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Das lat. templum meint
urspr. den „ausgegrenzten Bereich" (vgl. griech. temenos), speziell dann
aber das im heiligen Raum liegende Gebäude; auch „natürliche" Gebäude, wie
sakral genutzte Grotten u. ä., können als Tempel bezeichnet werden.
Der Tempel ist auf verschiedene Weise ins Religionssystem eingebunden: Im
Vordergrund steht der visuelle Aspekt der Bausymbolik, welche die
Konstruktion - neben rein technischen Momenten - mitprägt und vielfältig mit
anderen Äusserungen der Ikonographie in Zusammenhang steht. Sodann ist der
Tempel Gegenstand von rituellen Handlungen unterschiedlicher Art
(Tempel-Bau, Renovation; geregelter Umgang mit den im Tempel wirksamen
Mächten; Besuch des Tempel durch den Kultteilnehmer). Schliesslich ist er in
vielfacher Weise in sprachliche Vorgänge einbezogen (Gründungserzählungen
über den Tempel; Erzählungen, die im Tempel laut werden; andere Redeformen,
welche den Tempel zum Gegenstand haben oder für die der Tempel den
Vollzugsrahmen abgibt).
Die Konstruktionen eines Tempels entsprechen zunächst den Wohnbauten der
Menschen. So kommen zunächst Höhlen als Tempel in Frage (z. B. die
Höhlen-Tempel von Yazilikaya; die Mithräen usw.). Dem Fortschritt in der
Technik des Hausbaus entspricht dann die Ausarbeitung verschiedener
Tempel-Typen; grundsätzlich gehören auch nomadische Zeltwohnungen mit
kultischer Nutzung, welche einen transportablen heiligen Raum konstituieren,
zur Kategorie der Tempel Die parallele Typologie von menschlicher und
göttlicher Behausung lässt sich z. B. im Alten Orient gut nachzeichnen
(Breitbau, Langbau, Knickachsbau). Eine kosmologische Symbolik, welche
bereits dem einfachen Wohnhaus häufig zukommt, gewinnt beim Tempel
vorrangige Bedeutung und dominiert schliesslich vielfach über unmittelbar
alltagszweckbestimmte Bauelemente.' Diese kosmologischen Elementekulminieren
darin, dass der Tempel den Kosmos schlechthin repräsentiert (Ägypten,
Mesopotamien, Indien und viele ander Hochkulturen, auch im altamerik. B-
reich). Hierher gehört z. B. die Vorstel lung, dass der Tempel Mittelpunkt
(„Nabel” der Welt ist (Griechenland, Israel). Ist di Welt insgesamt als
„Berg" vorgestellt, s ist auch der Tempel als Berg konzipiert, was i
verschiedener Weise architektonisch an gedeutet werden kann (ind. Anlagen,
Tempel' Turm in Babylonien, Pyramidenbau i Ägypten und Mesoamerika usw.).
Wir das Weltganze als Himmel und Erde ko zipiert, so zeigt sich im Tempel
die Verbindun von Himmel und Erde (Mesopotamie Ägypten usw.). Die
Himmelsrichtunge finden Darstellung in der Tempel-Anlag ebenso erfahren
einzelne kosmologisch Bereiche ikonographische Berücksichtigung.
Die meisten Religionen mit Tempel-Bau int pretieren die Numina hochgradig
anthr. pologisch und fassen die Tempel als Aufe haltsstätten der Götter auf,
was ni ausschliesst, dass diese auch ausserh ihre Standorte und
Wirkungsräume h ben. Daraus entwickelt die Tempel-Ideolo in der Regel ein
„Wohnkonzept" für Götter (gelegentlich auch ein „Besuc konzept"). Es kommt
zur Vorstellung nes häuslichen Lebens der Götter, w - ches dem der Menschen
entspricht (b gut sind die Tagesläufe ägypt. Götter kannt, mit Weckung,
Toilette, Speisu usw.), aber natürlich auch die charakt stischen
Abweichungen des Sakralrau von der Profanität aufweist. Der Tempel häufig in
verschiedene Bereiche auf teilt, die aufzusuchen unterschiedli kultische
Kompetenz voraussetzt; den Kultteilnehmer bedeutet der G zum Tempel die
Begegnung mit dem „Heiligen“. Je mehr die reale Präsenz der numinosen Mächte
relativiert oder gar negiert wird (wie z. B. im Islam oder im
Protestantismus), desto mehr wird aus dem Tempel nur mehr ein
Versammlungsraum der Angehörigen einer bestimmten Religion, dessen Betreten
gleichwohl noch einen besonderen Verhaltenskodex erfordert.
Das Verhältnis zwischen Tempel-Bau und profanen Bauten ist unterschiedlich
geregelt. Häufig ist der Tempel zentrales Bauwerk, und seine Symbolik prägt
oft die ganze (vorwiegend städtische) Siedlung. Andererseits gibt es auch
Tempel-Anlagen ausserhalb des menschlichen Siedlungsraumes. Auch bei
zentraler Lage ist oft die Ungültigkeit profaner Lebensregeln im
Tempel-Bereich, die durchaus kultisch sanktioniert sind, betont (z. B.
Asylrecht). Zentralität und Liminalität sind Ausdruck der Ambivalenz des
Heiligen.
Neben der rel. Bedeutung des Tempel ist die wirtschaftliche nicht zu
unterschätzen, die zuweilen ganz zentral ist (z. B. in der sog.
„Tempel-Wirtschaft" des Alten Orients, wo die Zentralisierung der
wirtschaftlichen Abläufe über den Tempel läuft). Die Versorgung der Götter
bindet die personellen, wirtschaftlichen und kulturellen Ressourcen einer
Gesellschaft in geringerem oder höherem Masse; hier kommt es zum Austausch
materieller und geistiger Güter. Auch Bildungseinrichtungen wie Schulen u.
a. sind häufig an Tempel angebunden; zuweilen besteht ein Gegensatz zwischen
dem Tempel und einem politischen Zentrum (Hof).
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