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Schrift ist ein Mittel,
um Gedanken oder Wörter zu fixieren, sie über den Augenblick hinaus
festzuhalten bzw. weiterzugeben. Die primitivste Art der Schrift ist die
Gegenstands-Schrift. Der Gegenstand, z. B. ein in Weingegenden am Hause
angebrachter Busch aus Zweigen, zeigt an, dass in dem betreffenden Haus Wein
ausgeschenkt wird. Als Weiterentwicklung ist die bildliche Ideen-Schrift
anzusehen, welche die Gegenstände vom Körperlichen löst und als Bilder
wiedergibt. In dieser Schrift, die u. a. bei Naturvölkern belegt ist, wird
gewöhnlich mit jedem Bildzeichen ein eigener Satz verbunden. Aussagen können
in den beiden genannten Vorstufen der Schrift nur im allg. Sinne, aber nicht
im Wortlaut gemacht werden. Schriften im engeren Sinne sind dagegen
Wort-Schriften, Silben-Schriften und Buchstaben-Schriften.
Die Wort-Schrift stellt jedes einzelne Wort durch ein besonderes (Bild-)Zeichen
dar. Die bekanntesten Wort-Schriften sind die älteste sumerische Schrift,
die ägyptische Hieroglyphen-Schrift und die chinesische Schrift. Die
Wort-Schrift steht jedoch vor Schwierigkeiten z. B. bei der Darstellung von
sinnlich nicht wahrnehmbaren Begriffen, wobei man zu Umschreibungen greifen
muss. Einen Fortschritt stellt die Phonetisierung nach dem Muster eines
Rebus dar, d. h., ein Wortzeichen kann an die Stelle eines lautlich
identischen, inhaltlich verschiedenen Wortes treten, so im Sumerischen das
Bild der Hüfte mit der Lautung „ib" für das Wort „Zorn" mit der gleichen
Lautung. Bei der Fixierung des gesprochenen Wortes macht sich bei einer
Wort-Schrift u. U. das Fehlen der Möglichkeiten zum Ausdruck
grammatikalischer Bildungselemente bemerkbar. Das Sumerische, das als
agglutinierende Sprache zur Bestimmung des Nomens und Verbums zahlreicher
Prä-, In- und Suffixe bedurfte, tat bei der Lösung des Problems einen
weiteren Schritt zu einer Phonetisierung der Schrift, indem es durch die
Ablösung des Sinnwertes vom Wortzeichen eine grosse Zahl von Silbenwerten
gewann, wodurch eine kombinierte Wort- und Silben-Schrift entstand. Dieses
System wurde von den semitischen Akkadern zur Darstellung ihrer Sprache
übernommen und bis zum Ende der babylonisch-assyrischen Keil-Schrift
beibehalten.
- Voraussetzung für die Schaffung einer Silben-Schrift ist eine Sprache, die
viele einsilbige Wörter enthält - geeignet zur Umwandlung in Silbenzeichen -
und einen durch eine regelmässige Folge von Vokal und Konsonant die
Anwendung der Schrift erleichternden Wortschatz. Eine echte Silben-Schrift
ist die zyprische Silben-Schrift, deren Texte überwiegend dem Jahrhundert
vor Christus entstammen. Unechte Silben-Schriftenen sind die äthiopische
Schrift und die indischen Schriften, da sie aus der semitischen
Buchstaben-Schrift herzuleiten sind.
Einen nach unseren bisherigen Erkenntnissen einmaligen Vorgang stellt die
Schaffung der semitischen Buchstaben-Schrift dar, die um oder bald nach 1500
v.Chr. erfolgt sein muss. Vorformen könnten die Sinai-Inschriften und die
sog. byblischen Pseudohieroglyphen sein. Gegenüber den u. U. Tausende von
Zeichen umfassenden Wort-Schriften und den rund hundert und mehr Zeichen der
Silben-Schriften stellte die Konsonanten-Schrift eine grosse Erleichterung
des Schreibvorgangs dar. Deren älteste für uns greifbare Form ist die
ugaritische Keil-Schrift (ca. 1400-1200 v.Chr.) mit 30 Buchstaben. Nach
einer Lautvereinfachung des Kanaanäischen tritt uns das phönizische
22-Buchstaben-Alphabet um das Jahr 1000 entgegen, das sich einerseits nach
Übernahme und Weiterentwicklung durch Griechen und Römer, andererseits in
seiner aramäischen Form u. a. als Schrift der Christen des Orients und im
arabischen Alphabet und den davon ausgehenden Schriften weithin über die
Welt verbreitete.
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