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Religionen
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Traditionelle Religionen - Asien

Zwei Typen ethnischer Gruppen werden hier als Naturvölker betrachtet:

1. Jäger und Sammler: z. B. die B (Indien), die Negritos (Andamanen, Malaiische Halbinsel, Philippinen) und Paläosibirier (Tschuktschen, Jukagiren

2. Hirtennomaden, Rodungs- und höheren Feldbauern wie die Völker der Dravida und Munda-Sprachen (Indien), der tibeto-birmanischen (Assam, nördliches Hinterindien), tai-kadaischen (Hinterindisches Bergland, Südwest-China) und austronesischen Sprachgruppen (Indonesien, Philippinen, Taiwan) sowie Völker ugrischer, samojedischer oder tungusischer Sprachen (Sibirien). Den Religionen dieser Völker ist gemein, ein integraler Teil der Kultur zu sein und deren Grenze nicht zu überschreiten.
Diese Religionen sind ein Teilaspekt des Bemühens, den Menschen und seine Umwelt als sinnvoll aufeinander angesehene Teile eines geordneten Ganzen zu begreifen, und werden von der natürlichen Umwelt mitgeprägt. Das Begreifen ist nicht systematisch, sondern eher eine Antwort auf bestimmte drängende Fragen. So kümmern sich manche Primitivstämme Indiens kaum um die Anfänge der Welt und der Menschheit, während sich bei anderen Gruppen eine Vielfalt von Erklärungen in den Mythen findet. Die Bhil sagen, der Hochgott Bhagavan habe die ganze Welt erschaffen, oft aber macht so ein Gott nur den Anfang und überlässt die Ausführung einem Gehilfen wie dem Riesen P'an-ku (Nung). Solche Wesen korrigieren die Schöpfung durch Heldentaten wie das Abschiessen überzähliger Sonnen (Sonnenschussmythe: Miao) und schaffen die normalen Lebensbedingungen. Die Erde kommt manchmal einfach aus dem Himmel auf das Urmeer herab (Semang) oder wird von dessen Grund heraufgeholt (Tauchmotiv: Garo). Ein heiliger Streit zwischen einem Wesen der Ober- und einem der Unterwelt bringt alle Dinge hervor (Ngadju Dajak). Der Entstehung der Menschen wird oft besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Nach einem in Südwest-China verbreiteten Motiv überlebt ein Geschwisterpaar eine alles vernichtende Flut und wird auf Weisung der Gottheit zum Stammelternpaar. Aus der Hochzeit von Himmel und Erde werden die Menschen geboren (Ostindonesien), oder sie stammen von einem Hundestammvater (Yao) oder einem Froschpaar ab, wobei sie sich im letzten Falle erst langsam zu Menschen entwickeln (Mon-Khmer).
Zum Ganzen dieser Welt gehören auch die überirdischen Wesen, die Gottheiten und Geister. Ein Hochgott, der meist auch der Schöpfer ist (Assam), nimmt oft eine Sonderstellung ein, denn er wohnt im Himmel und sorgt für alles (Tungusen), aber er schaltet sich nicht in den Lauf der Dinge ein und wird gar nicht oder nur in schwierigen Fällen angerufen. Die Geschäfte der Welt sind Gottheiten mit deutlich begrenzter Zuständigkeit anvertraut wie die Fruchtbarkeit von Feld und Mensch, bestimmte Orte oder Gruppen. Für die Jäger sind Berg- und Waldgottheiten von Bedeutung, die als „Herren der Tiere" Beute gewähren (Tun-Busen, Tschuktschen). Bei den Pflanzern finden sich Dema-Gottheiten, deren urzeitlicher Tod den Menschen die Nutz-Pflanzen und den Tod brachte. Diese Wesen sind gewöhnlich nicht sichtbar, doch können sie sich im Traum (dem Jäger) auf der Jagd offenbaren. Ihre Welt ist verschieden von der des Menschen, aber nicht so, dass sie nicht auch gleichzeitig deren Teil wäre. Der Mensch trägt etwas von diesen Wesen in sich selbst, so dass er selber manchmal eine Gottheit werden kann (Gond). Im Denken vieler dieser Völker hat der Mensch zwei oder mehr Seelen. Die eine, die „Wind- und Lebensseele" (Batek), belebt den Körper und kehrt beim Tod an ihren Ursprung, z. B. zum Hochgott, zurück. Die andere, die Schatten- oder Freiseele, wird erst beim Tod des Menschen voll aktiv. Den ganzen Toten, seine volle Persönlichkeit darstellend, lebt sie im Jenseits, das man sich oft wie ein umgekehrtes Diesseits vorstellt. In den Totenriten wird sie dorthin geleitet, bleibt aber noch eine Zeitlang auf die rituelle Aufmerksamkeit der Hinterbliebenen angewiesen. Unerlässliche Bedingung, in diese Welt eintreten zu können, ist ein „guter", nach einem erfüllten Leben erfahrener Tod. Durch einen verfrühten oder in der Fremde erlittenen „schlimmen Tod" wird der Tote zu einem gefährlichen Geist, der Unheil und Krankheit beschert (Ngadju Dajak). Bes. bei Bodenbauern findet sich oft ein Ahnenkult, in dem einzelne gute Tote ausgezeichnet und verehrt werden (Karen, Kachin). Ahnen und Gottheiten beschützen gemeinsam die Menschen und wachen über die alles umfassende Ordnung (adat). Wird sie durch Tod oder Vergehen (Inzest) zerstört, so trifft das immer die ganze Gemeinschaft, die danach als ganze an der Wiederherstellung der Ordnung beteiligt sein muss (Ngadju Dajak). Dafür sind ausgedehnte Riten notwendig, die früher Kopfjagd oder Menschenopfer eingeschlossen haben. Die Hauptfunktionäre bei solchen Handlungen sind Priester, doch als Mittler zu den überirdischen Wesen sind mancherorts Schamanen (Schamanismus) besonders wichtig. Sie können über die Geister verfügen, weil sie mit ihnen gleichen Wesens sind (Batek) oder als „Herren der Geister" über sie gebieten können (Tungusen).
Die früheren Kolonialregierungen haben Riten wie die Kopfjagd oder das Menschenopfer als grausam unterdrückt.
Heute sind diese Religionen einem sie stark verändernden Druck von seiten proselytierender Religionen oder fortschrittlicher Staatsideologien ausgesetzt, so dass es nur mehr eine Frage der Zeit scheint, dass manche von ihnen vergehen werden.
 


 

 

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