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Religionen
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Religionskritik

1. Religionsimmanente und -externe Kritik
Unter Religionskritik versteht man allg. die philos., psychol., soziol., wiss.-theoretische oder hist. Kritik an der Religion, also eine von aussen kommende Auseinandersetzung mit dem Wahrheitsanspruch und der Funktion religiöser Anschauungen. Unter rel.-wiss. und auch unter theol. Gesichtspunkten lässt sich jedoch noch ein anderer Tatbestand unter diesem Begriff subsumieren, nämlich die religiös motivierte Kritik, die sich gegen Fehlformen der eigenen Religion (vgl. z. B. den Protest der alttestamentlichen Propheten gegen die Götzenverehrung) oder gegen die faktisch antreffbaren Religionen richtet (vgl. z. B. Muhammads Auseinandersetzung mit dem Judentum und dem arabischen Heidentum seiner Zeit). Bei solcher Kritik geht es meist um eine Vertiefung bzw. Neuauslegung der religiösen Erfahrung. Die nicht selten apologetische Form solcher Auseinandersetzung müsste aber einem interreligiösen Dialog weichen, der die entgegengesetzten Wahrheitsansprüche nicht nivelliert, sie aber auch nicht zum Ansatzpunkt der Fremdkritik werden lässt. Eine theol. Kritik der Religionen bzw. des Religiösen, das als Gegensatz zum Evangelium verstanden wird, findet sich in wichtigen Strömungen der ev. Theologie des 20. Jh. (vor allem bei K. Barth und in der Dialektischen Theologie).

2. Abendländische Formen der Religionskritik
Die Kritik an der Religion setzt in der griechischen Antike schon im 6. und 5. Jh. v. Chr. ein; dies hängt zusammen mit der Loslösung vom umgreifenden Mythos und dem Heraufkommen einer auf dem Logos begründeten Philosophie. Doch auch in poetischer Gestalt trifft man eine scharfe Kritik an, wie z. B. in der Polemik des Aristophanes gegenüber dem Anthropomorphismus der gängigen Göttervorstellungen oder jener des Sophisten Kritias (etwa 460-403), der den Götterglauben als die Erfindung eines klugen Politikers demaskiert (vgl. Diels B 25).
- In der Neuzeit richtet sich die Religionskritik vor allem gegen das Christentum; damit ist meist, aber nicht immer (wie das Beispiel A. Schopenhauers und seiner Zuwendung zum Hinduismus und Buddhismus zeigt), der Anspruch verbunden, den Wahrheitsgehalt der Religion schlechthin und somit aller Religionen in Frage zu stellen. Einen gravierenden Einschnitt bedeuten die kritischen Schriften der Aufklärungszeit, in denen aus rationalistischen und auch ethischen Motiven die Religion und ihre Moral zwar nicht durchweg, aber in entscheidenden Punkten (wie Offenbarungsglaube; heteronomes Ethos) als in sich widersprüchlich abgelehnt werden. Die systematisch konzipierte Kritik aber tritt erst im 19. Jh. auf, und zwar in umfassender Weise bei L. Feuerbach. Das Resümee seiner kritisch-reduktiven Deutung der Religion lässt sich in der These zusammenfassen, „dass der Inhalt und Gegenstand der Religion ein durchaus menschlicher ist (...), dass das Geheimnis der Theologie die Anthropologie (ist)" (Das Wesen des Christentums, 28. Kap.). K. Marx vertieft diesen Ansatz um die sozial-ökonomische Dimension, wonach die Religion ein sekundärer Ausdruck der bestehenden (inhumanen) ökonomischen und politischen Verhältnisse ist. F. Nietzsche formuliert in wirkungsgeschichtlich bedeutsamer Weise die Einsicht, dass die geistige Situation der Neuzeit - insbesondere ihr wiss.-kritisches Methodenbewusstsein - zum „Tod Gottes" geführt habe; systematisch ordnet er die Religion in seinen hermeneutischen Grundsatz ein, dass alle Deutung auf einen Willen zur Macht zurückgehe und auch die Religionen nur Manifestationen eines Machtwillens sind und somit wesenhaft mit den Phänomenen der Gewalt, Destruktivität und Grausamkeit zusammenhängen. In diesen „klassischen" Formen der Religionskritik sind die Linien für das 20. Jh. vorgezeichnet, unter denen S. Freuds psychoanalytische Deutung des Gottesbildes als Vaterersatz eigens zu nennen ist. Freud hat in seinen späten, primär auf kultur- und rel.-gesch. Interesse beruhenden Werken das Theorem vertreten, dass die Gottesvorstellung auf das infantile Bedürfnis nach dem Schutz eines omnipotent vorgestellten Vaters zurückgehe. Eng damit zusammen hängt seine „metapsychologische", d. h. die therapeutische Psychoanalyse überschreitende These, dass die Religion als Illusion in der Regel dazu diene, die Realität des begrenzten Daseins durch eine Wunschwelt zu bewältigen. Kennzeichen für die jüngste Entwicklung scheint eine Situation zu sein, in der die ausdrückliche Kritik an der Religion dem Schweigen bzw. Desinteresse ihr gegenüber weicht (vgl. Agnostizismus, Indifferentismus, Skeptizismus).
 


 

 

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