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Wendet man sich den
Erscheinungsformen der Säkularisierung zu, können diese unter einer
dreifachen geographischen Hinsicht dargestellt werden.
a) Säkularisierung im Abendland
Da die Forderung nach Säkularisierung im Gegenüber der im Abendland
vorherrschenden konkreten Religionsformen erhoben wurde, bedeutete der Ruf
nach Säkularisierung eine klare Herausforderung des Christentums und seiner
institutionellen Form, der Kirche. Säkularisierung musste somit im Raum des
Abendlandes als Befreiung von kirchlichen Ansprüchen und kirchlicher
Herrschaft verstanden werden. Das wiederum hatte zur Folge, dass
Säkularisierung - ideologisiert als Diesseitigkeit und Innerweltlichkeit -
entweder die Geburt einer neuen Werteskala, Mündigkeit und Freiheit besagte
oder aber Abfall von der Religion, Verlust des wahren Menschenbildes,
Atheismus u. a. Die theologische Diskussion führte dann zu zwei Ergebnissen.
Zum einen versuchte man, vor allem in der evangelischen Theologie, die mit
der Säkularisierungs-These gegebene Religionskritik dadurch zu umgehen, dass
das Christentum aus dem Kontext religiöser Angebote und Ansprüche
herausgebrochen wurde und es als die ganz neue, auch jede Religion unter das
Gericht Gottes rufende Weise der göttlichen Offenbarung und Selbstmitteilung
vorgestellt wurde. Zum anderen versuchte man die Säkularisierung als den
legitimen Prozess der Selbstbefreiung zu verstehen, gemäss dem
Schöpfungsbericht, sich die Welt untertan zu machen. Insofern der Mensch
aber stets in der Gefahr steht, sich Gott und seinem Auftrag zu entziehen,
ist auch damit zu rechnen, dass der Mensch den Prozess der Säkularisierung
in Eigenmächtigkeit vollzieht und dann aus der Säkularisierung als Erfüllung
eines göttlichen Gebotes Säkularismus als sündhafte Fehlform desselben
Prozesses unter Abkehr von Gott und Hinkehr zu selbstgeschaffenen Götzen
wird.
b) Säkularisierung in Asien
Zwei Momente kann man, blickt man auf Asien und seine dort beheimateten
Religionen, konstatieren. Die asiatische Säkularisierung ist ein Ergebnis
westlicher Säkularisierungs-Einflüsse und asienimmanenter Entwicklungen.
Diese hier in einer Aufzählung genannten Momente stehen jedoch nicht
isoliert nebeneinander, sondern ergänzen, bedingen und vermischen sich. Denn
Asien ist kein monolithischer Block. Eine Vielzahl von Völkern und
Religionen, Hinduismus, Buddhismus, Konfuzianismus und Taoismus, sind in
Asien entstanden, und eine jede besitzt ihr je eigenes Verständnis von der
Welt und ihren Entwicklungen. Dennoch darf die Bedeutsamkeit des westlichen
Säkularisierungs-Begriffes nicht zu gering eingeschätzt werden. H.
Waldenfels kommt bei seiner Untersuchung „Religionen und Christentum und der
Säkularisierungs-Prozess in Asien" zu dem Schluss: „Es dürfte stimmen, dass
auch die Säkularisierungs-Debatte in Asien wesentlich durch die
Säkularisierungs-Diskussion im Westen ausgelöst bzw. von dieser mitbestimmt
ist. Der Begriff der Säkularisierung steht jedenfalls auch im Hintergrund
der asiatischen Debatte, wobei es gleichgültig ist, ob das westliche
Verständnis unkritisch adoptiert oder aber inzwischen kritisch hinterfragt
wird".
Weltweite Säkularisierung
„Eine Eigentümlichkeit, die die heutige Säkularisierung vor allen früheren
Säkularisierungs-Prozessen auszeichnet, besteht darin, dass aufgrund der
modernen Technik und Kommunikationsmöglichkeiten die Säkularisierung heute
keinen rein regionalen Charakter mehr trägt, sondern ein weltweites Ausmass
angenommen hat. In unserer Zeit stellt sich deshalb das Problem nicht mehr
nur innerhalb eines bestimmten Kulturraumes und unabhängig von allen anderen
Kulturräumen, sondern in dem Masse, als diese miteinander kommunizieren,
bildet sich eine einheitliche Weltzivilisation, in der sich die zuvor
genannten Probleme auf weltweiter Ebene neu stellen: die Pluralität der
Weltanschauungen und die Weltgesellschaft - das Verhältnis von
Weltanschauungen und Gesellschaft - gesamtmenschheitliche Selbstbestimmung,
Welt- und Zukunftsgestaltung und Religion - immanente Glückserfüllung und
Transzendenzerfahrung - innerweltlich geschlossene Gesellschaft und
ekstatische Erfüllungshoffnung u. a. m. Diese neue Situation zwingt die
Vertreter der verschiedenen Religionen in ganz neuer Weise zum Gespräch
miteinander, weil alle Religionen sich zu gleicher Zeit derselben
Herausforderung gegenübersehen und diese sie u. U. in ihrer Existenz
bedroht".
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