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Theosophie

1. Unter dem Begriff Theosophie, Weisheit, Wissen von Gott, werden verschiedene, kaum miteinander in Einklang zu bringende christl. wie ausserchristl. Weltanschauungen zusammengefasst. In ihren mystischen oder naturphilos. Erscheinungsformen steht Theosophie oft in der Nachbarschaft von Alchemie, Astrologie und Okkultismus. Ziel theosophischen Bemühens ist es, mit Hilfe esoterischer Erkenntnis geheimnisvoller Zusammenhänge eine höhere Form der Wahrheit zu finden, als es im Glauben möglich ist. Die Wahrheit über die göttliche Welt wird vermittelt durch das Wissen von Eingeweihten in verschiedenen Religionen, das nur innerhalb der eigenen Schule weitergegeben wird. Christi. Theosophie, in der Christus als die Quelle der Weisheit bezeichnet wird (Kol 2,3), hat Elemente aus Gnosis, Manichäismus, Neuplatonismus, Kabbalah u. a. aufgenommen. Repräsentanten christlicher Theosophie sind u. a. Klemens v. Alexandrien, Origenes, Dionysius Areopagita, Augustin, Hildegard v. Bingen, Seuse, Franck, Weigel, Böhme, Swedenborg, Oetinger.

2. Die Theosophische Gesellschaft (Th. G.) wurde 1875 in New York von der Russin Helena Petrowna Blavatsky (1831-1891) im Zusammenwirken mit dem Amerikaner Henry Steel Olcott gegründet. 1879 wurde der Sitz der Gesellschaft nach Indien verlegt, 1882 nach Adyar bei Madras. Nachdem die Anfänge der Theosophischen Gesellschaft stark spiritistisch geprägt waren, verstärkte sich in Indien der buddh. Einfluss (Hinkehr von Frau Blavatsky zum Buddhismus, Kontakte zu tibet. Mahatmas — Grosse Seelen, Meister). Unter der Leitung von Annie Besant erfolgt eine starke Hinwendung zum Hinduismus. Hinzu kommen viele Elemente aus westl. okkulten Strömungen sowie aus der Kabbalah. Gegen Ende des 19. Jh. breitet sich die Theosophische Gesellschaft in Amerika und Europa aus, es entstehen in vielen Ländern Sektionen. Generalsekretär der dt. Sektion wird 1902 Rudolf Steiner. Trotz zentraler Leitung und einer Zusammenfassung der führenden Theosophen in einer esoterischen Klasse kommt es zu mehreren Abspaltungen. Als A. Besant den Hinduknaben Krishnamurti als neuen Heiland für die ganze Menschheit proklamiert, trennt sich 1913 Steiner (und mit ihm ein grosser Teil der dt. Sektion) von der Th. G. und bildet die Anthroposophische Gesellschaft (Anthroposophie), in der viele theosophische Elemente beibehalten werden. Als kleine Gruppen arbeiten in Deutschland die Theosophische Gesellschaft Adyar und die Theosophische Gesellschaft.

3. Zur Lehre der Theosophischen Gesellschaft: Ein siebenstufiger Pfad soll zu Erkenntnissen in geistigen Welten führen und damit zum Überblick über den Weg der Weltentwicklung Die Entwicklung von Welt und Mensch beginnt im geistigen Bereich, führt durch die Tiefen der Materie und erhebt sich wiederum ins Geistige. Um sein Entwicklungsziel zu erreichen, benötigt der Mensch viele Inkarnationen; Leistung und Verschulden in der vorigen Inkarnation bestimmen den Schicksalsrahmen der nächsten (Karma). Die Bewältigung des Karma und die letztliche Vereinigung mit dem Ursprung ist Aufgabe des Menschen (Selbsterlösung). Der Wille zur Selbstvervollkommnung ist Anreiz ethischen Handeln. Die Theosophie kennt keinen persönlichen Gott und keine grundlegende Erlösungstat Jesu Christi, die die Menschheit mit Gott versöhnt und Schuld vergibt. Jesus wird eingeordnet unter die Reihe der grossen Eingeweihten. Die Theosophie unterscheidet sich also grundlegend vom christlichen Glauben.

4. Während die Mitgliederzahl der Theosophischen Gesellschaft verschwindend gering ist (in der Bundesrepublik Ende der 70er Jahre nur ca. 300), erreicht die theosophische Weltanschauung eine grosse geistige Ausstrahlungskraft, die eine zunehmende Tendenz aufweist: Theosophische Momente verbinden sich heute mit neuen religiösen Denk- und Lebensformen in der New Age-Bewegung.
 


 

 

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