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Samkhya - hinduistisch

1. Die Lehre von Samkhya, d. h. von Karma und Wiedergeburt, ist das übereinstimmende Zentraldogma nicht nur aller hinduistischen Gruppierungen, sondern aller indischen Religionen. Das Wort wird von sam (= herum) und sar (= gehen, sich bewegen) abgeleitet. Samkhya heisst wörtlich „herumgehen", „kreisen" und bedeutet philosophisch den Kreislauf der Geburt, des Todes und der Wiedergeburt eines jeden Individuums. Später bedeutete es auch die drei Bereiche des Daseins: diese Welt - Bhuloka; die Unterwelt - Naraka; die himmlische Welt - Svarga. Sie durchläuft der Mensch in Geburt und Tod. Samkhya besagt somit den Kreislauf ewigen Werdens und Vergehens alles Seienden.
Samkhya hängt mit der Lehre des Karma zusammen, wonach jedes menschliche Handeln (Karma) neben seiner sichtbaren Wirkung auch eine unsichtbare Wirkung hervorruft (Karma-Phala), die gut oder schlecht (Verdienst oder Schuld) sein kann. Diese unsichtbare Wirkung bleibt bestehen, auch wenn die sichtbare Wirkung bereits verschwunden ist. Sie beschränkt sich nicht auf das gegenwärtige Leben, sondern währt über dieses hinaus und bestimmt qualitativ und quantitativ den Zustand nach dem Tod. Handlungen des gegenwärtigen Lebens sind die Ursachen der zukünftigen Existenz, so wie alle Umstände des gegenwärtigen Lebens die notwendigen Folgen der Taten im früheren Dasein sind. Die Annahme, dass jede Tat ihre Vergeltung finden muss, schliesst mit Notwendigkeit die Idee der Seelenwanderung oder Wiedergeburt (Reinkarnation) ein. Hindus glauben nicht an die Existenz einer ewigen Hölle. Das Fegfeuer, wie es aus christlicher Tradition bekannt ist, hat auch keinen Platz in ihrem Glauben, da sie der Meinung sind, dass ein Wesen seine Erlösung nur in seinem menschlichen Dasein erarbeiten kann. Wenn daher der Mensch im Tod erlösungsbedürftig ist, muss er wiedergeboren werden.

2. Der Ursprung der Lehre von Samkhya ist schwer zu bestimmen. In den frühen vedischen Schriften gibt es keine deutlichen Hinweise auf diese Lehre, höchstens undeutliche Hinweise auf die Reise der Seele nach dem Tod (Rigveda I72.7; IV 27.1; IX 113.7,10 und 11; Satapatha Brähmana I 9.3.2).
In den Upanisaden finden sich klare und systematische Aussagen über die Lehre vom Karma und von der Wiedergeburt: „nach dem, wie einer sich benimmt, so wird er. Derjenige, der das Gute tut, wird gut; dagegen wird der Übeltäter übel" (Brh. Up. IV 4.5; auch IV 4.3,4,6 und 7; VI 2.15-16; Chandogya Up. V 10.1 ff.; Katha Up. I 1.6). Maitr1 Up. I 3 und 4 erklärt sehr lebhaft das Elend des Daseins im Samkhya und wird mit einem Gebet um Erlösung abgeschlossen. Nach dem „Mahabharata" wirkt das Karma mit absoluter Notwendigkeit: „So wie Blüten und Früchte, auch ohne angetrieben zu werden, ihre Zeit im Jahre einhalten, so auch die begangenen Taten ... Wie unter tausend Kühen das Kalb seine Mutter herausfindet, so verfolgen die früher begangenen Taten ihre Täter" (XII 181.12-16; siehe auch III 207.19; XII 232.19 ff.). Die Bhagavadgita nimmt die Lehre von Karma und Samkhya ohne Vorbehalt an: „Wie ein Mann die abgenutzten Kleider ablegt und andere neue nimmt, so legt die Seele die verbrauchten Körper ab und tritt in andere, neue ein" (II 22; vgl. II 13; VI 41-43).
Die Erwägung, warum ein Wesen gerade so und nicht anders geboren sei und dieses und kein anderes Schicksal habe, spricht sehr für die Wiedergeburt: Wenn es die Wiedergeburt nicht gegeben hätte, müsste Gott grausam oder parteilich sein, weil Menschen schon bei der Geburt sehr verschieden sind (vgl. den Kommentar Sankaras über das Brahma-Sutra II 1.34). Nach hinduistischem Verständnis hat der Kreislauf des Samkhya weder Anfang noch Ende. Alles ist an die Fesseln der Zeit und des Verlangens gekettet, vor allem des Verlangens, zu leben und zu handeln. Unter diesen Umständen ist es das Ziel aller, dem Rad der Zeit und des Handelns zu entrinnen. Dass eine Erlösung möglich ist, wird von allen hinduistischen philosophischen Schulen vertreten. Man nennt sie Moksha oder Mukti. Verschiedene moderne indische Philosophen diskutieren das Problem der Vereinbarkeit von unentrinnbarem Karma-Gesetz und menschlicher Freiheit. Sie finden keinen Gegensatz zwischen beiden Lehren, weil jeder durch seine guten oder bösen Taten sein eigenes Schicksal selbst auswählt (vgl. S. Radhakrishnan, The Hindu View of Life).
 


 

 

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