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Während des letzten
Drittels des 4. Jahrtausends ist das Volk der Sumerer, wahrscheinlich über
Land aus dem Osten kommend, in den Süden des Zweistromlandes eingewandert.
Das geschlossene sumerische Siedlungsgebiet erstreckte sich von der Stadt
Eridu am Persischen Golf ca. 200 km nordwestl. etwa bis in die Gegend von
Nippur. Siedlungen, Kultzentren und Handelsniederlassungen der Sumerer
bestanden wohl auch nördlich der genannten Region, doch könnte es hier bald
zu einer gegenseitigen Durchdringung mit nord- oder nordostsemitischen
Einwohnern bzw. Einwanderern gekommen sein, den Vorläufern des vermutlich
noch durch Zuwanderung aus der Steppe verstärkten Akkadertums.
Die Sumerer schufen während der sog. frühgeschichtlichen Zeit (ca.
3100-2750) die älteste Hochkultur de Menschheit mit einem bereits weit
entwickelten religiösen Leben. Im frühesten Stadium der Sumerischen Religion
dürfte jeder Ort - mit Ausnahme von Uruk - nur eine Stadtgottheit besessen
haben. Sie verkörperte das Prinzip der göttlichen Macht und setzte die für
die Durchführung des Kultes wie auch für das menschliche Zusammenleben
notwendigen Ordnungen. Menschlicher Stellvertreter der Gottheit war der
Stadtfürst. Durch die Zusammenlegung benachbarter Ortschaften und die
Entwicklung von politischen Machtzentren; wodurch abhängig gewordene Orte
die Gottheit der herrschenden Stadt in ihren Kult aufnahmen und diese
umgekehrt den Göttern der botmässig gewordenen Orte Platz in ihren Mauern
bot, vermehrte sich die Zahl der in einer Stadt verehrten Gottheiten unter
Wahrung des Vorranges des Stadtgottes. Gleichzeiti bildeten sich die
besonderen Wesenszüge der einzelnen Gottheiten deutlicher heraus. Durch die
Bemühungen der Priesterschaften wurden die Götter in ein System
verwandtschaftlicher Beziehungen gebracht und ihnen eine grosse Zahl
dienender, niederer Gottheiten zugeteilt. Nach theologischem Verständnis war
ein Wesensmerkmal der Gottheit ihre Verfügung über ausserirdische, ordnende
Kräft sumerisch „me" genannt, die Natur und Wesen derErscheinungen
bestimmter „me"-Kräfte konnten delegiert werden, so der „me-lam",
Schreckensglanz, der die Feinde eines Königs niederwarf, oder
unvorhergesehenerweise den Besitz. wechseln, wie der Mythos über Inann ( =
Ischtar in der babylonisch-assyrischen Religion von Uruk, die Göttin der
Liebe und des Venussterns, und Enki von Eridu, der Gott des Süsswasserozeans
(Grundwasserhorizonts), berichtet. Während eines Besuches der Inanna in
Eridu schenkte ihr Enki im Rausch ca. 100 „me". Im Laufe der religiösen
Entwicklung waren die dem Menschen ehemals zugänglichen Stadtgottheiten zu
grossen Göttern geworden, die sich ihren Aufgaben der Weltordnung widmeten.
Die sog. persönlichen Schutzgottheiten, im Rang meist tieferstehende Götter,
nahmen sich der Menschen an und schalteten sich in Fällen, deren Regelung
über menschliche Kräfte ging, vermittelnd ein, indem sie ihre Klienten
fürsprechend vor eine der grossen Gottheiten führten.
Die Menschen waren, der Weltordnung gemäss, zum Dienst für die Götter
bestimmt. Der Kult umfasste neben Opfern und der Zuwendung durch Gebete und
Hymnen kultische Feste - das wichtigste war das jährliche Neujahrsfest.
Bemerkenswert ist, dass der Begriff der Sünde, der in den semitischen
Religionen eine grosse Rolle spielte, in der Sumerischen Religion offenbar
noch wenig ausgebildet erscheint.
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