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1. Der Glaube an ein
Fortleben nach dem Tod ist von Anfang an mit der Religion verbunden. Schon
die Steinzeitmenschen glaubten an ein persönliches Weiterleben nach dem Tod,
wie aus den Bestattungsweisen gefolgert wird; die Grabbeigaben lassen auf
die Annahme schliessen, dass der Tote im Jenseits seine spezifischen
Tätigkeiten fortsetzt. Dieser Glaube ist auf verschiedenen Kulturstufen
belegt. Wenn der Tote nach Osten gerichtet wurde, lässt dies die Hoffnung
auf Wiedergeburt erkennen, weil das Los der Seele mit dem Lauf der Sonne
verbunden werden soll. Das Jenseits wird hier als Iteration des Diesseits
betrachtet. Wenn gleich der Unsterblichkeits-Gedanke ein religiöser
Grundbegriff mit archetypischer Bedeutung ist, so hat doch die Tradition des
Glaubens und Denkens sehr ausgeprägte und unterschiedliche Formen der
Unsterblichkeits-Hoffnung hervorgebracht. Grundtypen sind eine personale und
eine nichtpersonale Unsterblichkeit, eine zyklische im Kreislauf des Werden
und eine eschatologische als Erreichung eines endgültigen Zieles, wobei ein
oder mehrere Leben angenommen werden können.
2. Für die abendländische Traditio wurde die religiöse und philosophische
Unsterblichkeits-Lehre der Griechen bestimmend. In der Orphik ist die Seele
göttlich und in den Körper wegen einer Schuld verbannt. Der Leib ist Ort der
Verbannung, nicht die Schuld Ursache. Die irdische Seinsweise wir deswegen
als Zwischenstadium angesehen, aus dem es zum Ursprung zurückzukehren gilt.
Dazu dienen „Reinigung“ und „orphisches Leben". Ähnliche Vorstellungen
finden sich in der vorsokratischen Epoche bei Pythagoras und Empedokles. Der
Unterschied zwischen Vorstellungen der Unsterblichkeit als Eingebundensein
in den Kreislauf der Natur (Leben als bios) und der Unsterblichkeit als
Endgültigkeit deutet sich an.
Bei Platon kommen sowohl religiöse wie philosophische
Unsterblichkeits-Vorstellungen der Überlieferung zusammen und werden zu
einem neuen Denken und Glauben gebracht, wobei im Gesamtwerk sowohl die
naturale wie idealistische Seelenvorstellung der Vorsokratik vorkommt,
folglich auch deren Unsterblichkeits-Lehre in einem differenzierten Licht zu
interpretieren ist.
Die idealistische Seelenauffassung der frühen und mittleren Periode lehrt
eine Präexistenz der Seelen, setzt sie aber ontologisch nicht mit den Ideen
gleich, denen sie nur sehr ähnlich sind; auch werden sie niemals zu Ideen,
womit ein bleibende Differenz von Seele und Idee feststeht und sich so von
orphischer Göttlichkeit der Seele abhebt.
Ferner versteht Platon die Unsterblichkeit der Seele in dem Sinne
eschatologisch, als er trotz der - durch Teilhabe - wesenhaften
Unsterblichkeit ihre endgültige Bestimmung mit der ethischen Seinsweise im
Leben verbindet und ein definitives Ziel für möglich hält. Nicht rituelle
Weihungen führen zur Gemeinschaft mit „dem guten und weisen Gott, wohin,
wenn Gott will, auch meine Seele bald zu gehen hat" (Phaidon 80d), sondern
das gute Leben.
Neben dieser Auffassung hat die Seelenwanderung einen festen Platz im
platonischen Werk, wobei sich eine gestufte Wiedergeburtenlehre abzeichnet,
welche dem jeweiligen Vorleben und einer Weltperiodenlehre folgt. Im
Spätwerk kann man die Unsterblichkeit als Ewigkeit kosmischen Lebens
erkennen, was im Werk des Aristoteles zur Auffassung von der Seele als
Prinzip des Lebens führt, ohne eine individuelle Unsterblichkeit (welche er
anfangs vertrat) anzunehmen. Nur der Nous ist unsterblich.
3. Die christliche Auffassung von Unsterblichkeit, welche einerseits durch
Auferstehung gekennzeichnet ist und andererseits eine Verbindung mit der
Lehre von der Seelen-Unsterblichkeit aufweist, geht von zwei Gesichtspunkten
aus. Erstens ist alles Sein erschaffen; d. h. zugleich, dass die materielle
Wirklichkeit ebenso erschaffen ist und nicht schlecht sein kann; zweitens
kann die Unsterblichkeit der Seele allein im Schöpfungswillen Gottes
begründet sein, was dialogisch zu verstehen ist, so dass man von einer
wesenhaft-dialogischen Unsterblichkeit sprechen kann. Die Lehre des Thomas
v. Aquin ist der aristotelischen Anthropologie insofern verpflichtet, als
sie ein ganzheitliches Menschenbild in der Formel „anima forma corporis"
vertritt ; doch ist die Seele in sich unzerstörbar und wird im Tod vom Leib
getrennt; als solche verweist sie auf die Auferstehung des Leibes. Das
kirchliche Lehramt hat die Unsterblichkeit der Seele definiert, ebenso ihre
Seligkeit bei Gott auch vor der allg. Auferstehung.
Im Glauben an Jesu Auferweckung und Erhöhung wird deutlich, dass das neue
Leben nicht Annahme eines neuen Körpers auf der Erde ist, sondern dessen
Verwandlung und Gemeinschaft mit dem Vater aussagt. Diese konnte Paulus für
sich als Christusgemeinschaft sofort nach dem Tod erwarten. Daneben steht
die Erwartung der Totenauferstehung bei der Wiederkunft Christi. Daraus
ergab sich die Annahme eines leibfreien Zwischenzustandes, der heute
teilweise durch die These von der Auferweckung im Tod zurücktritt.
4. Religions-geschichtlich muss Auferstehung als Modus des
Unsterblichkeits-Glaubens betrachtet werden. „Unsterblichkeit" ist der
anthropologische Ort, an den Hoffnung über den Tod hinaus anknüpft und somit
nicht nur die christliche Botschaft der Auferstehung vernehmbar macht,
sondern auch den Dialog unter den Religionen ermöglicht.
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