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Theismus

Seit dem 17. Jh. (zuerst bei R. Cudworth 1678) findet sich in der europäischen Geistesgeschichte der Begriff Theismus (von griech. theos Gott), der in den Auseinandersetzungen zwischen christl. Religion und neuzeitl. Atheismus, Deismus und Pantheismus gebildet und fortentwickelt wird. Theismus bezeichnet ein Denken, das an der Existenz eines Gottes festhält (gegen Atheismus), der als absolutes, welttranszendentes (gegen Pantheismus), personales, lebendiges Wesen vorgestellt wird, das auch nach der Schöpfung (verstanden als creatio ex nihilo) in der Welt wirkt (Vorsehung) und sie erhält (gegen Deismus). Die Existenz Gottes, der als frei, selbsttätig, allmächtig, allgegenwärtig, allwissend, gut, ewig oder als Grund moralischer Verpflichtung, Geist usw. gedacht wird, kann und muss im Theismus mit Hilfe der Vernunft erkannt bzw. bewiesen (Gottesbeweise) werden, so dass von der Offenbarung Gottes in der Heilsgeschichte abgesehen werden kann, die aber nicht geleugnet werden muss. Gegenüber den neuzeitlich-aufklärerischen Angriffen auf das Christentum wollte man sich behaupten, indem man den Glauben an den einen Gott (Monotheismus) der christl. Tradition nicht nur als der Vernunft nicht widersprechenden, sondern als von der Vernunft geforderten darstellte. Th. ist also ein Vernunftglaube, der für christl. Theologie dann unannehmbar wird, wenn er wesentliche Inhalte ausblenden oder die unableitbare Selbstmitteilung Gottes als denknotwendig erweisen will. Th. kann daher nur mehr Element einer jeden Religion mit entsprechender Gottesvorstellung sein, sollte aber nicht mit diesen Religionen gleichgesetzt werden; im rel.wiss. Kontext wird der Begriff Th. auch bei polytheistischen Gottesvorstellungen angewendet (/Polytheismus). Die gerade heute oft zu findende unglückliche Gleichsetzung von Th. und „Natürlicher Theologie" bzw. von Th. und monotheistischer Offenbarungsreligion („Christentum, „Judentum, /Islam) trägt dazu bei, dass dieser Begriff oft sehr unscharf verwendet, ja missverstanden wird und eine breitgestreute Bedeutungsvielfalt aufweist. Wie der Begriff des „spekulativen Th." des Spätidealismus sollte Th. insgesamt als philos. Terminus angesehen werden, der auf Vernunfterkenntnis und nicht auf die Erkenntnis aufgrund der Selbstmitteilung Gottes abzielt, wenn von Gotteserkenntnis die Rede ist. Nur ein solcher Begriff vermag in der Weise kritisiert zu werden, wie es heute in der christl. Theologie (z. B. E. Jüngel, W. Kasper) der Fall ist, insofern man dem Th. vorwirft, eine reduzierte, wesentlich verkürzte Sicht des christl. Glaubens zu bieten, die es einem Feuerbach leicht machte, den Th. als „Projektion des Menschen" abzutun. Der Th. stellt also für die Theologie ein ambivalentes Phänomen dar, da er nicht nur hilft, die Vernünftigkeit des Gottesglaubens aufzuzeigen, sondern auch zur „Häresie" werden kann, wenn Gott in einer Weise verendlicht und verobjektiviert wird, die christlicher Trinitätslehre - als konsequenter Form des Monotheismus jenseits von Th. und Atheismus - widerspricht (W. Kasper).
 


 

 

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