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Samaritaner

1. Der Name „Samaritaner" bezeichnet die Bewohner des Gebirges von Samaria (hebr. gomron, seit Herodes I.: Sebaste), eine jüdisch-heidnische Mischbevölkerung als Resultat der Deportationspraxis der Assyrer, die nach der Zerstörung des Nordreiches Israel 722 v. Chr. hier fremde Völkergruppen, vor allem aus Kuta am Eufrat (rabb. Schimpfwort „Kutäer") ansiedelten. Die religiöse Vermischung führte zu einer synkretistischen Jahweverehrung, die zu wachsenden Spannungen mit der Jerusalemer Orthodoxie führte und die schon die seit der Trennung Gesamtisraels in Nord- und Südreich 926 v. Chr. bestehende Spaltung verfestigte. Während des Exils der Südreichbevölkerung (587-538 v.Chr.) betrachteten sie sich als „Hüter" des einzig wahren Glaubens, wurden aber von Nehemia vom Wiederaufbau des Tempels ausgeschlossen. Auseinandersetzungen innerhalb der Jerusalemer Priesterschaft (möglicherweise der ausschlaggebende Anlass) und Ablehnung der Reform Esras (Mischehen-Regel) führte zur kultischen Separation und zur Gründung einer Gemeinde auf dem Berg Garizim (bei Sichem-Nablus). Johannes Hyrkan zerstörte 129/128 v.Chr. Sichem und den Tempel auf dem Garizim und zwang den Samaritanern das Judentum Jerusalemer Prägung auf; erst die Römer gaben ihnen die Eigenständigkeit zurück. Nach der Zerstörung ihrer Zentren verstreuten sich die Samaritaner in ganz Palästina. Im 4. Jh. n.Chr. bauten sie auf dem Garizim einen neuen Tempel, ihre Diasporagemeinden konsolidierten sich. Mit der zunehmenden Christianisierung des Römischen Reiches begann ein neues Stadium der Auseinandersetzung. Auf eine Rebellion gegen die christliche Präsenz in Nablus reagierte Kaiser Zenon mit dem Bau einer Kirche auf dem Garizim. Justinian liess 529 die Samaritaner nahezu ausrotten und verbot weitere Religionsausübung. Erst im 18. Jh. konnten sie eine Parzelle auf dem Garizim käuflich erwerben, wo sie seitdem wieder das Passahfest feiern. Sie konnten sich als religiöse und ethnische Minderheit bis in die Gegenwart halten. Ihre wenigen Hundert Mitglieder wohnen z.Z. in zwei Zentren in Nablus und Klolon.

2. Theologie, Kult und Gliederung der Gemeinde repräsentieren weitgehend das vorexilische Stadium der jüdischen Religion vor der Abspaltung, wie auch ihre Achtung allein des Pentateuchs den Stand der Kanongenese zum Zeitpunkt des Schismas repräsentiert. Ihre Theologie ist dementsprechend monotheistisch und stark Mose-zentriert; er ist der einzige Prophet, den sie als Ta'eb („der Wiederkehrende"; vgl. Dtn 18,15.18) als Messias wiedererwarten. Sie beobachten streng die Tora, akzeptieren die Beschneidung, halten den Sabbat und feiern die grossen Feste, folgen allerdings wie die Qumran-Essener einem solaren Kalender.
Der samaritanische Pentateuch (Samaritanus) in althebräischer Schrift hat parallel zur LXX, zur Qumranbibel und zum späteren masoretischen Text eine eigene Textgeschichte durchlaufen; neben ca. 6000 meist orthographischen Varianten sind vor allem die tendenziösen Textveränderungen interessant. Sie betreffen vornehmlich die Angaben zur Kultzentralisation in der deuteronomisch-deuteronomistischen Literatur, die an Jerusalem vorbei nun ausnahmslos auf Sichem bezogen werden. Die Zählung der Dekalogbestimmung wird so verändert, dass als 10. Gebot der Bau eines Heiligtums auf dem Garizim festgesetzt wird. Eine Reihe Varianten scheint textkritisch einem urspr. Text näherzustehen, insofern aufgrund jahrhundertelanger Polemik auch mit Textveränderungen im masoretischen Text gerechnet werden muss (z. B. Dtn 11,29), zumal der Samaritanus auch der LXX (ca. 1900 Übereinstimmungen) näher steht als dem masoretischen Text. Neben der Tora akzeptieren die Samaritaner eine Halakha (hilluk), die in ihrer Strenge an die Essener erinnert. Aus dem 4. Jh. n. Chr. stammt der Memar Marqa, ein haggadischer Midrasch zur Tora-Exegese.
Im Neuen Testament tritt der nationale und kultische Gegensatz zwischen Samaritanern und Juden deutlich hervor (Joh 4,9.20). Von Jesus werden sie jedoch mehrfach den Juden als Beispiel vorgehalten (Lk 10,30-37 - Erzählung vom barmherzigen Samariter; Lk 17,11-19); auch werden sie als erste Nichtjuden getauft (Apg 8,5-12).
 


 

 

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