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Religionen
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Religionsgeschichte

1. Erst zu Beginn dieses Jahrhunderts gelangte die Religionsgeschichte als Teil der Religionswissenschaft dazu, ihre Grenzen zu bestimmen und ihre Methodik auszubauen. Innerhalb der Religionswissenschaft unterscheidet sie sich von der Religionsphilosophie, Religionspsychologie, Religionsphänomenologie und der Religionssoziologie.
Die Religionsgeschichte untersucht im Unterschied zur Religionswissenschaft, die am Gewordenen interessiert ist, die historischen Religionen nach äusseren Entwicklungen und inneren Wesensmerkmalen, wobei eine Beschränkung auf die Beschreibung religiöser Phänomene unzureichend wäre. Ihr geht es vielmehr um das Studium der religiösen Gegebenheiten, wie sie sich im Laufe der einzelnen historischen Epochen bei den verschiedensten Völkern der Erde in ihren Begriffen, Überzeugungen, Gefühlen, sittlichen Vorschriften und religiösen Riten offenbaren.
Der Religionshistoriker bezieht in seine Untersuchungen die verschiedenen Erscheinungsformen der Religionen ein und nimmt, soweit wie möglich, die Durchführung eines Vergleichs aller Religionen vor (vergleichende Religionsgeschichte). So gelangt er zur Aufstellung einer Typologie der Religionen, d.h., er erfasst durch gegenseitige Vergleiche klarer die Eigenschaften einer jeden Religion. Es kann aber nicht nur bei einer Beschreibung des religiösen Lebens eines Volkes bleiben. Auch die fremden Einflüsse, die auf ein Volk gewirkt haben, denen es ausgesetzt war und die von ihm ausgingen, müssen in die Forschung einbezogen werden. Ausserdem muss die Religionsgeschichte Kenntnisse über die gesamte Kultur eines Volkes, d.h. über Geschichte, Sprache, Literatur, sowie über die sozialen und politischen Zustände gewinnen.
Wenn auch die Unterscheidung von Religionsgeschichte und Religionswissenschaft jüngeren Datums ist, so sind die Religionswissenschaften und die Geschichte der Religionen nicht voneinander zu trennen. Ansätze zur RW. finden sich bereits in der Antike seit der griech. Aufklärung. Handelt es sich dabei um Sammlung von religions-geschichtlichen Stoffen, so ist die Religionsgeschichte so alt wie die Geschichtsschreibung überhaupt.

2. Zunächst schien das einzige Problem der Religionsgeschichte der Ursprung und die Entwicklung der religiösen Vorstellungen zu sein. Dazu wurden auf- und absteigende Entwicklungslinien konstruiert. Die Auswahl der Belege war dabei häufig recht willkürlich und diente der Unterstützung der eigenen These; es fehlte nicht an Vereinfachungen und Verallgemeinerungen.
Durch die Beschäftigung mit den sog. primitiven Völkern glaubte man, in deren Religionen die Anfänge der Religion wiederzufinden. „Abgesehen davon, dass in der Bezeichnung ‚primitiv' und ihrer Verwendung als anfänglich, unentwickelt, kulturlos die europ. Zivilisation - ohne eigentlichen Grund - als Massstab verwendet wird und - wieder ohne eigentlichen Grund - die heutigen sogenannten primitiven Völker und Religionen als Bild oder Rest der Menschheitsanfänge angesehen werden, handelt es sich hier um ein ungeschichtliches Denken" (W. Holsten: RGG' V 986).
Schliesslich bedurfte es einer streng kritischen Methode, um zu angemessenen Forschungsergebnissen zu kommen. So bediente man sich der Methode der Archäologie und bes. der Geschichtswissenschaft, da die Religionsgeschichte die schriftlosen und archäologisch nicht nachweisbaren Völker mit in ihre Forschung einbeziehen muss.

3. Die Forschungen auf den Gebieten der traditionellen Religionen sowie im Bereich der Religionsethnologie (Ethnologie) führen gegenwärtig zu einer fortführenden Bereicherung rel.-wiss. Kenntnisse. So haben die durch die Religionsethnologie gewonnenen Kenntnisse dazu beigetragen, nach der Bedeutung und dem Sinn rel.-gesch. Erscheinungen (z. B. Gottesglaube, Mythos, Magie, Ethik, Kult) zu fragen und somit das Verstehen dieser Phänomene zu fördern (Religionsphänomenologie).
Es kann aber nicht bei der Feststellung bleiben, dass es einen Pluralismus von Religionen gibt. Auf rel. Gebiet tritt dieser Pluralismus als missionarische Ansprache hervor. Dies betrifft nicht nur die traditionellen, vorwiegend aus dem asiat. Raum stammenden Religionen, sondern ebenso die „Neuen Religionen" bzw. "Neureligiösen Bewegungen". Daraus ergibt sich eine „für die gegenwärtige Situation wesentliche Beobachtung einer religiösen Aktivität, die, im Weltmassstab gesehen, die Bedeutung von Begriffen wie ,Säkularismus` und ‚Weltfrömmigkeit' stark zurücktreten lässt" (G. Lanczkowski 1983, 96). Damit wäre es naheliegend und aufschlussreich, den Versuch einer historischen Einordnung der gegenwärtigen Situation zu machen.

4. Als geschichtliche Grössen sind alle Religionen bestimmten Wandlungsformen unterworfen. Ursprung, Ausbreitung und evtl. der Untergang einer Religion sind nur im Kontext ihrer Geschichte und bes. des sie umgebenden religiösen Pluralismus zu betrachten. Die Verkündigung neuer Werte, mit der jede neue Religion ihrer Umwelt entgegentrat, bilden das Prinzip, um das Überkommene krit. auszulesen. Diese Werte bestimmen zugleich dessen Abwehr, Übernahme oder Modifikation. Daraus ergibt sich nun (vgl. G. Lanczkowski 1983, 97-100):

a) Aufgabe einer jeden Stiftung ist die Auseinandersetzung mit dem sie umgebenden religiösen Pluralismus. Dieser kann entweder als Entartung und Verderbnis einer urspr. reinen Offenbarung aufgefasst werden (z. B. bei Muhammad), oder aber es kommt zu einer relativen Anerkennung (z. B. im Caodaismus).

b) Sachliche Bedeutung bei den. gestifteten Religionen hat der zeitliche Übergang vom Stifter zum Kreis der Jünger. Durch die dadurch bedingte räumliche Ausdehnung, die bereits zu einer Trennung vom Mutterboden führen kann, können sich erste Ansätze zur Aufnahme und inhaltlichen Aneignung fremden Religionsgutes ergeben.

c) Feste organisatorische Formen sowi die allmähliche Aneignung vorgefundener Kulturen folgt im Stadium der Stabilisierung.

d) Damit bedarf es für das Verhältnis zum Staat notwendig einer Klärung.

e) Das Kontinuitätsproblem entsteht durch Aktualisierung unterschiedlicher Anliegen zu verschiedenen Zeiten im Laufe der Geschichte. Dabei kann es zu Entfremdungstendenzen gegenüber Ursprüngen und eigentlicher Intention kommen. Die unterschiedliche Betonung von Einzelzügen einer Religion kann aber ebenso auch auf die Fülle des Ursprungs auf den Reichtum religiösen Gutes, der in der Stiftung liegt, zurückgeführt werden.

f) Den eigenen Untergang haben eine Vielzahl von Religionen erfahren. Auslösende Motive können sein: Anerkennung der religiösen Höherwertigkeit einer missionierenden Religion; Verfallserscheinungen und eigene Entartungen; einseitige Bindung an innerweltliche Faktoren durch Identifikation mit politischen und wirtschaftlichen Zielen; fremde Gewalt.
 


 

 

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