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1.Voraussetzungen
Prophetie im Neuen Testament ist angebunden an die Situation, wie sie mit
dem Ende des Alten Testaments entstanden war. Die Propheten waren
kanonisiert und als solche eine Grösse der Vergangenheit. Unter dem Begriff
„das Gesetz und die Prophetie" konnte
die Schrift zusammengefasst werden. Neben dieser „abgeschlossenen" Prophetie
stand aber die Erwartung eines eschatologischen Propheten Elija, wie sie
sich in der Erwartung der Wiederkehr Elijas konkretisieren kann.
2.Johannes der Täufer
Gerade diese Erwartung ist es, mit der im Neuen Testament konfrontiert wird
und zu der Stellung genommen werden muss. Da Johannes mit seinem ganzen
Auftreten (Kleidung und Aussehen: Mk 1, 6; Gerichtsankündigung: Mt 3,7-10;
Umkehraufruf: Mt 3,2) deutlich prophetische Traditionen aufgreift, sehen
viele Zeitgenossen in ihm den erwarteten Propheten (z.B. Lk 3,15). Die
Synoptiker zeichnen Johannes als den Wegbereiter Jesu (vgl. Lk 1,76 im
Vergleich zu Lk 7,26). Auch die Zurückweisung der Volkserwartungen (Joh 1,19
ff.) soll auf seine Vorläuferfunktion verweisen (Joh 1,26 f.). Indem Jesus
den Täufer als den „Elija redivivus" bezeichnet (Mt 11,14), erklärt er die
Endzeit für gekommen. Auch die Hinrichtung des Johannes wird unter
Anknüpfung an theologische Aussagen des Alten Testaments als gewaltsames
Propheten-Geschick verstanden.
3.Jesus
Auch Jesus selbst wird aufgrund seiner Umkehrpredigt und seiner
prophetischen Zeichenhandlungen und Wundertaten mit dem erwarteten Propheten
identifiziert (Mk 6,15 f.; Mt 21,11.46). Die alttestamentlichen
Propheten-Zitate sollen beweisen, dass Jesu die Erfüllung alttestamentlicher
Vorhersagen ist. Das Handeln Jesu wird als prophetisches erkannt und zu
gleich bezweifelt. Dem entspricht, dass Jesus selbst ein eindeutiges
Machtzeichen ablehnt (Mt 12,38-42), obwohl er sich indirekt selbst als
Propheten bezeichnet (Mk 6,4). Als indirekte Propheten-Christologie müssen
auch die Taufe Jesu, seine Kulturkritik und die Drohrufe gewertet werden.
Bei Joh ist das Propheten-Sein Jesu ein Teil seiner Selbstoffenbarung (Joh
4,16-19.26) seine Möglichkeiten übersteigen jedoch die der Prophetie (Joh
8,48-58). Die direkte Identifikation Jesu mit dem endzeitlich Propheten von
Dtn 18,15-17 erfolgt erst ab Ap 7,37.
4.Frühchristliche Prophetien
Obwohl die Prophetie in Jesus ihren überbietenden und „krönenden Abschluss"
gefunden hat, bedeutet das doch nicht das Verschwinden der Prophetie,
sondern es treten im Frühchristentum noch Propheten auf. In ihnen sieht die
Urgemeinde das Zeichen der eschatologischen Geistausgiessung (Apg 2). 1 Kor
12, 28 f. wird neben den Gruppen der Apostel und der Lehrer eine Gruppe der
Propheten genannt. Als von Gott berufene Geistbegabte sind sie Instrumente
der Offenbarung. Paulus lobt ihren Dienst für die Gemeinde als höchstes
Charisma (1 Kor 14, 5). Im Gemeindegottesdienst nahmen prophetisch begabte
Frauen und Männer eine dominante Stellung ein; sie werden jedoch von Paul im
Interesse der Gemeinde zu verständlichem Reden aufgefordert (1 Kor 14). Ihre
Aufgaben sind Erbauung und Ermutigung (1 Kor 14,3,31; vgl. Apg 15,32);
gebunden sind sie immer an die Jesustradition (Röm 12,6) und an das
Gemeindewohl.
5.Das Erlöschen der Prophetie
Die Notwendigkeit der Ermahnung 1 Thess 5, 20 weist auf Schwierigkeiten der
angeredeten Gemeinde mit der Prophetie hin. Ein Grund dafür könnte das
traditionsgeschichtlich bedingte Fehlen der Prophetie in heidenchristlichen
Gemeinden sein. Darüber hinaus könnte das Auftreten von Falsch-Propheten (1
Joh 4,1-6; Mt 7,15) zu einer grundsätzlichen Skepsis Propheten gegenüber
geführt haben. Diese dürfte später durch die Bedeutung der Prophetie im
Montanismus verstärkt worden sein. Aufgrund der zunehmenden
Institutionalisierung sogenannter der entstehende Episkopat auch die
prophetischen Funktionen in sich auf. Nicht zuletzt dürfte auch der Wandel
der christlichen Zukunftserwartung das Verschwinden der Prophetie als
eigenständiger Grösse gegen Ende des 2. Jh. bewirkt haben.
6.Offenbarung des Johannes
Die Verbindung von alt- und neutestamentlicher Prophetie wird noch einmal
deutlich in den über 500 Anspielungen auf alttestamentliche Propheten-Texte.
Indem der Verfasser seine Zukunftsbotschaft im Rückgriff auf die
Verkündigung der alttestamentlichen Propheten aussagt, setzt er diese auf
neue Weise ins Recht und bestätigt ihre bleibende Bedeutung.
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