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Ugaritische Religion

Die kanaanäische Stadt Ugarit (Name des Trümmerhügels: Ras Schamra), am Mittelmeer rund 10 km nördl. der syrischen Hafenstadt Ladakije gelegen, erlebte etwa zwischen 1500 und 1200 v. Chr. ihre Blütezeit und ging zum letztgenannten Zeitpunkt durch den Seevölkersturm zugrunde. Sie wurde vermutlich um die Wende vom 3. zum 2. Jahrtausend von Kanaanäern (Amuritern) besiedelt, die vielleicht auf eine dort schon ansässige nordsemitische Bevölkerungsschicht stiessen. Zur Zeit ihrer Blüte war die Stadt mit hurritischen Volkselementen durchsetzt. Bekannt geworden ist Ugarit durch die seit 1929 von französischen Wissenschaftlern durchgeführten Grabungen. Von grösster Bedeutung war die Entdeckung von (Tontafel-) Schriftdokumenten in den Archiven des Königspalastes und der dem Baaltempel zugehörenden Bibliothek. Es wurden nicht nur Texte in akkadischer (babylonisch-assyrischer) und hurritischer Sprache und Schrift (Keilschrift) gefunden, sondern auch, namentlich in der Tempelbibliothek, Tafeln mit einer dem älteren nordwestsemitischen Lautstand nahestehenden, bis dahin unbekannten Alphabet-Keilschrift von 30 Zeichen, die zur Niederschrift der ugaritischen Sprache diente und zwischen rund 1400 und 1200 benutzt wurde. Diese Tafeln enthalten der kultischen Verwaltung zugehöriges Material, aber auch epische Texte und eine Reihe von Mythen über die in Ugarit verehrten Götter, vornehmlich den Hauptgott der Stadt, Baal/Hadad.
Den in Ugarit gefundenen kultischen, epischen und mythischen Texten verdanken wir, dass wir über die Religion dieser Stadt ein detaillierteres Bild besitzen als über die jeder anderen kanaanäischen oder phönizischen Stadt. Eine Schwäche der Texte besteht darin, dass sie zwar die offizielle Religionsausübung beschreiben, uns jedoch bei der Frage nach den religiösen Vorstellungen des Volkes im Stich lassen. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass in Ugarit wie auch im ganzen semitischen Orient dem Menschen die Aufgabe zugeteilt war, Diener der Götter zu sein.
Unter den Menschen hatte der König aufgrund seiner Stellung als Sachwalter der Gottheit und Hirte des ihm anvertrauten Volkes den besten Kontakt zur überirdischen Welt. So wird im Keret Epos erzählt, dass der Göttervater El dem König Keret im Traum Anweisungen zur Erlangung der ihm von El zugedachten Frau gibt, einschliesslich des zuvor dem El und Baal darzubringenden Opfers, um den heilsamen Verlauf des Unternehmens zu sichern. Das Epos liefert uns auch ein Beispiel der zeitgenössischen und auch später noch anzutreffenden Vorstellung, dass Krankheit Sündenschuld sei: Keret hat ein der Göttin Atirat gegebenes Gelübde nicht eingelöst. Der Zorn und die Abwendung der Göttin bewirken, dass ein Dämon vom Körper Kerets Besitz nimmt. Der König kann erst gesunden, als der Göttervater El helfend eingreift. Schliesslich wird geschildert, wie ein Sohn des Königs, Jsb, diesem Vorstellungen macht, er könne wegen seiner Krankheit die königlichen Aufgaben der Wahrung des Rechts im Lande sowie des Schutzes und der Fürsorge für Schwache und Notleidende nicht mehr wahrnehmen.
Nach Massgabe der uns zugänglichen Zeugnisse der religiösen Gedankenwelt in Ugarit, einschliesslich des Opferkults und der Unterweltsvorstellungen, lassen sich diese, abgesehen von aus der Lage und der Geschichte der Stadt zu erklärenden Besonderheiten, in die religiösen Vorstellungen zeitgenössischer semitischer Gemeinwesen einordnen.

 


 

 

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