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1. Der Begriff Taoismus
(von Tao)) bezieht sich sowohl auf eine Philosophie als auch auf eine
Religion, deren Ursprung in China liegt. Taoistische Philosophie findet sich
vor allem in den beiden nach ihren Autoren benannten Texten Lao-tzus und
Chuang-tzus. Der erste, „Tao-te-ching", ist ein kurzer, aber verschlüsselter
Text von etwas mehr als 5000 Worten in parallelen Versen und poetischen
Strophen. Der Begriff des Tao hat der Schule ihren Namen Taoismus gegeben.
2. Die taoistische Betrachtung der Welt führte bei Lao-tzu zur Entdeckung
des namenlosen ersten Prinzips und zu der Haltung des „ wu-wei", die eine
solche Betrachtung begleiten sollte. „Wu-wei" bedeutet wörtlich
Nicht-Handeln, gemeint ist aber nicht das Fehlen von Handlungen, sondern
eher ein Handeln ohne Heuchelei, ohne Ergebenheit an das Handeln selbst. Die
Lebens weise muss sodann in Einklang mit dem Weg stehen, der in bezug zur
„Kraft" (te) steht, durch die das universale Tao offenbar wird und seine
Partikularität erhält. Das universale Tao ist die Kraft des Natürlichen, der
Einfachheit, sogar der Schwachheit. Die leise Kraft lehrt die Lektion des
Überlebens, die Bewahrung der eigenen Integrität in einer Zeit der
Unordnung; möglicherweise ist dieses die wichtigste praktische Lektion
taoistischer Philosophie, die eine enorme Bedeutung hatte in der Entwicklung
der taoistischen Religion. Laotzü bietet aber auch politische Lehren
-anscheinend für den Herrscher; diese sind jedoch die umstrittensten. Er
selbst scheint einen kleinen friedvollen Dorfstaat befürwortet zu haben, in
dem der weise Herrscher versucht, die Ursache von Problemen, die durch zu
viele Verbote und Vorschriften, zu viele philos. Streitigkeiten, auch durch
die ethischen Lehren des Konfuzianismus ausgelöst wurden, zu beseitigen.
Durch eine Regierung des Nicht-Handelns soll der Herrscher das Volk gesund,
aber unwissend halten, es vor übermässigem Wissen schützen. Diese
Richtlinien erwecken den Eindruck einer „Zurück zur Natur"-Romantik, sind
aber auch als politischer Autoritarismus interpretiert worden.
3. Chuang-tzu teilt mit Lao-tzu den zentralen Begriff des Tao als des
Prinzips, d der Welt zugrunde liegt und es b. herrscht, während er gegen die
Politik nen eremitenhaften Widerwillen zei Der Text, der einem Denker aus
dem oder 3. Jh. v. Chr. zugeschrieben wir gleicht einer Sammlung von Essays,
reichlichen Gebrauch machen von P, beln und Allegorien, Paradoxa und ph
tasievollen Bildern. Er spricht die dri gende Forderung nach spiritueller Fr
heit aus, allerdings nicht so sehr nach d Freiheit des Individuums von
sozial Konventionen und Beschränkungen, so dern eher nach einer
selbst-transzendi renden Befreiung von den Begrenzung des eigenen Geistes,
den eigenen selbs teressierten Neigungen und Vorurteile Chuang-tzus
zentrales Anliegen kann schrieben werden als die Suche nach solutem Glück,
das nach seiner Ansi zustande kommt durch die Transzendierung der
Unterschiede zwischen dem genen Selbst und der Welt, durch vo kommene
Einheit mit dem Tao. Na ihm schliesst das Tao eine höhere S von Wissen ein,
das Wissen um Weish das über die Unterschiede der Din auch den Unterschied
von Leben Tod hinausgeht. Dieses Wissen kann stisches Wissen genannt werden,
da nicht durch gewöhnliche Mittel erwo wird. Leben gemäss der Natur heisst,
• Gesetze zu respektieren, auch das • Sterbens. Aufgrund der höheren Weis
wird der Weise durch die Veränderli keiten dieser Welt nicht mehr emotio
berührt. Er hat seine Sensibilität nicht verloren, aber er hat sie überstier
Eine solche Annahme des Natürli zeugt mehr von einer Haltung des Glei muts
in der Betrachtung von Leben Tod, als von dem einzigen Wunsch, Leben zu
verlängern.
4. Freilich gibt es auch Passagen Chuang-tzu, die anders interpretiert
werden könnten. So hat Chuang-tzus lyrische Beschreibung des vollkommenen
Menschen, des Weisen, zur Entwicklung religiösen Glaubens an
„Unsterblichkeit geführt, die den Tod überwunden und anderen helfen können,
und Böses zu bewältigen. Vermutlich stammt der Taoismus als religiöse
Tradition aus früher Zeit, in der Wahrsager und Schamanen wegen ihrer
Fähigkeit, mit der geistigen Welt der Götter und Ahnen Verbindung
aufzunehmen, verehrt wurden. Das heisst nun nicht, dass der Taoismus mit der
alten Religion identisch ist. Wohl beleuchtet es den Unterschied zum
philosophischen Taoismus des Lao-tzu und Chuang-tzu, wo die antike Religion
teilweise von Rationalismus und philosophischer Spekulation verdunkelt
wurde. Obwohl die taoistische Religion, die später wiedererschien, Lao-tzu
(sowohl den Mann als auch seine Schrift) verehrte, reinterpretierte sie
seine wie auch die Lehren des Chuang-tzu radikal. Der philosophische
Taoismus ist aber nur einer von verschiedenen Strängen, die gemeinsam den
religiösen Taoismus ausmachen. Hinzu kamen die Ideen von Yin und Yang und
der Fünf Elemente-Schule (Metall, Holz, Wasser, Feuer, Erde), die einen
formenden Einfluss auf frühe Versuche ausübten, die Welt zu verstehen. Im
übrigen durchdrangen konfuzianische und taoistische Philosophie einander und
prägten gemeinsam die taoistische Religion.
5. Die taoistische Religion wurde vielfach mit der Suche nach
Unsterblichkeit, auch nach physischer Unsterblichkeit, mit Hilfe von
Zaubertränken und Yoga identifiziert. Daraus entwickelten sich religiöse
Sekten, unter anderem die sog. Himmelslehrersekte, die ihre traditionelle
Basis wahrscheinlich von Szechuan bis zum Drachen-Tiger-Berg von Kiangsi
herleitete und seit dem 2. Jh. einen erblichen Himmelslehrer hatte. Diese
Sekte war besondersw in Südchina verbreitet. Sie war sehr gut organisiert,
mit durch Erbfolge bestimmten Ausbildern, die unterstützt wurden von
gemeinderatsähnlichen Gremien taoistischer Standespersonen, Männern und
Frauen, die an verschiedenen Zeremonien teilnahmen, von weltlichen Gönnern
der Organisation sowie den „kleinen" Zauberern. Physische Unsterblichkeit
könnte als ein Hirngespinst erscheinen, zumal der Tod immer ein Faktum des
Lebens ist. Aber der Glaube enthüllt, dass der taoistische Eingeweihte nur
scheinbar stirbt, dass das, was im Grab bestattet wird, nicht sein wahrer
Leib ist, sondern nur Ähnlichkeit mit ihm besitzt. Während der
philosophische Taoismus zur Umformung des Buddhismus beitrug, ist der
religiöse Taoismus tatsächlich vom Buddhismus umgeformt worden, indem er von
letzterem dogmatische Voraussetzungen wie die Wiedergeburt (Reinkarnation)
oder Seelenwanderung sowie ein System von Himmeln und Höllen, wo die
Verstorbenen endlich oder vorläufig Vergeltung finden, übernahm. Es wurden
in sein Pantheon sogar verschiedene buddhistische Gottheiten und
Bodhisattvas aufgenommen. All dies fand in einer volkstümlichen Synthese auf
der Ebene des Volksbewusstseins statt. Der grundlegende buddhistische
Ausgangspunkt, dass alle Existenz leidet (Skt. dukkha) wurde vom Taoismus
jedoch nicht rezipiert. In der Tat setzt die Frage nach physischer
Unsterblichkeit eine Zufriedenheit mit dem Leben in dieser Welt voraus, die
der Beschäftigung mit dem Leiden diametral entgegengesetzt ist.
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