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Theologie und Religionswissenschaft

Th. und Religionswissenschaft (R.) überschneiden sich im Gegenstandsbereich und in der Methodik. Problematisch ist vor allem die Abgrenzung im methodischen Bereich. Die Anwendbarkeit und Funktion der rel.-gesch. Methode in der Th. war schon um die Zeit der Jh.-Wende umstritten. Gegen Ende des 19. Jh. hatte sich in der ev. liberalen Th. eine Richtung herausgebildet, die als „rel.-gesch. Schule" bezeichnet wurde. E. Troeltsch, der als „Systematiker" dieser Schule galt, forderte eine Einordnung des Christentums in die allg. Religionsgeschichte. Er ging davon aus, dass eine Offenbarung Gottes in allen Religionen anzunehmen sei und dass die Absolutheit des Christentums erst im rel.-gesch. Vergleich begründet werden könne - als eine relative Absolutheit. Theologen wie W. Bousset und W. Heitmüller haben konsequent Material aus nichtchristl. Religionen in ihrer Arbeit herangezogen. Die Gegner dieser theol. Richtung sahen darin die Gefahr, dass die Th. sich in R. auflösen,. könnte. In der Zeit nach dem 1. Weltkrieg • setzte eine divergierende Entwicklung ein, in der sich beide Disziplinen gegeneinander abgegrenzt haben.
J. Wach entwarf 1924 das Programm einer empirischen R., in der alle theol. Fragen ausgeklammert werden. Die ?Religionsphänomenologie, die sich in den folgenden Jahrzehnten entwickelt hat, war allerdings auch vom theol. Ansatz R. Ottos beeinflusst. Doch hat z. B. G. van der Leeuw den Unterschied zwischen phänomenologischer und theol. Methode betont. In den 60er Jahren ist die Forderung nach einer empirischen R. in verschärfter Form aufgenommen worden. Th. P. v. Baaren und K. Rudolph haben die Religionsphänomenologie scharf kritisiert und eine wirkliche und endgültige Befreiung der R. von der Th. gefordert.' Diese empirische Richtung der R. hat in. den letzten beiden Jahrzehnten dominiert. Eine Annäherung an theol. Fragestellungen hat es nur vereinzelt gegeben: W. C. Smith hat dem Religionswissenschaftler eine Funktion im Religionsdialog zugewiesen und die Möglichkeit einer „Welt-Th." erörtert.
Der Durchbruch der dialektischen Th. in den 20er Jahren hat eine Abwendung vo der R. bewirkt. Mit dem theol. Ansatz der liberalen Th. war auch die rel.-gesch. Methode der Kritik verfallen. Die nicht-' christl. Religionen sind erst wieder in den, letzten beiden Jahrzehnten in den Vordergrund des theol. Interesses gerückt. P. Tillich hat bereits 1965 eine „Th. der Religionsgeschichte" gefordert, angeregt durch seine Zusammenarbeit mit dem Religionswissenschaftler M. Eliade. Seitdem sind zahlreiche Entwürfe zur "Religionstheologie vorgelegt worden. Diese Ausweitung des theol. Gegenstandsbereiches macht es notwendig, das Verhältnis zwischen theol. und rel.-wiss. Methode neu zu reflektieren. Die Rückbesinnung auf den methodischen Ansatz der rel.gesch. Schule könnte ein guter Ausgangspunkt sein. Die einfachste Möglichkeit, Th. und R. gegeneinander abzugrenzen, besteht in der Annahme, dass Th. im Unterschied zur R. immer an eine bestimmte Religion gebunden ist. Entscheidend für die Unterscheidung der Th. und der R. mit dem Gegenstandsbereich der Religion bleibt auf jeden Fall die Tatsache, dass die Th. aus innerem Engagement für eine bestimmte Religion an andere Religionen herantritt, während die R. sich letztlich der Option für den Wahrheitsund Heilsanspruch einer bestimmten Religion enthält. Die Th. ist aber auch für ihre eigene Meinungsbildung und für einen überzeugenden Umgang mit fremder Religiosität auf die Arbeit der R. in wachsendem Masse angewiesen (Religionstheologie).
 


 

 

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