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Der für das vulgäre
Verständnis, das Sprache vorwiegend instrumentell und Religion als
Sammelbegriff für kultisch-rituelle Verhaltensformen versteht, überraschende
Zusammenhang erklärt sich einerseits aus der „Konnaturalität" von Sprache
und Menschsein (1.) und andererseits aus der Erfahrung des Göttlichen im
Sprachereignis von Offenbarung (2.) und Gebet (3.).
1. Als Urform menschlicher Selbstverwirklichung begleitet die Sprache den
Menschen ebenso beim Aufstieg zu dem mit dem Gottesgedanken gegebenen
Grenzbegriff seines Geistes (begrifflich gefasst in den philosophischen und
theologischen Umschreibungen des göttlichen Geheimnisses, spekulativ
ausgearbeitet in den Gottesbeweisen, dichterisch ausgesagt in der
altchristlichen, mittelalterlichen und neuzeitlichen Hymnik, mystisch
erfahren von den Meistern der Spiritualität und formbestimmend sogar noch
für die atheistische Negation) wie bei seinem Abstieg in Selbstentfremdung
und Selbstverlust (dokumentiert etwa durch H. v. Hofmannsthal und P. Celan).
Deshalb erfuhr das Sprachfeld von Anfang an entscheidende Prägungen durch
das Religiöse: so schon im Mythos (Mythos/Mythologie), der als
ursprüngliches „Wort" das Göttliche und seine Geschichte auszusagen sucht,
vor allem aber durch den im jüdischen Prophetismus (die Konfessionen des
Jeremia) beginnenden und durch Paulus (die „Narrenrede" in 2 Kor 11 f.)
besiegelten sprachgeschichtlichen Umbruch, der zur Entstehung einer auf
Binnenerfahrungen bezogenen Subjekt-Sprache führte. Obgleich Nietzsche das
religiöse Element der Sprache in den grammatischen Strukturen vermutet,
haben sprachliche Bildformen (Parabel, Bildwort, Gleichnis) dennoch als
Vorzugsmittel des religiösen Ausdrucks zu gelten.
2. Schon dem vorreligiösen Schicksalsbegriff (fatum - das Gesprochene) und
der mythologischen Rede von Gott liegt der Gedanke einer göttlichen
Selbstbekundung im menschlichen Wort von Gott zugrunde. Erst recht leben die
theistischen Offenbarungsreligionen (Judentum; Christentum; Islam) von dem
Glauben an eine worthafte Selbstbekundung Gottes, der nach K. Rahner im
Offenbarungsakt das für die menschliche Selbstfindung Entscheidende sagt:
sich selbst (Selbstoffenbarung). Gegenüber neueren Versuchen, Offenbarung
epiphanisch (H. U. v. Balthasar) oder geschichtlich (W. Pannenberg) zu
begreifen, muss am Wortcharakter der Gottesoffenbarung festgehalten werden,
da der menschliche Rezeptionsakt im Glauben nur so die Höhe einer
dialogischen Beziehung (als ein „Gott verstehen") erreicht. Auch lässt sich
der Vorrang der Verkündigung im Tun der Offenbarungsträger (Propheten,
Apostel) und in der Prioritätenfolge der kirchlichen Dienstleistungen
(Mission, Predigt) nur unter der Voraussetzung einer göttlichen
Wortoffenbarung rechtfertigen.
3. Dem Sprachereignis der Offenbarung entspricht auf seiten des Menschen das
des Gebets. Schon bei Euagrius Ponticus als „Erhebung des Geistes zu Gott"
definiert, ist es stets auch Anrufung Gottes in der Vielfalt menschlicher
Sageweisen, die wie das Verstummen so auch den Aufschrei umfassen. Als
Aufstieg des Geistes ist das Gebet spekulativer, als es gemeinhin den
Anschein hat; sofern es letztlich die Bitte um die Selbstkundgabe Gottes ist
(M. Buber), formt sich in ihm jenes menschliche Wort von Gott aus, an dessen
uneinklagbarem Ende das Wort des sich selbst mitteilenden Gottes steht. Da
aber auch das Gebet in die Menschlichkeit der Sprche eingebunden bleibt, ist
ebenso mit Formen des Verstummens und Versagens (Sophie Scholl: „Ich kann
nichts anderes als stammeln") zu rechnen. Indessen setzt sich gerade das „De
profundis" der im Gebet erfahrenen Sprachnot, christlich gesehen, in den
Todesschrei des Gekreuzigten fort, der (nach Hebr 5,7) erhört und im
Ereignis der Auferstehung durch Gott selbst beantwortet wurde.
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