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Theologie - christlich

1. Selbstverständnis
Als christliche Glaubenswissenschaft ist die Theologie wesentlich wissenschaftlich-methodische Reflexion auf den christlichen Glauben an den Jesus von Nazaret offenbar gewordenen Gott. Als solche ist sie nicht mit einer christl. Religionswissenschaft zu verwechseln, da eine rel.-wiss. Beschäftigung sich ausdrücklich des zustimmenden oder ablehnenden Werturteils eine bestimmte Religion enthält und der Religionswissenschaftler folglich auch nicht Mitglied einer der von ihm behandelten Religionen zu sein hat. Die christliche Theologie ist unter der dreifachen Rücksicht einer
a) kirchlichen orientierten,
b) den christlichen Glauben betreffenden
c) Wiss schaft zu bedenken.

a) Kirchlichkeit:
Die Theologie sucht sich ihr Materialobjekt nicht selbst, sondern erhält es von der christlichen Glaubensgemeinschaft. Der Theologe ist entsprechend Lehrer oder Forscher, der selbst auf der Grundlage des christl. Glaubens sein Leben zu gestalten bemüht ist und diesen vom Ursprung her auf die eigene geschichtliche Situation hin reflektiert und zum Ausdruck zu bringen sucht. Allerdings ist Theologe im heutigen Verständnis nicht einfach mit dem Verkünder des Glaubens zu identifizieren. Die Christentumsgeschichte hat vielmehr in den grossen Gestalten des Römisch-Katholischen (Katholizismus), Orthodoxen (Orthodoxie) und Reformatorischen (Protestantismus) auf unterschiedliche Weise, zu einer Differenzierung zwischen der authentischen Lehrverkündigung und der Reflexion auf diese geführt und bietet damit zugleich die Grundlage für mögliche Konflikte zwischen den verschiedenen Lehrinstanzen. In gewissem Sinn steht die Theologie heute zwischen der authentischen Lehrverkündigung und dem zur theol. Mündigkeit erwachenden „Volk Gottes" (Befreiungstheologien).

b) Glaubenswissenschaft:
Zentraler Inhalt der Th. ist das Besondere der christl. Botschaft, das als das Allgemeingültige in die jeweiligen gesch. Kontexte ("Kontextualität) hinein übersetzt sein will. Darin geht es um 'Gott (V. IX), von dem das /Christentum bekennt, dass er, der Ferne, in Jesus von Nazaret der Nahe geworden ist, so sehr, dass die Gestalt Jesu, sein Leben und Sterben zur auf diesen Gott selbst zurückgehenden, sein Wesen offenbarenden Selbstmitteilung Gottes ('Offenbarung V) wird, und das als bleibende, dieser Welt unauslöschlich für alle Zeiten eingeprägte Wirklichkeit. Die Wirklichkeit Gottes, die sich in dreifacher Hinsicht als der ursprungslose Grund ( = Vater), als die gleichwesentliche Selbstmitteilung ( = Sohn) in nochmals gleichwesentlichem wechselseitigem Liebesaustausch ( = Heiliger Geist) dieser Welt mitgeteilt hat, wird in der Th. als das dreifache Mysterium von Trinität Gottes, Inkarnation und bleibend gnadenhaft befreiender Heilsgegenwart in seinem Geist erörtert. Das zentrale Geheimnis göttlicher Selbstmitteilung ist aber dann weiterzuverfolgen in seinen welthaften (kosmologischen) und menschlichen (anthropologischen) Voraussetzungen und Konsequenzen. Dazu gehören die Fragen nach Ursprung ('Welt/Schöpfung IV) und Ziel der Welt (), Zukunft/Jenseits VIII), nach der Stellung des Menschen in der Welt und zu Gott sowie der Menschen zueinander ('Mensch VII. IX; Geschichte, Gesellschaft), nach den tatsächlichen gesch. Abläufen (7 Böses/ Leid VII; Schuld/ Sünde V; heute auch die Erfahrung der Pluralität von Sprachen, ' Kultur[enj und Religionen), nach der Überwindung des Zwiespalts von Heilsverlangen und Unheil (Soteriologie, /Heil/Heilsweg VI). Ist die Th. durch das Ereignis der Selbstmitteilung Gottes in Jesus von Nazaret an eine Ursprungsgeschichte gebunden, so ruft die jeweilige Gegenwart apologetisch nach Rechenschaft über die Begründung des Glaubens und dialogisch nach Eingehen des Glaubens auf die jeweilige Frage- und Problemsituation der Zeit.

Wissenschaft:
Da der Mensch in seinem Leben als Wissender zu seiner Sinnerfüllung strebt, das Wissen sich aber zu allen Zeiten methodisch einen Weg bahnt, beteiligt sich die Th. als menschliches Sinnangebot an den wiss.-methodischen Versuchen der Sinnsuche. Insofern als die Wissenschaften ihrerseits wesentlich zur Gestaltung des geistigen Horizonts der Zeit beitragen, hat die Th. in ihrer je neuen Artikulierung Anteil am Wissenschaftsbetrieb einer Zeit. Wo sie sich dem Disput um ihre Wissenschaftlichkeit stellt, wird die Th. stets kritisch Einspruch erheben gegen die Bevormundung durch andere Wissenschaften, vor allem auch gegen jeden Methodenmonismus, wie er lange Zeit im Verhältnis von neuzeitlicher Th. und neuzeitlich-klass. Naturwissenschaften zu beobachten war. Die Ausrichtung auf den Kanon der Wissenschaften, der Beitrag zu heutiger Interdisziplinarität sowie der theol. Methodenpluralismus lassen sich vor allem in der Ausfächerung der Th. in verschiedene Disziplinen erkennen.

2. Theologische Disziplinen
In der Th. treffen sich vom Selbstverständnis her im jeweiligen Kreuzungspunkt der Gegenwart ein hist. und systemat., ein herkunftorientiert-theoretisches und zukunftorientiert-praktisches Interesse. Diese Vierheit lässt sich grobmaschig in den vier Blöcken der hist. und systemat., der bibl. und praktischen Th. wiedererkennen. Wegen des besonderen Ranges, der im Christentum der 'Heiligen Schrift (VII) zukommt, sind die Beschäftigung mit ihr und die dazugehörigen Hilfswissenschaften aus der hist. Th. ausgeklammert und zu einem eigenen Bereich bibl. Th. zusammengefasst. Die hist. Th. vermittelt die Entwicklung der Christentumsgeschichte in den verschiedenen Epochen vom urkirchl. Anfang über die Väterzeit, das abendländische MA, die Reformation und Gegenreformation bis zur europ.-christl. Neuzeit und zu einer Modernen, die kirchlich geprägt ist vom Ringen um eine neue Gestalt, die sowohl einer postchrist1.-säkularisierten wie einer vom rel. Pluralismus bestimmten Gesellschaft entspricht. Die in den sechs Kontinenten der Erde heranwachsenden lokalen Kirchen lassen inzwischen eine deutliche Schwerpunktverlagerung des Christentums auf die südliche Hemisphäre erkennen. Bei entsprechend ausgeprägtem Interesse lenkt die hist. Th. den Blick auch auf bestimmte ausgegliederte Fragestellungen wie die Geschichte der Th. und des ‚Dogmas, der Ausbreitung des Glaubens ("Mission/Evangelisation), des Verhältnisses von Kirche und Welt. Was geschichtlich in Lehre, Leben und Kult der Kirche vermittelt wird, wird in der systemat. 712. in einer „Hierarchie der Wahrheiten" geordnet vorgestellt (Dogmatik), in ihrem Vermittlungsprozess nochmals reflektiert und begründet (Fundamentaltheologie) und als TheoriePraxis-Problem auf eine neue Praxis (Moraltheologie) und ihre gesellschaftliche Wirksamkeit (Christi. Gesellschaftslehre) hin ausgelegt. Damit hat die systemat. Th. ein notwendiges Gefälle auf die praktische Th. hin, in der sowohl der worthafte wie der lebenspraktische Vermittlungsprozess der christl. Heilsbotschaft und -wirklichkeit thematisiert wird (Liturgie, Verkündigung und Predigt, rel. Unterweisung und Erziehung, diakonische Dienste, christl. Lebenspraxis in den verschiedenen Lebensumständen). Gerade in der praktischen Th. kommt aber nicht nur die Öffnung auf zukünftige Zeitepochen, sondern auch auf die welthaften Räume und Bereiche und die konkurrierenden Welteinstellungen in Religionen, Ideologien und Humanismen zur Sprache.
 


 

 

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