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Schuldaufhebung - christlich

a) Das Neue Testament spricht von Vergebung im Rahmen der Reich-Gottes-Botschaft Jesu. Gott bietet dem umkehrbereiten Sünder Versöhnung an, die Jesus in seiner Lebenspraxis immer wieder konkret zuspricht (oft verbunden mit Heilung). Jesu Existenzweise der Versöhnung ist Modell neuer Communio-Struktur unter den Menschen, die, auf Endgültigkeit angelegt, schon im Diesseits wirksam werden kann und soll. In Tod und Auferstehung Jesu wird Vergebung aufgrund der Erlösung zum grundsätzlichen Heilsangebot Gottes. Mit dem einen Opfer Jesu werden zugleich die Sühnopfer des Alten Testaments abgelöst. Johannes und Paulus vertiefen das Erlösungsverständnis inkarnatorisch-soteriologisch (auch in Abgrenzung von Selbsterlösungstheorien, Gnosis). Vergebung zeigt sich als universaler Heilsakt, der den Menschen von jeher umgreift, in Jesus zur Erfüllung kommt und im Parusiegeschehen, unter dem Signum des Weltgerichtes, vollendet wird. Sühnehandeln des Menschen ist, jenseits aller Werkgerechtigkeit, Zeichen von Glaube, Umkehr und neuer Lebensgestaltung.

b) systematisch
Die theologische Lehre weiss Erlösung als ungeschuldeten Gnadenakt Gottes. Vergebung - auch der coram Deo als Sünde verstandenen zwischenmenschlichen Schuld - kann nur Gott selbst gewähren. Sie hat Bedeutung für das jetztzeitige Gottesverhältnis des Menschen und zielt in letzter Finalität auf die den Tod kraft der Erlösung überdauernde Gemeinschaft von Gott und Mensch, die sich eschatologisch als „ewiges Leben" erfüllt. Dogmatische Grundworte sind Reue, Bekenntnis (Verantwortungsübernahme), Busse, Wiedergutmachung, Wille zur Besserung (Vorsatz) und Sündennachlass. Nach katholisch dogmatischem Verständnis ist es dem kirchlichen Amt quasi göttlicher Vollmacht in richterlicher Funktion übertragen, in sakramentalem Akt Lossprechung von Schuld zu gewähren. Nach reformatorischem Verständnis hat die Busse grosse Bedeutung. Als Kirchenzucht wird sie jedoch zunehmend abgelehnt und die Sakramentalität der Beichte schliesslich ganz bestritten.

c) Bussordnungen
Die Kirche kennt seit jeher vielfältige Bussformen: Gebet, Schriftlesung, Caritas, Gottesdienstfeier, Versöhnungshandeln u. a. und feste (sakramentale) Bussordnungen in der Alten Kirche zunächst als einmalige Busse (kanonische Bussordnung 3.-6. Jh.) für Capitalia mit Bekenntnis, Ausschluss aus der vollen kirchlichen Gemeinschaft, Bussleistung und anschliessender Rekonziliation. Die Bussleistung steht im Vordergrund. Unter dem Einfluss der Mönchskirche wird die Busse zunehmend privatisiert (seit 6. Jh.); es entstehen Busskataloge (iro-schottische Tarifbusse). Bald wird die Lossprechung vor die Bussleistung verlegt (seit 1000). Bekannt sind auch Gemeinschaftsformen mit Einzelbekenntnis und allg. Lossprechung (Ordo von Arezzo). Das Gewicht liegt auf dem Bekenntnis. Mit dem IV. Laterankonzil und dem Tridentinum lehrt die katholische Kirche die Notwendigkeit der jährlichen Beichte aller schweren Sünden nach Art und Zahl. Seit dem II. Vatikanum wird die Versöhnung mit Gott und der Gemeinschaft der Kirche in den Mittelpunkt gerückt und die Hinordnung auf die Eucharistie (anamnetische Vergegenwärtigung des Heilsgeschehens) als Quelle und Ziel der Busse betont. Gemeinschaftsformen gewinnen zunehmend an Bedeutung.
 


 

 

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