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Tanz

Tanz als religiöses Phänomen findet sich bei allen Völkern und in allen Kulturen und gilt neben dem Opfer als wichtigste Kulthandlung.

1. Ausser der gemeinschaftsfördernden Bedeutung, die dem Tanz zukommt, wohnt ihm eine zauberhafte Wirkung inne, die auf verschiedene Weise zum Ausdruck kommt:
a) Abwehrzauber: Tanz gegen Krankheit, Tod, Hungersnot und Naturkatastrophen. Noch im Mittelalter gibt es Abwehr-Tänze gegen die Pest. Auch der Hochzeits-Tanz war urspr. ein Abwehr-Tanz mit dem Ziel, das Brautpaar vor Dämonen zu schützen.
b) Analogiezauber: In Tanz-Bewegungen wird das gewünschte Ziel (Jagdbeute, Regen, Sieg, Ernte), oft auch mit Masken, dargestellt.
c) Umgang in Tanz-Form: Es wird ein Zauberkreis in Tanz-Bewegungen umschrieben, z. B. um einen Altar, ein Götterbild oder eine Leiche, zum Schutz vor feindlichen Mächten.

2. Neben dem Zauber-Tanz gibt es den religiösen Tanz zu Ehren der Gottheit als Teil des Opferkultes. Im Alten Testament ist Tanz Ausdruck von Dankbarkeit und Freude. Das frühe Christentum stand dem religiösen Tanz positiv gegenüber (es gab Tänze zu Ehren de Gottesmutter und der Märtyrer), aber das Konzil von Toledo (589) verurteilte den Tanz als heidnisches Relikt und verbot ihn in der Liturgie. Erst seit dem II. Vatikanum werden wieder religiöse Tänze im Rahmen des katholischen Gottesdienstes geduldet. Spuren haben sich allerdings bis heute erhalten, z. B. in der Echternacher Springprozession.

3. Schliesslich hat der Tanz eine mystisch ekstatische Bedeutung. Ziel der erzeugten Ekstase ist die Lösung von der irdischen Schwerkraft, so dass der Tanzende mit Geistern und Gottheiten Kontakt aufnehmen kann (Schamanismus). Diese Art des Tanzes ist in Mysterienkulten und bei den Derwischen verbreitet. Mystische Tendenzen werden auch im jüdischen Chas(s)idismus sichtbar, wo Tanz als Ausdruck der Freude gilt und abzielt auf die Einigung mit Gott. In der mittelalterlichen christlichen Mystik wird vom „Tanz der Seele" (Mechtild v. Magdeburg) gesprochen; die Seele verbindet sich im Himmels-Tanz mit dem kosmischen Tanz der Gestirne. Diese Idee findet sich auch in der islamischen Mystik (z. B. bei Rumi). Auch Götter werden tanzend dargestellt, z.B. mexikanische Götterfiguren oder der indische Gott Siva.
 


 

 

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