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Shunyata

„Leere", Zentralbegriff der Ontologie des Mahayana-Buddhismus. Nach dem alten Buddhismus sind der Mensch und alle in Abhängigkeit verursachten Dinge (samskrta dharma) dadurch gekennzeichnet, dass sie entstehen (utpada), eine Weile bestehen (sthityanyathatva) und wieder vergehen (vyaya). Diese dharmas haben eine Eigennatur (svabhava) oder eigenes Kennzeichen (svalaksana), dazu die drei Merkmale, die allen gemeinsam sind, nämlich Unbeständigkeit (anitya), Leiden (duhka) und Unpersönlichkeit (anatman). Obwohl nicht aus sich selbst existierend, sind sie dennoch wirklich. Durchgehend wird betont, dass dem Menschen und den Wesen jeder Personkern abgeht, d. h. eine Substanz die unveränderlich ist, dauernd und ewig. Der Mahayana Buddhismus spricht allen Phänomenen jedwede Wirklichkeit ab. Sie haben keine Eigennatur oder eigene Kennzeichen, sie sind relativ, haben keine Substantialität, keine aus sich seiende Wirklichkeit; sie sind in Abhängigkeit entstanden und sind darum ihrem Wesen nach leer (sunya). Diese Leere kennzeichnet alle Wesen, alle dharmas, die geschaffenen (samskrta) wie die ungeschaffenen (asamskrta), alle Wahrheiten und Begriffe, einschliesslich der Heiligen Vier Wahrheiten, der Glieder des Entstehens in Abhängigkeit (Pratityasamutpada), Leiden und Befreiung vom Leiden, Unwissenheit und Erleuchtung, Buddha und Sünder, Wiedergeburt (samsara)und Nirvana. Shunyata offenbart sich damit als das eigentliche Wesen aller Wirklichkeit. Letztlich synonym mit dem Absoluten, ist es gleich weit entfernt von Bejahung und Verneinung, jenseits aller Unterscheidung und Aussagemöglichkeit. Im Kontext von Shunyata sind alle Phänomene gleich, sie entstehen nicht und vergehen nicht. Samsara und Nirvana sind die gleiche absolute Wirklichkeit. Zur Erklärung der empirischen Erfahrung wird die Theorie der zweifachen Wahrheit entwickelt, d. h. die konventionelle Wahrheit (samvrtisatya), die auf der Ebene der Erfahrung den Phänomenen eine Wirklichkeit zuspricht, und die absolute Wahrheit (paramartha satya), die das letzte Wesen der Phänomene als leer im genannten Sinn erkennt. Als Vater des Shunyata-Gedankens gilt Nagarjuna (2. Jh. v.Chr.). In der Prajnaparamita-Literatur und in der Madhyamika-Philosophie expliziert, ist Shunyata zum Kernpunkt aller Systeme des Mahayana geworden.
 


 

 

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