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Sabbatianismus

Eine messianische und zuletzt sektiererische (z.T. antinomistische) Bewegung im Judentum des 17./18. Jahrhunderts, ausgelöst durch Sabbetaj Zbi (1626-1676), der sich 1665 in Palästina und Kleinasien als Messias ausgab und in der ganzen Diaspora (z.T. auch unter Christen) eine Endzeiteuphorie bewirkte. Grundlage war die popularisierte Kabbalah in Verbindung mit Volksbussbewegungen und allg. verbreiteten Naherwartungen um 1648. Die türkischen Behörden setzten den Pseudomessias gefangen, und am 15.9.1666 trat dieser, um sein Leben zu retten, zum Islam über, was eine allg. Ernüchterung bewirkte. Eine gewisse Anhängerschaft blieb jedoch erhalten, vor allem dank der Theologie des Nathan von Gaza, der alle Verhaltensweisen des Pseudomessias als heilsnotwendig hinstellte: Die in Sabbetaj Zbi reinkamierte Adams- und Davidsseele müsse in die „Qelippot" (böse Materie) hinabsteigen, um die dort gefangenen Seelenfunken zu befreien und heimzuführen, und dazu gehöre eben auch die Scheinkonversion zum Islam. Einige prominente Anhänger beanspruchten ebenfalls, solche Reinkarnation darzustellen, so dass auch nach Sabbetaj Zbis Tod noch gewisse Gruppen die sektiererische Linie weiterzogen. In der Türkei waren es die „Dönmeh", in Osteuropa die zum römischen Katholizismus J. Frank (1721-1791), der sich zuletzt in Offenbach aufhielt. Aber auch von diesen Extremen abgesehen, blieben unterschwellig selbst in rabbinischen Kreisen sabbatianische Tendenzen lebendig, dann und wann in Kontroversen zutage tretend (Emden-Eybeschütz-Streit). Die Gemeinden unterdrückten die Erinnerung an das blamable pseudomessianische Abenteuer mit starker Hand und tilgten sogar in den Gemeindedokumenten fast alle Spuren des Jahres 1665/66. Ferner wurde das Studium der Kabbalah eingeschränkt und jede antinomistische Tendenz schroff bekämpft. Die Folge war ein gewisser Formalismus, eine Gesetzlichkeit ohne die bisherige religiöse Motivierung. In Osteuropa wurde dieses Unbehagen in der Bewegung des Chas(s)idismus aufgefangen, in dem gewisse Grundelemente der sabbatianischen Frömmigkeit weiterlebten, im Westen hingegen wurde infolge der hier schon fortgeschrittenen Aufklärung die Tradition überhaupt mehr und mehr in Frage gestellt, was Aufklärung und Reformen auch im Judentum begünstigte.
 


 

 

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