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Tantra - Philosophie

Die buddhistische Philosophie interpretiert Tantra als Kontinuum, das sich als Bewusstseinsmatrix von der gewöhnlichen Person bis zum Buddha erstreckt. Die fundamentale Ebene desselben ist der „Geist des Klaren Lichtes" (tibet. 'od gsal), der einen objektiven Aspekt, die Leere der Wirklichkeit in bezug auf inhärente Existenz, und einen subjektiven Aspekt, das Weisheitsbewusstsein, das diese Leere erfährt, hat. Durch Meditation werden die weniger subtilen Bewusstseinskräfte, die sich in dem einen Kontinuum manifestieren, gebündelt, so dass im Bewusstsein keine gewöhnlichen zerstreuenden Eindrücke und Begriffsbildungen ankommen, was dem Bewusstsein erlaubt, sich auf sich selbst zu richten. Man unterscheidet drei Aspekte: die Basis, den spirituellen Weg und die Frucht.
Basis für die Erleuchtung ist die latent in jedem Wesen befindliche Buddha-Natur, der Geistgrund der Lichthaftigkeit und klaren Erkenntnis, die durch den spirituellen Weg - die tantrische Übung in allen Aspekten - hervortreten kann, indem alle aufgetragenen Verunreinigungen beseitigt werden.
Die Frucht ist die Wirkung, nämlich der Wahrheits-Körper (Skt. dharmakaya, tibet. chos sku) eines Buddha, in den jedes Wesen letztlich transformiert wird.
Die Vollendung ist erreicht, wenn alle Beschmutzungen des Geistes (Skt. klesa, tibet. nyon mongs) beseitigt sind. Neben dem dharmakaya, der in Weisheits-Wahrheits-Körper (Skt. jfianadharmakaya, tibet. ye shes chos sku) und Wesens-Wahrheits-Körper (Skt. svabhavikakaya, tibet. ngo bo nyid sku) unterteilt wird, um den Unterschied zwischen wesenhafter und durchgereifter Vollendung anzudeuten, gibt es die Ebene des feinstofflichen Emanationsbereichs (Skt. sambhogakaya, tibet. longs sku) und die materiellen Manifestationskörper (Skt. nirmarzakitya, tibet. Spnr sku).
Die gesamte Wirklichkeit folgt diesem Stufenaufbau, der eine nicht-dualistische Sicht von materiellen und geistigen Vorgängen erlaubt. Die tantrische Urpolarität wird ikonographisch als sexuelle Vereinigung dargestellt und erscheint buddhistisch als die Einheit von Methode (Skt. upaya, tibet. thabs) und Weisheit (Skt. prajna, tib. shes rab). Im Gegensatz zum hinduist. Tantra ist hier das männliche Prinzip das aktive. Dieses wird durch den Vajra (männlich), jenes durch die Glocke (weiblich) im Kult symbolisiert. Methode ist der altruistische Erleuchtungsgeist (bodhicitta), der in Liebe und heilender Hinwendung (karund) des Übenden zu allen Lebewesen besteht. Dadurch erlangt er den Form-Körper eines Buddha, d. h. die Emanationsgestalt des Erleuchteten. Weisheit ist die Einsicht in die nicht-inhärente Existenz alles Wirklichen, die Erfahrung der Leere (Skt. hinyata, tibet. stong pa nyid), durch die man den Wahrheitskörper eines Buddha verwirklicht.
 


 

 

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