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Totenbuch - ägyptisches

Das seit 1842 von R. Lepsius sog. Ägyptische Totenbuch stellt eine aus verschiedenen Zeiten stammende Sammlung aus 190 Kapiteln (eigentlich RA-U, Zaubersprüchen) verschiedener Grösse und Aussagekraft dar. Die Ursprünge liegen im Brauch, Sarkophage (Pyramiden- und Sargtexte des Alten Reiches), später (seit dem Neuen Reich bis in die griechische Zeit) den Särgen beigelegte Papyrosrollen mit Inschriften zu versehen, die ihrerseits wiederum (u. U. von Verwandten bestellte) Exzerpte aus einem umfangreichen Material über Unterweltfahrt und Totengericht darstellten. Die Sammlung des Totenbuches wurde nie kodifiziert, wohl aber im 7./6. Jh. v. Chr. einer ordnenden Durchsicht unterzogen. Den Hauptteil der „Kapitel" bilden Visionen des Toten. Der Osiris-Mythos, der seit den Sargtexten eine grosse Rolle spielte, erfüllt mit Grauen und Faszination. Totenbuch und Liebe zum Leben stehen einander gegenüber. Die Sehnsucht nach Beständigkeit lässt im Jenseits den Sieg des Lebens über den Toten erhoffen. Die Schranke zwischen Diesseits und Jenseits, Leben und Toten, Mensch und Gott fällt. Der Tote ist alt, neugeboren, Schwalbe, Pflanze, Gott, ruft die Götter um Schutz an und verspricht ihnen, sie zu schützen.
Viele Kapitel erscheinen uns dunkel, manchmal zusammenhanglos, voller Andeutungen über Magie und magische Operationen. Das Totenbuch wurde den Toten als Führer durch die Unterwelt in den Sarg gelegt oder an die Wände der Grabkammern der Vornehmen gemalt; es war Führer für die Verwandten des Toten, aber auch für alle eine Einübung, die den Toten nicht besiegt, wohl aber eine Brücke über den Abgrund des Toten baut. Das Jenseits wird nicht bewiesen; es ist einfach da. Alle Möglichkeiten des Menschen, die im irdischen Leben festgehalten waren, brechen auf. Das ist der Sinn der Frage an den Toten: „Bist du dir jetzt deiner göttlichen Freiheit bewusst?"
 


 

 

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