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Das Symbolon war in der
griechischen Antike ein Erkennungs- oder Kennzeichen, das aus einer in zwei
Hälften zerbrochenen Marke bestand, von der eine Hälfte einem Gast- oder
Geschäftsfreund mitgegeben wurde zum Zweck des späteren Wiedererkennens. Als
Erkennungszeichen erschien im frühen Christentum das Symbol des Fisches (in
bildlicher Darstellung oder als Akrostichon), durch dessen Vorzeigen man
sich als zum Christentum gehörig auswies. Schliesslich wurde der Begriff vom
Erkennungs- zu einem Bekenntniszeichen in seiner Anwendung auf die
christlichen Bekenntnisschriften. Erst durch die aufklärerischen Tendenzen
im Verlaufe vom 16.-18. Jh. werden Symbol-Gebrauch und Symbol-Theorie
thematisiert, und man wendet sich der Untersuchung der sinnlichen Formen
christlicher Inhalte zu.
Das Symbol ist ganz allg. seiner Form nach den Zeichen zuzuordnen, da es ein
Etwas bezeichnet, mithin nicht für sich allein steht, sondern durch sich auf
etwas anderes verweist. Der Verweisungscharakter des Symbols verbindet die
Ebenen der sinnlichen Darstellung und der geistigen Bedeutung miteinander.
Da beide Ebenen aber nicht vollständig zur Deckung gebracht werden können,
entsteht ein charakteristisches Spannungsmoment. Das Symbol fordert daher zu
seinem Verständnis den ganzen Menschen mit Intellekt und Gefühl, weil es im
stärkeren Masse als die Allegorie, die mehr dem Rationalen verhaftet ist,
dem Ausdrucksaspekt unterliegt. Das religiöse Symbol steht in der Mitte der
Trias numinose Wirklichkeit, sinnliche Form und Mensch.
Das Verhältnis zwischen dem Symbol und dem Transzendenten kann auf
verschiedene Arten vorgestellt werden. Eine realistische Symbol-Auffassung
behauptet eine Wesensgemeinschaft zwischen Symbol und dem Symbolisierten.
Das idealistische Symbol-Verständnis trennt beide Ebenen, sieht also keine
Wesensgemeinschaft zwischen ihnen und verlangt folgerichtig, dass der Gehalt
für sich allein erkannt werden soll.
Die paradoxale Symbol-Interpretation propagiert ebenfalls den Vorrang des
Gehaltes vor der Gestalt, der durch das Zerbrechen des Symbols zur
Darstellung gelangen soll.
Die Symbol-Schaffung bzw. Symbol-Stiftung ist eine schöpferische Leistung
des Menschen, eine Reaktion auf die Begegnung mit dem Transzendenten. Hier
wird die Bedeutung des Symbols festgelegt, und es wird aus dem Bereich der
sinnlichen Erscheinungen herausgehoben. Allerdings nur für den Kreis von
Eingeweihten, der um seine Bedeutung weiss, denn seine Form allein ist nur
der sichtbare Teil seiner Bedeutung. Die religions-wissenschaftliche
Forschung hat der Symbol-Erforschung von Anfang an ihre Aufmerksamkeit
zugewandt, ohne jedoch zu einer allg.-gültigen Symbol-Theorie zu gelangen.
Für Religionswissenschaftler, die im Anschluss an R. Otto wie er die
Symbol-Stiftung des religiösen Menschen als einen Reflex der Begegnung mit
dem Heiligen ansahen, wird das Symbol zu einem Erkenntnismittel über das
Wesen des Numinosen. Bei M. Eliade erhalten die Symbole einen ontologischen
Status, indem er unter Einfluss der Archetypenlehre C. G. Jungs ein Reich
ewig bestehender Symbole annimmt. Die neuere religions-wissenschaftliche
Forschung weist ein ontologisches Symbol-Verständnis zurück (Waardenburg)
und orientiert sich an einem funktional-kommunikativen Ansatz, der
geschichtliche, soziale und kulturelle Abhängigkeiten beachtet.
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