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Tod - im biblischen Umfeld (Reinkarnation; Totenbuch)

1. Dem Ägypter ist der Tod eine reale Gegebenheit. Sie zeigt sich in seiner Vorsorge für sein Grab. Kein anderes Volk ist so sehr vom Tod fasziniert, wie es die Ägypter waren. Sie waren weder gleichgültig gegenüber dem Tod, noch sehnten sie ihn herbei (ausser in Zeiten des Niedergangs). Aber Tod bedeutet Seinssteigerung und Seinserweiterung. Dem Sein (Diesseits, Unterwelt, Himmel) steht das Nicht-Sein gegenüber (die Urflut Nun), das in die Sphäre des Seins hineinwirkt in der Doppelung von furchtbarer Vernichtung und fruchtbarer Schöpfung. Einerseits fordert die Bedrohung durch das Nicht-Sein zur Festigung von Lebens- und Weltordnung auf, welche aber andererseits gerade das Todesschicksal des Menschen herausruft, weil sie ihn der Vergänglichkeit unterwirft. Darum gehört der Tod notwendig zum Leben: Im Durchgang durch das Nicht-Sein wird das Sein erneuert. Im Tod, dem Austritt aus dem Sein, geht der Mensch weder im Nicht-Sein zugrunde, noch sucht er Ruhe in einem Nirvana. Er findet schöpferische Wandlung der Steigerung des Seins. Was im Alten Reich allein dem Pharao vorbehalten war, gilt später jedem: Der Tote setzt sich der Urflut (des Nicht-Seins) und ihrer Wandlung aus, wird so erneut und erneuert, wird selber Osiris und erlangt höhere Existenz.

2. Für Homer zerfällt im Tod der Mensch in Leichnam und „psyche", Seele. Letztere lebt nicht, sondern ist Abbild des Menschen über den Tod hinaus als gewesene. In innerer Konsequenz gilt der Tod als unausweichliches Schicksal, als Macht der Moira, vor dem auch die Götter den Menschen nicht bewahren können. Sie können nur Tod ohne Leid gewähren. Dennoch ist der Tod nicht nur Inbegriff des Entsetzens, unheimliche Übermacht, sondem auch voll eigenartiger verführerischer Faszination. Die Hoffnung auf ein Jenseits liegt nicht in innerer Konsequenz der homerischen Gedanken, sondern ist religiösen Ursprungs. Unter Einfluss der quellenmässig nur sehr schwer fassbaren Orphik lehrt Pythagoras, die Seele sei unsterblich und zur Strafe in den Kerker des Leibes verbannt. Für Heraklit ist die Seele Teil des Allfeuers. Ewiges und Vergängliches schlagen ineinander über. Leben und Tod sind dasselbe. Platon greift pythagoreisch-orphisches Gut auf. Der Tod bringt Trennung der Seele vom Leib. Das Leben ist für den Philosophen ständiges Sterben als Streben, sich von den Banden des Leibes zu lösen. In religiöser Hinsicht hatte sich im Gefolge des Kultes der Demeter und ihrer Tochter in Eleusis eine mächtige Jenseitshoffnung entfaltet, die zugleich den Eingeweihten von der Todesfurcht befreite. Dionysos-Kult und orphische Mysterienreligion führten zu einem System freudigen Lebens und hoffnungsvollen Sterbens. Durch Aufnahme des Gedankens an einen Strafort für die Bösen wurde der Tod zum Schrecken. Es scheint, dass die durch Epikur philosophisch artikulierte Denk- und Lebensweise nur als Reaktion denkbar ist auf eine im Athen des 5. Jh. umgehende Furcht vor Strafe nach dem Tod Die Umbruchsituation des 3. Jh. begünstigte die Mysterienreligionen, die das Leben als Vorbereitung des Todes betrachteten. Im Hermes Trismegistos wird Gott als der gesehen, der leidgeprüftem Leben Sinn verleiht.

3. Die römische Religion nahm Anleihen bei den Griechen wie bei den Etruskern. Etruskische Grabstätten zeugen davon, dass dieses Volk sich offenbar nicht schlüssig war über das Schicksal der Toten. Offenbar herrschte oft panische Angst. Die Römer entwickelten bis in die Prinzipatszeit keine ausgeprägten Jenseitsvorstellungen (vielleicht wegen der Rolle von gens und familia?). Horaz (Ode IV 7) bringt gerade der Frühling Nichtigkeit und Vergänglichkeit zum Ausdruck und zum Bewusstsein. Dem Tod fallen alle ohne Unterschied zum Opfer - „naturae deus humanae mortalis", der göttliche Genius des Menschen ist sterblich; er endet mit dem Leben des Menschen. Der von Ovid überlieferte Niobe-Mythos ist eine Veranschaulichung der grausamen Unerbittlichkeit des Todes (Metamorphosen 15, V). Für Seneca ist der Tod Ende aller Schmerzen, Beginn des wahren Lebens der Seele. Der Weise, der seine Lebenszeit gut ausgefüllt hat, heisst den Tod willkommen. Cicero, der sich an Platon anschloss, sprach in der Unsterblichkeitsperspektive von der „Verachtung des Todes" (Tusc. I). Auch orphische Gedanken werden von Römern aufgegriffen, wie etwa von Vergil (Aeneas VI) oder im Alter von Ovid.
 


 

 

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