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Eine islam. Th. lässt
sich nur aus den Ergebnissen und Methoden verschiedener Disziplinen
konstruieren. Zunächst ist die Wissenschaft von der Bestätigung der
Einzigkeit Gottes Cilm al-taw hid) zu nennen, sodann der Kaläm, d. h die
Wissenschaft vom Wort (vom Wo Gottes, oder besser: von der Beweisführung),
der die Funktion einer Apologetik des Glaubens und der Ordnungsvorstel
lungen des Islam erfüllt. Weitere Elemente einer Th. finden sich in den
Traktaten über die Grundlagen der Rechtswissenschaft (usül al-fikh), in
denen über den ‚Koran, die 'Tradition und die Übereinstimmung der Gelehrten
sowie über deren Autorität und Handhabung bei der Feststellung der
Rechtsnormen reflektiert wird.
Unter den Abbasiden (ab 750), als die griech. und hellen. Philosophie
zunehmend rezipiert wurde, mussten die Gelehrten ihren Glauben verteidigen
und seine Aussagen über Gott, die Schöpfung, den Menschen, seine Handlungen
und sein Schicksal, über die Prophetie und die Letzten Dinge mit den Lehren
der Philosophie konfrontieren und zugleich die orth. Haltung des Islam zur
Philosophie überhaupt festlegen. Dies bedingte, dass die theol. Reflexion
eher eine defensive Apologetik wurde un sich weniger um die Aufhellung de
Glaubensinhalte und die Vertiefung rel Aussagen bemühte. Eine Einengung de
Horizontes des Kaläm als Wissenschaft von der Beweisführung war die Folge.
ging immer mehr darum, erst den Stand punkt des Gegners zu definieren und
den Mittelpunkt zu stellen, um ihn wirk samer widerlegen zu können. So
entwik kelte sich der Kaläm am Rande des rel. Lebens und konnte keinen
bestimmen den Einfluss nehmen auf das Leben d Gemeinde, auf die
Ausgestaltung ihre Religiosität und die Festlegung ihrer bensordnung.
Im 14. Jh., als der Islam die Gegenstr mungen ausgemerzt hatte und eine u
umstrittene Herrschaft ausübte, erlahm auch das theol. (apologetische) Denke
Von da an werden die früher üblich g wordenen Glaubensbekenntnisse nie mehr
neu aufgelegt und ergänzt bzw. mit neugestalteten Argumenten verteidigt,
sondern es werden hauptsächlich Ko mentare und Kurzdarstellungen frühe Werke
der klass. Zeit des islam. Denke verfasst. Hier sind die Gegner nicht mehr
die Ungläubigen oder die Philosophen; hier gilt es eher, die Abweichler bzw.
die Häretiker zurückzuweisen.
Heute unterscheidet die islam. Th. zwischen zwei Kategorien von Lehrsätzen.
Die Glaubensaussagen (samlyyat) gründen auf der Autorität Gottes und seiner
‚Offenbarung (VI) im Koran und werden durch die Tradition überliefert: Es
sind Aussagen über die positiven Attribute Gottes, die prophetische Sendung,
den Glauben und den Unglauben, die Gesamtleitung der Gemeinschaft, die
Letzten Dinge. Neben diesen Aussagen gibt es Lehrsätze, die man 'aqliyyät,
d. h. dem Verstand zugänglich, nennt. Sie beziehen sich auf die Existenz
Gottes, auf seine Werke, auf das Menschenbild usw. Neben der Aufgabe, die
Glaubenserkenntnis zu vertiefen und zur Besserung der Qualität islam.
Religiosität beizutragen, hat die Th. heute zu kämpfen gegen die Angst vor
einer modernen Exegese und vor der Konfrontation mit den Fragen des modernen
Denkens und einer aufklärerischen' Religionskritik.
A. 771. Khoury
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