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Starzen

Das Starzentum ist eine russische Erscheinung und untrennbar mit dem dortigen Klosterleben verbunden. Die Starzen (Altväter) sind im Laufe der Geschichte von wechselndem Einfluss auf das russische Leben überhaupt gewesen. Der Starzen ist ein älterer Mönch, durch lange Übung und Selbsterziehung in der Askese und der Demut geübt und fähig, seinerseits Mönchen und Laien eine geistliche Schulung angedeihen zu lassen und sich als Seelenführer zu betätigen. Er übt meist keinerlei Amt aus, lebt selbständig in einer Einsiedelei oder einem Kloster und wirkt kraft seiner Persönlichkeit. Die Beziehung zu ihm ist freiwillig. Der Schüler gibt seinen Willen auf und folgt dem Starzen bedingungslos, nimmt gegebenenfalls auch seine Lebensweise an. Doch kann er auch im Laienstand verharren. Askese und Mystik sind die Heimat des Starzen. Diese Lebenshaltung entstammt dem Athos, wo Gregor der Sinaite (gest. 1346), Vertreter der Hesychia, der Gottesschau, mit seinem geistigen Gebet eine entscheidende Wirksamkeit entfaltete. Diese Lehre verpflanzt Nil Sorskij (1433-1508) ein Jh. später in die Urwälder Nordrusslands und macht sie zu einer russischen Erscheinung mittels seiner Schüler im Gebiet nördlich der oberen Wolga. Vorher spielt der Starzen in Russland nur eine geringe Rolle. Die Lehren Nils wurden durch Iosif Volokolamsk (Volockij; gest. 1515) und den Metropoliten Daniil (gest. 1547) als Vertreter Moskaus, des Dritten Rom, zurückgedrängt und erst durch Paisij Velitschkowskij (1722-1794; seine kirchenslavische „Philokalia" aus den Schriften der Asketen und Mystiker erschien 1794) wieder propagiert und zur Erneuerung des Starzentums verwandt. Hier spielt das nach Peter dem Grossen einsetzende Gottsuchertum eine grosse Rolle. Feofan (gest. 1832), Leonid (Lew Nagolkin, 1768-1841), Makarij v. Optina (gest. 1860), Parfenij (1790-1855) und seine Schüler, der gelehrte Bischof von Feofan, der Klausner v. Wyschen (Georgij Goworow ; 1815 bis .1894); Arnwrosij v. Optina (1812 bis 1891), den Dostojewskij 1878 aufsuchte und wiederholt Tolstoj; der hl. Serafim v. Sarow (1758-1833), der grosse Visionär; Siluan vom Berg Athos (1866-1938) sind bekannte Starzen.
Das russische Starzentum nimmt neben der griech. Tradition auch Überlieferungen auf, die bis in die Zeiten der ägyptischen Wüstenväter (die Wälder der nördlichen Wolga als „Thebais des Nordens") und die grossen syrischen Asketen und Mystiker zurückgehen. Wichtig ist der Begriff der Juradstvo (Torheit = 1 Kor 1,18), der für die Starzen eine grosse Rolle spielt und bis zu der Bewegung der Jurodivij, der „Narren in Christo", in Gebrauch ist (Höhepunkt im 16. Jh.).
 


 

 

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