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1. Wörtlich besagt T.
(gesprochen dao) eine Strasse, einen Pfad oder einen Weg. Der Begriff ist
jedoch nicht auf diese Bedeutung beschränkt, sondern hat eine breite
Bedeutungspalette und wird zu Recht als einer der reichsten und wichtigsten
Begriffe der gesamten chin. Philosophiegeschichte betrachtet. Diese entstand
während der 2. Hälfte der ChouDynastie (1112n-249 v.Chr.) als Antwort auf
das moralische und politische Chaos, mit dem China zu jener Zeit
konfrontiert war. Verschiedene Denker traten mit ihrer je eigenen Vision
darüber auf, wie China zu „retten" und was der beste „Weg" sei, der
chinesischen Welt die Ordnung zurückzugeben. Dabei erlangte das Wort T. eine
tiefe philos. Bedeutung.
2. Konfuzius (551-479 v.Chr.) war einer von denen, die einen Weg zur Lösung
der Probleme Chinas aufzeigten. Auch wenn seine Sicht nur einen Weg unter
anderen darstellte, ist sie aus konfuzianischer Sicht im Grunde der Weg
schlechthin und erhielt zusätzlich noch einen tieferen Sinn und eine
universalere Bedeutung als der Weg des sittlichen Verhaltens, der
politischen Weisheit und der Güte selbst. Nach Konfuzius ist das T.
gekennzeichnet vom Ideal des „Höheren Menschen" (chun-tzu), dessen inneres
Wesen von Wohlwollen oder Menschlichkeit (jen) und dessen äusseres
Erscheinungsbild von Regeln der guten Sitte (li) bestimmt ist. Wenn jemand
ein „Höherer Mensch" wird, wird der Weg verwirklicht. Dieser Weg ist
einerseits untrennbar mit der Tradition verbunden, insofern als er in alten
Weisen wie Yao und Shun verkörpert gesehen wird. Tatsächlich transzendiert
er andererseits die menschliche Natur, insofern als er letztlich mit dem
Himmelsweg selbst identifiziert wird.
3. Es existierten aber dann unterschiedliche Konzeptionen des T. Nach
Ansicht der „Legalisten" z. B. sollte der „Weg" in der universellen
Anwendung einer strikten Gesetzesregel verankert sein. Dennoch bildeten sie
so eine Gruppe von Denkern, die die Bedeutung des T. vertieft haben.
Aufgrund der Betonung des T. wurden sie als Taoisten berühmt, ihre Lehre als
,Taoismus. Nach chin. Tradition war ,Lao-tzu (6. Jh. v. Chr.) sein
Begründer. In dem nach ihm benannten Buch „Tao-te-ching" heisst es, dass T.
unaussprechlich sei und die letzte Quelle allen Seins bilde (Kap. 1). M.a.W.
im Taoismus wird T. zu einer metaphysischen Kategorie, die das urspr.
Schöpferische bezeichnet, aus dem die Welt hervorgeht. In sich selbst ist es
völlig transzendent; dennoch wird seine „Kraft" oder „Stärke" (te) in der
Natur ausgedrückt. Was transzendent ist, ist so verbunden mit dem
Immanenten, das es dem Menschen ermöglicht, dem „Weg" zu folgen. In der
Praxis ist entscheidend, nicht gegen den Lauf der Natur zu gehen. Die
Spontaneität (tzu-jan, „von selbst") der Natur wird in einem einfachen und
passiven Leben nachgeahmt. Dies impliziert, dass Probleme, mit denen China
konfrontiert war, als das Ergebnis menschlicher Aggression angesehen wurden.
Wenn der Weg nicht aufgegeben würde, dann würden - um in der Sprache der
Taoisten zu sprechen - sich Macht und Güte des T. „von selbst" in der Welt
manifestieren. In dieser Hinsicht erweist sich der Bedeutungswandel von T.
von seinem wörtlichen zu seinem vollen ethischen und spirituellen Sinn als
faszinierendes Element der chin. Geistesgeschichte.
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