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Religionsdialog - Begriff

Der seit Plato in der Geschichte des Abendlandes bedeutsame Begriff des Dialogs hat im Gespräch der Religionen in den letzten Jahrzehnten eine spezifische Bedeutung erhalten. Er bezeichnet eine um bessere Kenntnis und tieferes Verständnis bemühte Zuwendung zu Vertretern einer anderen Religion auf der Grundlage eigener Bekenntnisbildung. In dieser Hinsicht unterscheidet sich der interreligiöse Dialog von einem lediglich informierenden und vergleichenden Gespräch. Der Religionsdialog steht darum nicht unter dem Vorzeichen einer Suche nach einer höheren, übergeordneten Wahrheit. Vielmehr erwarten die an ihm Beteiligten den Ertrag des Dialogs in einer doppelten Hinsicht. Zunächst geht es darum, über die eigenen begrenzten Verstehensmöglichkeiten hinaus mit Hilfe des fremdreligiösen Partners im Dialog Zugang zu einem genuinen Begreifen einer anderen Religion zu gewinnen. Darüber hinaus dient der Dialog dazu, den eigenen religiösen Kenntnisstand zu präzisieren und das eigene Glaubensleben zu intensivieren durch Befragung und Infragestellung von aussen.
Ein lebendiger Dialog zwischen Vertretern verschiedener Religionen schliesst darum ein gegenseitiges Kennenlernen der Dialogpartner in den ihrer Religion spezifischen Verhaltensweisen und religiösen Vollzügen ein. Ihre Begegnung ist gleichzeitig eine Bekundung der in der eigenen religiösen Tradition und Praxis stattfindenden Erfahrung des „Heiligen". In dieser Hinsicht unterscheidet sich der Religionsdialog von der in der Religionsphänomenologie geforderten Zurückhaltung hinsichtlich der persönlichen Glaubensüberzeugung und -bindungen.
Insofern der Religionsdialog immer auch ein interkultureller Dialog ist, kommt er der Bemühung um eine Ankulturation und Beheimatung der Kirche in anderen Völkern und ihren Kulturen zugute.
Kultur, Ethik und Brauchtum dieser Völker sind zutiefst durch ihre religiöse Überlieferungen bestimmt. In dieser Hinsicht ermöglicht der Religionsdialog eine Vermittlung religiöser Inhalte, die bislang den besonderen geschichtlichen Bedingungen und den Grenzen einzelner Kulturkreise und Völker unterlagen. Für das Christentum ist eine solche grenzüberschreitende Gestaltwerdung in anderen Kulturen die notwendige Folge seines universalen Selbst- und Auftragsverständnisses. Religionsdialog und -Mission stehen darum nicht im Widerspruch zueinander. Sie ergänzen und erfordern sich gegenseitig. Für eine sachgemäss arbeitende Mission ist das genaue Kennenlernen der vor- und ausserchristlichen religiösen Gegebenheiten eines Volkes eine wichtige Voraussetzung. In diesem Sinne fand, obwohl der Begriff noch keine Verwendung fand, immer schon ein „dialogisches" Bemühen um das Verstehen von Menschen aus anderen Religionen statt. Neueren Datums dagegen sind interreligiöse Dialogveranstaltungen, die sich gemeinsamen Themen der Menschheit, z.B. Weltfrieden, soziale Verantwortung, Toleranz u. a. m., widmen.
 


 

 

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