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Religionen
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Religionssoziologie - Problemgeschichte

Die Wurzeln der Religionssoziologie sind eng mit unterschiedlichen Strömungen der europäischen Geistesgeschichte verknüpft. Eine erste Entwicklungslinie reicht in die europäische Aufklärung und die Emanzipationsbewegung des Bürgertums zurück. Mit dem einsetzenden religions-soziologischen Denken verschaffte sich das Bürgertum die Möglichkeit, auch über Religion und Kirche unabhängig von kirchlichen und theologischen Vorgaben reflektieren zu können. Das emanzipatorische Interesse der bürgerlichen Religionskritik führte dabei zu folgenreichen Prämissen in der Zuordnung von Religion und Gesellschaft. Das Christentum wurde an seiner kirchlichen Sozialform festgemacht, zur Religion überhaupt verallgemeinert und als explizites Gegenüber zur Gesellschaft betrachtet. Die bürgerliche wie später die sozialistische Religionskritik konzipierten Gesellschaft und Religion als zwei scharf voneinander geschiedene Grössen, von denen die Entfaltung der einen als säkulare und kommunistische die andere zum Verschwinden bringt. In dieser Traditionslinie wurden erste bis in die Gegenwart hinein wirksame religions-soziologische Grundthesen entwickelt. Der Religion wurde die Funktion der Kompensation unbefriedigender gesellschaftlicher Verhältnisse als „Ausdruck des wirklichen Elends" und als „Protestation dagegen" (Marx) zugeschrieben. Gleichzeitig wurden die Grundlagen für die Säkularisierungsthese gelegt, die das Verschwinden der Religion als Rückseite des gesellschaftlichen Entwicklungsprozesses erscheinen liess. Eine zweite Traditionslinie des rel.-soziol. Denkens geht auf die enorme Ausweitung der rel.-wiss. Kenntnisse im Laufe des 19. Jh. zurück. Die einsetzende hist. und ethnologische Forschung trug ein umfangreiches rel.-wiss. Material zusammen, das den Anstoss zu einer weiteren Grundthese der Religionssoziologie gab. Vornehmlich am Beispiel einfacher Gesellschaften gewonnen, erhielt hier die Religion die Funktion gesellschaftlicher Integration. Durch die Sakralisierung des Wertkonsenses der Gesellschaft leistet die Religion in dieser Tradition einen unverzichtbaren Beitrag zur Stabilisierung gesellschaftlicher Ordnung. Eine dritte Entwicklungslinie der Religionssoziologie kommt aus dem Umkreis der durch die neuzeitl. Gesellschaftsentwicklung herausgeforderten Kirchen selbst. Die sozialethischen und pastoralen Bewältigungsversuche des industriekapitalistischen Umbruchs führten zu einem Interesse an verlässlichen empirischen Grundlagen des pastoralen und diakonischen Handelns der Kirchen. Erste statistische Erhebungen und die Sammlung der in der pastoralen Praxis gewonnenen Daten machten auf soziale Faktoren in der Differenzierung kirchlicher Verhaltensformen aufmerksam. Diese Traditionslinie fand ihre Fortsetzung in der soziographischen Richtung der Religionssoziologie. Begrifflich wie in ihren Grundannahmen blieb diese Entwicklungslinie kirchlich-theol. Prämissen verhaftet, interpretierte ihre Ergebnisse aber im Licht einer wenig reflektierten Entkirchlichungsthese.
 


 

 

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