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Synkretismus |
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1. Mit dem griech. Wort
synkretismus bezeichnete Plutarch den Zusammenschluss untereinander
zerstrittener Gemeinwesen Kretas zur Abwehr gemeinsamer Feinde von aussen.
Unter Ableitung von dem im klass. Griechisch nicht belegten syn-kerannymi =
„mischen" bürgerte sich das Wort seit dem Humanismus über das Neulateinische
in den westlichen Nationalsprachen zur Bezeichnung von Verschmelzungen
urspr. nicht zusammengehöriger, besonders religiös-weltanschaulicher, Lehren
und Gedankensysteme ein. Daraus entwickelte sich in den christlichen
Theologien ein Kampfbegriff gegen den Gedanken, Religione seien
grundsätzlich ein und dasselbe und deswegen beliebig austauschbar. Dagegen
verwendet die Religionswissenschaft den Begriff seit langem neutral und
wertfrei zur Bezeichnung von Vermengung und Gleichsetzungen verschiedener
religiöser Systeme und Gottheiten. Da aber keine positive Religion bekannt
ist, die nicht Elemente fremder Traditionen in ihren Dienst gestellt hätte,
mithin nicht „synkretistisch" wäre, ist der Begriff weiter einzuschränken.
Urspr. nur zur Bezeichnung der Verschmelzung orientalischer Religionen mit
den griechisch-römischen im Zeitalt des Hellenismus gebräuchlich, sollte
Synkretismus auch als Allgemeinbegriff auf interreligiösem Pluralismus
eingeschränkt bleiben. Deshalb gehört die Übertragung von Zügen
verschiedener Göttergestalten innerhalb derselben Tradition, die sog.
Theokrasie (z. B. im Alten Ägypten, im Zweistromland, im Alten Iran und
Indien) strenggenommen nicht zum Synkretismus. Die Grenzen sind aber
fliessend, da z. B. mit dem Avatara Gedanken auch urspr. ausserhinduistische
und im Neohinduismus seit dem vorigen Jahrhundert prinzipiell alle
Gottheiten als „Herabkünfte" oder „Inkarnationen" des höchsten Gottes
aufgefasst werden konnten. Reine Deutungen fremder Gottheiten durch eigene,
z. B. die interpretatio romana germanischer, keltischer u. a., erleichtern
Vermischungen so sehr, dass sie z. B. im Alten Ägypten schliesslich zu einem
ideellen Monotheismus führen konnten, sind aber selbst noch kein
Synkretismus. Auch Übernahmen von Vorstellungs- und Praxiselementen (Gebets-
und Gottesdienstformen, heiligen Orten und Zeiten, der Zweiteilung in
heilige und profane Menschen, in Mönche und Laien u. dgl.), kurz:
Assimilationen und Anpassungen gehören nur zum Synkretismus im
uneigentlichen Sinn, wenn sie auf das Zentrum des eigenen Heilsweges bezogen
werden. Dabei ist es allerdings nicht gleichgültig, ob die Übernahmen
programmatisch oder nur faktisch, etwa im Dienst missionarischer
Ausbreitung, erfolgen. Faktische Gestaltwerdung religiöser Traditionen in
fremden Umwelten, Inkulturation, geht erst in Synkretismus im strengen Sinn
über, wenn mit den Formen zugleich ein neues, dem bisher eigenen für
gleichwertig erachtetes Heilsziel angeeignet oder verwirklicht wird. So
können Meditationsmethoden über religiöse Grenzen hinweg ausgetauscht
werden. Sind sie jedoch untrennbar mit der Erlangung bestimmter Heilsziele
(z. B. der Befreiung aus dem Samsara-Kreislauf oder dem Innewerden der
universellen Buddhanatur) verbunden, handelt es sich für alle, die diese
Ziele nicht anstreben (z. B. Juden, Christen, Muslime) um. Synkretismus im
strengen Sinn. Dieser liegt immer vor, wenn Bekenner mehrerer Heilswege
nicht mehr zwischen ihnen trennen (indem sie sich persönlich sukzessiv zu
ihnen bekennen) oder sie nur z. B. als Vorbereitung und Erfüllung einander
unterordnen, sondern sie für ein und dasselbe ansehen und in der kultischen
Praxis entsprechend vermischen. |
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