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Talmud

Neben der „schriftlichen Tora" (= Pentateuch) anerkennt das rabbinisch geprägte Judentum (nach 70 n. Chr.) als gleichrangigen Teil der Offenbarung vom Sinai noch eine „mündliche Tora", für Alltagsleben und Recht die eigentlich massgebliche autoritative Grundlage. Um ca. 200 n. Chr. erfolgte eine offizielle Auswahl und Fixierung des Stoffes in der „Mischna", in einer groben Sachordnung in sechs „Ordnungen" (Sedarim), die insgesamt 63 Traktate enthalten;
Seder I („Saaten") enthält vorrangig landwirtschaftlich bedingte Vorschriften und setzt mit einem Traktat über Benediktionen und tägliche Gebete ein;
Seder II betrifft Festzeiten/Feiertage;
Seder III („Frauen") Eherecht und Gelübde;
der Seder IV Straf- und Zivilrecht, eingeschoben ist ein weisheitlicher Traktat, „Sprüche der Väter";
Seder V behandelt Opferkult und Tempel;
Seder VI enthält rituelle Reinheitsvorschriften.

Andere, ältere Traditionen wurden vor allem in einer Parallelsammlung mit analogem Aufbau, der „Tosefta", zusammengefasst, aber auch in „Midrasch"-Werken zu biblischen Büchern oder in späteren Texten als ausserhalb der Mischna vorhandene Einzeltradition (Baraita) zitiert. Auf dieser Basis und der Mischna-Einteilung folgend wurden die gesetzlichen („halachischen") Schul-Diskussionen und Regelungen der folgenden Jahrhunderte geordnet und schliesslich ebenfalls schriftlich fixiert:
a) im palästinischen Talmud (bis ins 5. Jh. n.Chr., jedoch nur einen Teil des Mischnastoffes abdeckend) und
b) im babylonischen Talmud (bis ins 6./7. Jh.).

Der die Mischna ergänzende Stoff, der eigentliche „Talmud" (= Lehre) heisst „Gemara". Der babylonische Talmud enthält zur Mehrzahl der Mischnatraktate eine „Gemara" und gilt als der Talmud schlechthin. Als Basis für alle späteren halachischen Diskussionen und Entscheidungen, daher auch häufig bis heute in Teilen oder ganz kommentiert. Massgeblich und mit dem Talmudtext gelernt wurde der Kommentar des Salomo ben Isaak („Raschi") vom Ende des 11. Jh. Die „Halakha" wurde im Laufe der Jahrhunderte auch in anderer Form, in Kompendien und Kodices, zusammengestellt, doch gilt die talmudische Basis weiterhin als autoritativ.
Die mittelalterlichen Talmud-Handschriften lassen erhebliche Unterschiede erkennen, die auf die verschiedenen Schulen zurückgehen. Mit der Zeit wurde aber eine gewisse Vereinheitlichung und Standardisierung erreicht. Zu benützen ist möglichst jene Textgestalt, die jeweils zeitlich bzw. regional vorherrschte. Mit und seit dem ersten Druck (Venedig 1520-1523) wurde eine Art Textus receptus mit feststehender Folioeinteilung erreicht, von dem die einzelnen späteren Editionen nur im Detail abweichen, z.T. aus Gründen christlich verfügter Zensur.
 


 

 

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