für immer.
Saoshyant (Helfer, Retter) stehen Zarathustra bei im Kampf gegen das Böse
und stützen den Herrschaftsbereich Ahura Mazdahs. Im jüngeren Avesta erhält
Saoshyant eine eschatologische Funktion bei der Herbeiführung der
endzeitlichen Erneuerung der Welt. In späteren Überlieferungen wird der
letzte der drei Saoshyant geboren aus einer Jungfrau und aus dem im See
aufbewahrten Samen des Zarathustra.
Der Mensch steht - dies entnehmen wir umrisshaft dem Welt- und Menschenbild
der zarathustrischen Gathas - im Mittelpunkt des Geschaffenen. In ihm
kreuzen sich die Bemühungen des Weisen Herrn und seines Gegenspielers Angra
Mainyu bzw. Ahriman, des Widersachers, des Geistes der Lüge und des Bösen.
So wie der Weise Herr auch die sichtbare, materielle Welt seines Reiches
ausdehnen will, so besteht für den Menschen die ethische Pflicht, sich für
den Weisen Herrn frei zu entscheiden, d. h. für den Sieg des Guten zu
kämpfen. Weil sich der Mensch aber auch für das Reich des Bösen entscheiden
kann, stehen sich auf Erden zwei Lager gegenüber. Zum Reich der Lüge gehören
die Nomaden, sie überfallen als Räuber die sesshaften Bewohner, die das Rind
pflegen. Zarathustra begünstigt - so würden wir es in unserer Sprache heute
sagen - eine Landreform zugunsten ansässiger Bauern. Er lehnt jene Gottheit
ab, die Tieropfer verlangt und stellt den Feuerkult als Zeichen des Dienstes
und der Anerkennung für den Weisen Herrn in den Mittelpunkt der rituellen
Dienste.
Zarathustra unterstreicht mit der freien Wahlentscheidung des Menschen seine
persönliche Verantwortung. Ähnlich der Wahlentscheidung der „uranfänglichen
Geister" ist das Schicksal der weiteren irdischen Entwicklung der
persönlichen Entscheidung des Menschen in Gedanken, Worten und Werken
anheimgegeben. Das den Menschen vor Augen zu führen will Zarathustra in den
Mittelpunkt seines Wirkens stellen. In den Gathas gibt es keine Magie oder
Zaubersprüche; solches ist nach dem Zeugnis des jüngeren Avesta und dem
Pehlevi-Kommentar einer späteren Zeit in reichem Mass vorbehalten.
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