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Die Zahl (althochdt. zala,
urspr. „Einschnitt im Kerbholz") galt bis zur Ausbildung der Algebra nur zur
Bezeichnung der sog. natürlichen Zahlen (1, 2, 3, ...). Sie wird nicht nur
abstrakt als Rechenwert, als Massstab von Raum und Zeit aufgefasst, sondern
erhält eine besondere Bedeutung in Magie und Aberglauben, Kult und Mythos,
in religiöser Symbolik und Spekulationen durch ihre Verwendung als
geheimnisvoll-religiöse Deutung. Schon in früher Zeit muss das Interesse des
Menschen durch die Beobachtung des Tag- und Nacht-Rhythmus, der Mondphasen
und anderer Naturereignisse an der Zahl begonnen haben. In grösserem Masse
finden sich zahlenmystische Ansätze bei den Pythagoreern. Der babylonische
Kulturkreis, der die Zahl aus göttlichem Ursprung erklärt, beeinflusste die
Kulturen und Religionen in Indien, Persien, Griechenland, Alt-Israel und die
auf dem und Neuen Testament beruhende christliche Zahlen-Symbolik. Von der
Kabbalah wurde besonders die mittelalterliche, die islamitische und die
neuere Zahlen Spekulation beeinflusst. Auch heute noch. hat die
Zahlen-Symbolik in der Magie in okkulten Zirkeln (Okkultismus) eine grosse
Bedeutung. Die einzelnen Zahlen unterliegen - häufig auch durch Addition und
Multiplikation - unterschiedlichen Deutungen:
- 1 ist der Ursprung und gemeinsames der Zahlen und wird der Vielheit
entgegengesetzt. Sie ist das Symbol des einen, Unteilbaren, des Göttlichen
- 2 bedeutet Gegensatz, Polarität, Trennung.
- 3 steht für das Ganze und Umfassende, ist Zahl der Heiligkeit und
Vollkommenheit sowie des christlich-trinitarischen Gottesbegriffs; Auftreten
göttlicher Wesen in Drei-Zahl oder Vielfachem von Drei; Dreiteilung des
israelitischen Tempels, dreimaliger Anruf der Gottheit, das Trishagion,
dreimaliges „shanti". F. Heiler führt als trinitarische Analogien
verschiedene Triaden ein.
- 4 hat körperlich-kosmische Beziehung: 4 Himmelsrichtungen, 4 Elemente, 4
Jahreszeiten, 4 Paradiesströme, 4 Zeitalter Hesiods, 4 Weltreiche (Dan), 4
Perioden der zoroastrischen Religion; Islamisch: 4 rechtgeleitete Elaffen, 4
Quellen der Rechtsgelehrsamkeit, 4 orthodoxe Rechtsschulen.
- 5 ist die Zahl der Planeten, der Ischtar bzw. der Venus. Als abwehrendes,
magisches Zeichen gilt das Pentagramm; in China ist sie Glücks- Zahl;
vergeistigt im Manichäismus (5 Archonten, 5 Äonen usw.) und Islam (5 Säulen
des Glaubens, 5 tägliche Gebete).
- 6 ist die Zahl des Makrokosmos. Der 6-Stern (Hexagramm) verbindet
Geistiges und Materielles; Zahl der Schöpfungstage, der Flügel der Serafim,
der Weltalter (der Arbeitstage).
- 7, bei den Sumerern und Semiten heilig, ist 7 die Zahl der Vollkommenheit,
Ganzheit, Fülle, der antiken Planeten mit Sonne und Mond (Vollkommenheit des
Universums), der Wochentage, des Sabbats, der Augen Jahwes (Zeichen seiner
Allwissenheit); 7armiger heiliger Leuchter, 7tägige Feiern (Pascha,
Laubhüttenfest); Offenbarung.: grosse Anzahl von Siebener-Gruppen; 7 Bitten
des Vaterunsers, 7 Bitten der 1. Sure des Korans; Zahl der Tugenden, der
Todsünden, der Sakramente, der Gaben des HI. Geistes, der Werke der
Barmherzigkeit.
- 8 ist Glücks- Zahl; 8 Paradiese Elams, 8 Seligpreisungen Jesu, 8gliedriger
Pfad Buddhas; Zahl der Auferstehung Christi: 8.Tag (Herrentag/Sonntag), der
erste Tag der Woche, der sich wiederholt und zugleich der Tag der Vollendung
ist.
- 9 (3 x 3), Zahl der Vollendung; neunstöckige Pagode (Bestattung/Grab) als
Abbild des Himmels bei den Chinesen; Stunde ist die Todesstunde des Herrn.
- 10 ist Zahl der Finger, der Weisheit und Vollendung, der Gebote Gottes
(Dekalog), der Sefirot in der Kabbala.
– 11 (10+ 1) ist Zahl der Masslosigkeit.
- 12 (3 x 4 oder 5 + 7), grosse kosmische Zahl, Grund- Zahl des
Hexagesimalsystems; in China und Babylon Zahl des Tierkreises; 12 Äone
(Gnosis); 12 steht für Vollzähligkeit : 12 Stämme Israels, 12er Gruppen des
Alten Testaments, 12 Tore des himmlischen Jerusalems, 12 Apostel Jesu.
- 13, Zahl der babyl. Unterwelt, als Entzweierin des geschlossenen und
vollendeten Systems und Zahl des Schaltmonats, somit in Babylon und bis
heute Unglücks- Zahl
- 14 (2 x 7), glückbringend schon in Babylon und Ägypten; 14 Nothelfer.
- 15, Zahl Ischtars, der Stufenpsalmen, der Geheimnisse des Rosenkranzes.
- 18, in der Kabbalah als günstig gesehen, heilige Zahl des islamischen
Mawlawi Ordens.
- 25 ist Jubiläums- Zahl;
- 28 Mond- Zahl,
- 33 Zahl der Vollendung (Alter Christi).
- 40, im Islam eine „grosse Zahl", gilt als Zahl der Fluchtzeit, der
Erwartung und Vorbereitung (40tägige Vorbereitungszeit der Derwische;
griech. Totenmahlzeit am 40. Tag nach der Bestattung; 40jährige
Wüstenwanderung der Israeliten; 40tägige Unreinheit der Wöchnerinnen;
40tägiger Aufenthalt von Mose, Elija und Jesus in der Wüste; Quadragesima).
- 50 ist Jubiläums- Zahl; Israel feierte jedes 50. Jahr Jubeljahr (Lev 25,8
ff.); 50-TageFeier nach dem Fest der Ungesäuerten Brote: „Wochenfest" =
Pfingsten; Pentecoste.
- 70: Septuaginta; Septuagesima; 70 Völker der Völkertafel, Gen 10).
- 72 gilt als Zahl der Grösse und Vielfalt; 72 Jünger werden ausgesandt, 72
Sekten kennt der Islam.
- 108 ist im Buddhismus eine heilige Zahl, weshalb der buddhistische
Rosenkranz auch 108 Perlen hat.
- 666 ist die Zahl des apokalyptischen Tieres.
- 1000 ist die Vollkommenheits-Zahl (Chiliasmus).
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