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Transzendenz/Immanenz

Insofern Begriffe Transzendenz/Immanenz aus der Erfahrung einer Grenze gewonnen werden, die das d Verbleibende (immanere) umschliesst oder die überstiegen wird (transcend handelt es sich um korrelative Beg deren inhaltliche Bedeutung sich erst der genaueren Bestimmung der entsprechenden Grenze und dessen, was durch sie begrenzt wird oder sie übersch ergibt. So hat sich in der Scholastik in Bezug auf den Wirkbereich des Hand: eine differenzierte Theorie der immanenten, im handelnden Subjekt verbleibenden Tätigkeit (actio immanens) im Unterschied zu der nach aussen gerichteten Handlung (actio transiens) herausgebildet. Die Erkenntnistheorie bzw. -kritik erörtert (seit I. Kant) die Problematik der Bewusstseins- bzw. Erfahrungs- Transzendenz/Immanenz. Kant beschränkt die menschliche Erkenntnis auf den Bereich möglicher /Erfahrung und lässt nur einen immanenten Gebrauch der Begriffe, Kategorien und Grundsätze des Verstandes zu. Auch die Ideen der Vernunft (Seele, Welt, Gott) sind nur regulative Prinzipien für die synthetische Einheit der Erfahrungsgehalte und erfassen keine transzendente Realität. Die neuere Sprachphilosophie erörtert diese erkenntnistheoretische Problematik vor allem unter dem Begriffspaar „sprach-transzendent" bzw. „sprachunabhängig" / „sprach-immanent". Die Sprach-Immanenz der Erkenntnis ist am radikalsten vom frühen L. Wittgenstein in der Abbildtheorie des „Tractatus" vertreten worden: „Die Grenzen meiner (der) Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt" (Tractatus 5,6; 5,62) und: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen" (Tractatus 7). Von besonderer Relevanz ist jedoch der religions-philosophische, metaphysische und theologische Gebrauch beider Termini zur Bestimmung des Verhältnisses des Absoluten bzw. Gottes zur Weltwirklichkeit. Es ist - entsprechend dem theologischen Programmwort, dass der Glaube nach Einsicht bzw. Verstehen sucht Vides quaerens intellectum; Anselm v. Canterbury) und dass die Offenbarung zu denken gibt (E. Jüngel) - legitim, zur näheren Bestimmung dieses Verhältnisses vom biblisch-christlichen Schöpfungsverständnis auszugehen, um die darin enthaltenen philosophischen Implikationen freizulegen.
Schöpfung (im aktiven Sinne) bedeutet die Konstituierung der Welt als des Nicht-Göttlichen und gerade so von Gott unendlich Unterschiedenen (im „unendlichen qualitativen Unterschied"; S. Kierkegaard); denn zwischen „geschaffen" und „ungeschaffen" gibt es nichts Mittleres; hier waltet nur die reine Disjunktion. Transzendenz Gottes besagt so die absolute Weltüberlegenheit und die unendliche Wesensverschiedenheit Gottes von der Welt. Als total, d.h. in ihrem ganzen Seinsgehalt und Seinsbestand, von Gott schöpferisch konstituierte Wirklichkeit, ist die Welt ebenso total von Gott abhängig. Sie muss, um zu sein, ständig von Gott im Sein erhalten werden. Ein deistisches Modell (Deismus) des Gott-Kreatur-Verhältnisses ist damit radikal ausgeschlossen. Dieser göttliche Akt der Seinserhaltung ist keine neue Tätigkeit Gottes über den Schöpfungsakt hinaus, sondern mit diesem identisch und dessen fortdauernde Präsenz. Das aber bedeutet: Gottes Weltverhältnis ist nicht nur durch seine Transzendenz bestimmt, sondern ebenso durch seine Immanenz. Welt-Immanenz Gottes aber heisst nicht, Gott sei ein Teil der Welt, sondern meint die Innerlichkeit Gottes als schöpferisch begründende und erhaltende Ursache. Als solche ist er (ein Wort des Augustinus über Gottes Innerlichkeit in der Seele variierend; Conf. III 6, II) den Dingen innerlicher als diese sich selbst. Diese Immanenz Gottes hebt deshalb seine Transzendenz nicht auf, vielmehr gründet beides im selben: in Gottes schöpferischer und erhaltender Ursächlichkeit, die (mit einem bei K. Jaspers, Philosophie 793, entlehnten Begriff) zutreffend als „immanente Transzendenz" umschrieben werden kann. Dieses Verständnis von Gottes Immanenz unterscheidet sich grundlegend vom Pantheismus, indem es zugleich dessen Wahrheitsmoment (die Innerlichkeit Gottes) aufnimmt und aufklärt. Dabei wird die immanente Transzendenz Gottes nur dann richtig erfasst, wenn die Tat der Erschaffung als souveräner Akt der göttlichen Freiheit verstanden wird. Zwar ist die Welt nie ohne Gott, aber Gott ist nicht erst dadurch Gott, dass er erschafft. Er bedarf nicht der Schöpfung, um im Akt der Erschaffung und im Durchgang durch die Verendlichung (vgl. G. W. F. Hegel : Selbstwerdung des absoluten Geistes) erst Gott zu werden. Er ist durch sich, aus sich und in sich in seinem Gott-Sein vollendet. Dennoch ist er von Ewigkeit her in Freiheit der Schöpfer.
Die Unterscheidung von immanenter und transzendenter Tätigkeit ermöglichte es der scholastischen Theologie, die weltunabhängige Vollendetheit Gottes mit der Freiheit seiner Schöpfungstat zu vermitteln. Durch die immanenten Tätigkeiten des Erkennens und Liebens ist Gott als der Drei-Eine konstituiert, der als der erkennend sich Aussprechende (Vater), als das im Erkanntsein ihm völlig entsprechende Wort (Sohn) und als das aus der unendlichen Dynamik des Sprechens und Entsprechens hervorgehende Geschenk der Liebe in dreifach relational unterschiedener Weise der eine und selbe Gott ist. Das Mysterium der Trinität ist im Verständnis der christl. Theologie kein mysterium logicum, sondern das erhellende Licht, das Gottes Gottheit und absolute Einheit (ohne die Gott nicht Gott wäre) nicht als starre und tote Identität (als welche Gott nicht als Gott gedacht werden könnte), sondern als in sich selbst erfüllte und vollendete Lebendigkeit sehen und so die absolute Einheit und das in sich selbst vollendete Leben Gottes zusammendenken lässt: als absolute Einheit im personalen Mit-Sein. Gott ist in sich selbst höchste Einheit und vollendetste Gemeinschaft. (Im Zusammenhang der personkonstituierenden immanenten göttlichen Tätigkeiten steht übrigens auch die erste Bildung des Substantivs „I."; vgl. Oeing-Hanhoff 222 f.) Von diesen immanenten Tätigkeiten, die Gottes Gottheit als ungeteilte Drei-Einheit begründen, ist die in der souveränen Freiheit seines Willens gründende transzendente Schöpfertätigkeit zu unterscheiden, die keine göttliche Person begründet, deren Resultat vielmehr „nur" die nicht-göttliche, endliche Kreatur ist. (Auf die Frage, warum überhaupt Schöpfung ist, wenn Gott der in sich selbst Vollendete und des Nicht-Göttlichen nicht Bedürftige ist, kann, christlich gesehen, nur die Christologie und die Lehre von der Gnade eine angemessene Antwort geben.)
Das Kreatur-Verständnis bedarf noch einer wichtigen Ergänzung. Der Schöpfungsakt, der die Welt in totaler und bleibender Abhängigkeit von Gott konstituiert, begründet nämlich in strenger Identität zugleich die Welt in ihrer Eigenwirklichkeit und Eigenwirksamkeit. Vom Schöpfungsglauben her kann Welt darum nur verstanden werden in der dialektischen Spannung von totaler Abhängigkeit und relativem Eigensein. Als das von Gott total konstituierte und deshalb von ihm total abhängige Nicht-Göttliche ist sie zugleich in ihr Eigenes gesetzt. ses Eigene der Welt ist aber gerade wesentlich durch ihr Gott-Verhältnis, in Kreatürlichkeit bestimmt, ohne die sie Welt (theologisch) gar nicht gedacht werden kann. Sie ist deshalb von ihrem erschaffenen Wesen her Selbst-Transzendenz auf G' als ihren Seins- und Bestimmungsgrund hin. Das bedeutet: Welt ist theologis gar nicht als reine Immanenz zu bestimmen. wie Gott als der Schöpfer der Welt im nent ist, so ist die Welt von ihrem ei: nen, geschaffenen Wesen, d. h. von ihrer immanenten Wesensstruktur her, sich selbst transzendierende Bewegung auf Gott hin, die im Menschen als dem geistig begabten Geschöpf zu sich selbst kommen soll. Welt, als Schöpfung vers den, ist in ihrer eigenen Wirklichkeit, ihrer Weltlichkeit (nur) in dem Masse . sich selbst, als sie im Menschen, der das verstehende Bei-sich-Sein der W gleichsam das „Gelenk" der Schöpfung zu Gott hin sein soll, ihre Kreatürlich und darin ihre transzendente Ausrichtung auf Gott frei annimmt und bej und sich selbst in Freiheit auf Gott übersteigt.
In diesen Überlegungen ist eingeschlossen, dass Welt (Schöpfung) nicht nur Herkunft von Gott gedacht werden kann, sondern als Rückwendung zu Gott verstanden werden muss, und zwar gesch., die Freiheit des Menschen einfordernde, auf ihre Vollendung in Gott offene Werde-Welt. Die Rückwendung zu Gott ist die immanente, d. h. natu gene Bewegung der Schöpfung, die in rem Da- und So-Sein durch ihr Auf-G. hin-Sein, ihre T., bestimmt ist. Die Herkunft der Welt von Gott ist (schöpfungs-theologisch) gerade deshalb der real-ontologischesche, immanente Grund ihrer Transzendenz-Begegnung, weil die ontische immanen Struktur der Welt, insbesondere der rationalen Kreatur, von Gott als ihrem Si und Zielgrund begründet ist. Daraus lässt sich eine für ein theologisches Weltverständnis relevante Folgerung ziehen: Immanentes Streben nach Vollendung und transzendente Erfüllung können in dieser W sicht nicht ohne den inneren B zueinander gedacht werden. Vielmehr die transzendente Vollendung gerade die Erfüllung der immanenten Strebetendenz der Welt, die in der Immanenz prinzipiell nicht zu erreichen ist, weil nichts Endliches innerhalb der Grenzen seiner Endlichkeit vollendbar ist, sondern nur von „ausserhalb seiner selbst", durch die absolute Transzendenz Gottes erfüllt werden kann: durch die innerliche Selbstmitteilung Gottes (Gnade), die weder Gottes Transzendenz noch die Endlichkeit der Kreatur aufhebt.
Die die Endlichkeit der Welt transzendierende Ausrichtung der Kreatur, insbesondere der geistigen Kreatur, auf Gott, die als notwendiges Implikat der Schöpfungstheologie ausgewiesen werden konnte, sucht die von J. Markchili (gest. 1944) begründete Richtung des transzendentalen Thomismus (u. a. K. Rahner, J. B. Lotz, E. Coreth, B. Lonergan) auch philosophisch zu begründen. In Aufnahme und Weiterführung der transzendentalen Methode Kants will sie dessen erkenntnismetaphysischen Agnostizismus dadurch überwinden, dass sie in einer transzendentalphilosophischen Reflexion auf die apriorischen Möglichkeitsbedingungen der Erkenntnis und Freiheit die These zu erhärten sucht, dass diese immer schon durch den „Koeffizienten des Absoluten" (Marechal) gekennzeichnet sind. In diesem Sinne definiert K. Rahner den Menschen als das Wesen der Transzendenz, „das in jeder kategorialen Tat der Erkenntnis und Freiheit immer schon über sich und den kategorialen Gegenstand ... hinaus ist auf das unumfassbare Geheimnis hin, das als solches Akt und Gegenstand eröffnet und trägt und Gott genannt wird" (Christologie 21 f.). Die philosophische Vermittlung des Transzendenz-Denkens gehört zu den bleibenden und wichtigsten Aufgaben der Theologie, damit das Übersteigen des Gegebenen nicht in ein „Transzendieren ohne Transzendenz" (E. Bloch, Atheismus im Christentum 15) abgleitet.



Triade/Trinität
Religionswissenschaftlich – II. Hinduistisch-buddhistisch – III. Christlich
 


 

 

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