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Sikh

Die Sikhs stellen nach der Volkszählung von 1971 mit 10,4 Mio. einen Anteil von 1,7 Prozent der indischen Bevölkerung. Sie leben hauptsächlich im indischen Bundesstaat Panjab, aber auch über ganz Indien verstreut und in vielen Teilen der Welt. Dem äusseren Eindruck der ethnischen Homogenität und ihrer Theorie der religiösen Einheit steht historisch die Tatsache entgegen, dass sie sich immer wieder Identitätskrisen ausgesetzt sahen. Dies geht nicht zuletzt darauf zurück, dass die Sikhs aus verschiedenen ethnischen Gruppen bzw. Kasten (jatis) stammen, unter denen z. B. die Bauernkaste der Jats mit starken kriegerischen Traditionen hauptsächlich im ländlichen Panjab die Majorität bildet, während die Händler-Kaste der Khatris vor allem in den Städten in gehobenen Berufen zu finden ist. Die Gefahr, vom Islam der Mogul-Zeit unterdrückt zu werden bzw. in den Strömungen des „Hinduismus" aufzugehen (in dem es im strengen Sinn keine „Sekte" geben kann, da es keine „Kirche" gibt), führt immer wieder dazu, dass die Sikhs den „Sikh Panth" („Sikh-Weg", religiöses Glaubenssystem) religiös und politisch durchsetzen mussten. Der Usprung ihres Panths geht auf Guru Nanak (1469-1539) zurück. Nanak war beeinflusst von der zu seiner Zeit vor allem in Nordindien blühenden Sant(Heiligen-)Tradition, eine Synthese der Traditionen der Nath-Yogis, die die mystische Einheit mit Gott innerlich durch Yoga anstrebte, und der Bhakti („Gottesliebe"), insoweit sich diese auf den einen gestaltlosen (nirguna), zugleich transzendenten und allem innewohnenden Gott richtete. Erlösung lag für Guru Nanak vor allem in der meditierenden Erinnerung des göttlichen Namens (nam sumiran). Sein Bemühen, verschiedenartige Lehren zu integrieren und, darauf gründend, eine eigene, antiritualistische, in der Praxis die Kaste zwar nicht abschaffende, aber zu einer sozialen Konvention degradierenden Lehre zu vermitteln, führte ihm im späteren Leben Schüler aus den Reihen von Hindus sowie der Muslime zu. Von dem Wort für Schüler sya (Sanskrit) leitet sich die Bezeichnung Sikh oder glkh ab. Unter dem zehnten Guru Gobind Singh (1675-1708) schlossen sich 1699 die Sikh (nicht alle, z. B. nicht die Sahajdharis) durch die muslimische Bedrohung herausgefordert zu einer Bruderschaft (Khalsa) zusammen, die den wehrhaften Elementen im Sikhismus stärker zur Geltung verhalf. Der Überlieferung nach wurden damals die „Fünf K-s" (pari kakke) als Zeichen der Zugehörigkeit für Männer und Frauen eingeführt: kes (langes, ungeschorenes Haar), kanigha (Kamm), kirpan (Dolch), kara (Stahlarmreif) und kacch (nicht übers Knie reichendes Beinkleid). Diese und andere Vorschriften, z. B. das Hinzufügen von Singh („Löwe") bzw. Kaur („Prinzessin”) an den Namen, sollen bei dieser Gelegenheit eingeführt worden sein und wurden in einem Kodex (rahat nami) festgehalten. Daneben haben die janam sakhis („hagiographische" Lebensgeschichten) über die zehn Gurüs grossen Einfluss. Vor allem ist aber das heilige Buch der Sikhs, der Guru Granth Sahib oder Adi Granth zumindest in der Theorie die höchste Autorität. Er war von dem 5. Guru Arjan Singh (1581-1606) kompiliert worden und vom Guru Gobind Singh, dessen Söhne vor ihm starben, womit die seit dem 5. Guru bestehende erbliche Nachfolge abbrach, als „Schrift-Guru“ erklärt worden. Er enthält die soteriologischen Lehren und Gebete der Gurus, aber auch solche von Sants wie Kabir und Namdev, die Muslime bzw. Hindus waren. Man nimmt an, dass der gleiche Geist, der sukzessiv die zehn Gurus beseelte, dieser Schrift innewohnt. Er wird täglich in der Gestalt der Schrift in den Gurdwaras (Sikh-„Tempel") verehrt, obwohl die Sikh strenggenommen Bibliolatrie ablehnen, wie auch die Gurus nicht ihre, sondern nur die Verehrung Gottes zuliessen. Obwohl der anfängliche Antiritualismus Wallfahrten zu heiligen Stätten ausschloss, übernahmen mehrere Orte diese Funktion, vor allem Amritsar. Hier hatte Guru Arjan den „Adi Granth" kompiliert und liess ihn in dem heute als „Goldener Tempel" bekannten Harimandir aufbewahren.
 


 

 

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