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1. Der Islam
unterscheidet zwei Typen von Propheten: der Prophet generell ist der nabi,
der gesetzgebende Prophet aber ist der rasul, der Gottgesandte. Jeder rasul
ist ein nabi, doch nicht jeder nabi ein Gesandter. Als Gesetzgeber gelten
Adam, Ibrahim (Abraham), Musa (Mose), Isa (Jesus) und Muhammad. Der Koran
nennt 28 Propheten mit Namen, beginnend mit Adam; der letzte ist Jesus, der
„Geist Gottes, geboren von der Jungfrau Maria". Muhammad selbst wird als
„Siegel der Propheten" bezeichnet; das ist derjenige, der die Botschaft
aller ihm vorausgegangenen Propheten noch mal in ihrer ursprünglichen
Reinheit verkündet und somit abschliesst. Damit ist kein Raum für einen
Propheten nach ihm.
Der Glaube an den abschliessenden Charakter des Prophetentums Muhammads ist
ein fester dogmatischer Satz im Islam, der in jüngster Zeit dazu geführt
hat, die Abmadiya-Bewegung als unislamisch zu erklären, da ihr Gründer Mirza
Ghulam Abmad (gest. 1908) sich eine quasi-prophetische Rolle angemasst haben
soll. Es hindert jedoch niemand den Muslim, an Propheten zu glauben, die
nicht namentlich im Koran genannt sind und vor Muhammad gewirkt haben
(obgleich ihre Botschaft durch Muhammads Kommen abrogiert ist). Die
Tradition spricht von 313 solcher Propheten, und die mystische Überlieferung
nimmt bis zu 124 000 an.
2. Allen im Koran genannten Propheten gebührt Verehrung, und ihre Namen
werden - nach einem Wort Muhammads - gern als Eigennamen bei den Muslimen
verwendet. Besonders geachtet ist Ibrahim, der als Erbauer der Kaba in Mekka
gilt, wo auch sein Sohn Ismall (nicht Isaak!) geopfert werden sollte; die
Pilgerfahrt (nladidj) mit ihren Riten erinnert an dieses Ereignis. Die
grossen und kleinen Propheten des Alten Testaments fehlen in den koranischen
Berichten; dafür sind andere Gestalten wie David und Salomo in den Kreis der
Propheten aufgenommen, auch spezifisch arabische „Warner" wie Salib und Hud.
Der Prophet ist mdsum, vor Sünde und Irrtum geschützt; er kann nicht lügen,
ist zuverlässig und kann seine Botschaft nicht geheimhalten, doch kann er
allg.-menschlichen Schwächen ausgesetzt sein.
3. Unter den im Koran erwähnten Propheten hat die Mystik sieben ausgewählt,
die in besonderer Weise die wichtigsten Attribute Gottes widerspiegeln: Adam
ist mit dem Willen und der Schöpferkraft verbunden, Abraham mit dem Wissen,
Noach mit der Macht, David mit dem Hören, Jakob mit dem Sehen, Jesus mit dem
Leben und Muhammad mit der Existenz. Im späteren Sufismus führte der Weg des
Mystikers durch die Stationen der verschiedenen Propheten, und die letzte,
nur von wenigen zu erreichende Stufe war die bakilca muhammadiya, der
archetypische Muhammad, der den Berührungspunkt zwischen der Transzendenz
Gottes und der geschaffenen Welt bildet.
Doch bedeutet das keine Vergottung oder Verwandlung des Propheten in ein
logos-ähnliches Wesen; der Islam hat immer betont, dass der Prophet nur das
Sprachrohr Gottes ist, sein Diener, der als Warner und Künder froher
Botschaft in die Welt geschickt ist, um das Gotteswort entsprechend der
Aufnahmefähigkeit seiner Hörer in deren Sprache und Ausdrucksform zu
verkünden.
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