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Schuld/Sünde - im Islam

Nach dem Koran hat die Sünde in der Welt der Engel ihren Anfang genommen. Danach hat sich einer der Engel dem Gebot Gottes widersetzt, sich vor dem gerade erschaffenen Adam niederzuwerfen, mit der Begründung: „Ich bin besser als er. Mich hast du aus Feuer erschaffen, ihn nur aus Lehm". Das Argument ist wenig islamisch, denn es gehört zu den Grundüberzeugungen des Islam, dass die ganze Schöpfung sich nur vor Allah in Anbetung niederknien soll. Hier liegt eine Entlehnung aus jüdisch-christlicher Tradition vor. Dort finden wir in der „Schatzhöhle", dass einer der Engel sagt, es zieme Adam, ihn anzubeten, der er Feuer und Geist sei, und nicht ihm, dass er den Staub anbete, der aus einem Sandkörnchen geformt sei. Der gefallene Engel ist auch die unmittelbare Ursache für die Sünde Adams. Sure 20,120 berichtet darüber: „Da flüsterte der Satan ihm ein und sagte: ,Adam! Soll ich dich zum Baum der Unsterblichkeit und einer Herrschaft, die nicht hinfällig wird, weisen?`" Der Koran betont ausdrücklich, dass die Sünde Adams für die nachfolgende Menschheit keine Folgen hatte, und leugnet somit die christliche Lehre der Erb-Sünde. Die Begründung für diese Lehre steht in Sure 2,37,38: „Hierauf nahm Adam von seinem Herrn Worte der Verheissung entgegen. Und Allah wandte sich ihm gnädig wieder zu. Er ist der Gnädige und Barmherzige. Allah sagte: „Geht allesamt aus dem Paradies hinunter. Und wenn dann von mir eine rechte Leitung zu euch kommt, brauchen diejenigen, die ihr folgen, keine Angst zu haben." Dieser Gedanke kommt aus der jüdischen Tradition, die berichtet, dass Gott Adam die Pforte der Busse öffnete (Gen. R. 21,6). Dieser koranische Gedanke hat eine wichtige Konsequenz für die islamische Interpretation des Lebens Jesu. Aufgrund von Sure 4,156,157 wird der Kreuzestod Jesu geleugnet und damit auch sein Sühnopfer zur Vergebung der Sünde.
Der Koran spricht mehrere Male über Sünde und Schuld. Das arabische Wort für Sünde ist Khatra und hat die Bedeutung „straucheln" oder „einen Fehler machen". Es wird definiert als eine mit Vorsatz begangene Sünde. Es entspricht dem allg. Chrakter des Korans, dass dieser keine ausgearbeitete Theorie über die Sünde enthält. Ebensowenig führt der Koran eine Liste, vergleichbar mit dem "Dekalog des Alten Testaments“ vor. Im allg. wird gesagt, dass der. Mensch vornehmlich gegen Gott, Muhammad, Witwen, Waisen und Anne sündigen kann. Wer Reue und Busse tut, kann bei Allah Vergebung finden, ausgenommen für die Sünden des Unglaubens und des Götzendienstes.
Die spätere islamische Theologie hat wohl eine Katalogisierung der Sünde in schwere und leichte vorgenommen. Bedeutsam ist die Auffassung von al-Glaza, es gebe keinen praktischen Unterschied zwischen leichten und schweren Sünden. Er nennt vier Sünden des Herzens: Götzendienst, Verharren bei der Sünde, Verzweiflung an Gottes Erbarmen und falsche Zuversicht; vier der Zunge: falsches Zeugnis, Verleumdung, Meineid, Zauberei; drei des Leibes: Trinken von berauschenden Getränken, Veruntreuung des Eigentums von Waisen, Wucher; zwei der Genitalien: Hurerei und Päderastie; zwei der Hände: Mord und Diebstahl; eine der Füsse: Fahnenflucht; eine des ganzen Körpers: Ungehorsam gegen die Eltern (vgl. auch Augustinus, Confessiones X 30-39). Die Mystiker haben das Sünden-Verständnis des Islam psychologisch vertieft. Nach ihnen ist der Mensch ein Sünder. Er muss Gott in dessen Erhabenheit und sich selbst in seiner Niedrigkeit erkennen.
 


 

 

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