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Die Beschäftigung mit der
Frage nach dem Tod des Menschen und dem Verbleib der Toten hat es in allen
Kulturen und Religionen gegeben, was jedoch, dem jeweiligen ethnischen,
philosophischen oder religiösen Umfeld entsprechend, zu ganz
unterschiedlichen Ergebnissen geführt hat. So spiegeln die etwa im Kontext
des Animismus und der Ahnenverehrung (Ahnenkult) bei einzelnen Völkern
ausgeprägten Vorstellungen und Rituale nicht nur Hoffnung, sondern sehr
stark auch Furcht und Schauder im Umgang mit den Toten wider. Und die in Dtn
18,9 ff. ausgesprochene und als göttliche Anweisung verstandene Warnung ist
wahrscheinlich auf dem Hintergrund der Erfahrung psychischer Belastungen im
Zusammenhang mit Totenbeschwörungen formuliert worden.
Mit dem in Europa aufkommenden Zeitalter der Aufklärung (Rationalismus)
wurden zumindest in dieser Region die Vorstellungen von Geister- und
Jenseitswelten zurückgedrängt oder ganz geleugnet. Dem versuchten Männer wie
Jung, Stilling, Oetinger und bes. E. Swedenborg entgegenzuwirken. So gilt
denn der „Geisterseher" Swedenborg (1688-1772) auch als einer der
wichtigsten Wegbereiter des modernen Spiritismus. Nach
naturwissenschaftlichen Studien in Uppsala und London sowie einigen Jahren
im schwedischen Staatsdienst widmete er sich ab 1745 nur noch seinen von
Anfang an bestehenden spiritistischen Interessen. Seine häufigen, als
Kommunikation mit „Geistern", „Dämonen" und „Engeln" interpretierten
Visionen und Halluzinationen beruhten, eigenen Aussagen zufolge, auf einer
besonderen Atemtechnik, der Hyperventilation, wodurch der Kohlensäuregehalt
des Blutes bis zu Vergiftungserscheinungen angereichert wird. Gerade in
Zeiten grosser, psychisch bedingter Krisen - Kritiker sprechen von einem
Prozess geistiger Erkrankung - entstanden Swedenborgs Abhandlungen, u. a.
1758 sein Hauptwerk „De Coelo et eius mirabilibus et de Inferno ex auditis
et visis", das eine detaillierte Beschreibung der Zustände und Vorgänge im
Jenseits enthält.
Die konkreten Anfänge des heutigen amerikanisch-europäischen Spiritismus
gehen in das Frühjahr 1848 zurück, als in einem Holzhaus in Hydesville bei
Rochester (New York) angeblich sonderbare Klopfgeräusche zu hören waren. Die
beiden Töchter des Eigentümers, Kathie und Margret Fox, sowie ein Nachbar
behaupteten später, in der Nacht des 31. März 1848 durch ein sog.
„Klopf-ABC" mit dem betreffenden „Geist" in Verbindung getreten zu sein und
„Botschaften" empfangen zu haben. Diese „Klopf"-Technik stiess zunächst in
der Umgebung auf grosses Interesse, verbreitete sich bald aber an der ganzen
Ostküste. Überall entstanden Zirkel, die mit Hilfe von Klopfzeichen Kontakte
zu Verstorbenen aufnehmen wollten. Als weitere Gegenstände der Kommunikation
wurden Tische und Gläser benutzt; daneben wirkten „sensitive" Menschen als
Medien. Der Siegeszug des Spiritismus, der bald auch Europa erreichte, war
nicht mehr aufzuhalten, obwohl Kathie und Margret Fox 1888 in New York
öffentlich bekannt hatten, die damaligen Klopfgeräusche in Hydesville mit
Hilfe ihrer Knie- und Zehengelenke selbst verursacht zu haben.
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