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Priester - biblisch

In der Patriarchenzeit haben die Familienhäupter die leitende liturgische Funktion. Priester erscheinen zuerst als Hüter ortsgebundener Heiligtümer. Die Glieder der Kultgemeinde brachten selbst die Opfer dar, an denen die Priester Anteil erhielten. Eine besondere Funktion bestand in der Frühzeit im Erteilen von Orakeln. Später tritt die Erteilung von Lehre und Weisung, insbesondere über heilig und profan, rein und unrein hervor. Nach Dtn 31,9 verwalten sie die Anwendung der Tora. Aus der frühen Königszeit ist ihre Wahrnehmung des Opferkultes bezeugt. Im Verlauf der Entwicklung übernehmen sie ihn exklusiv wohl wegen ihrer höheren kultischen Reinheit, die sie geeigneter macht, sich Gott vermittelnd zu nähern. Der sogenannte Aaronssegen ist ein bis heute gültiger Text. Sie sind Beamte des Königs mit nur ihnen eigenen Vollmachten. Das beamtete Priestertum wird erblich weitergegeben. Die hervorragendste Stellung gewinnt das Priestertum in der Zeit nach dem Exil. Die Priester sind die eigentlichen Führer des Bundesvolkes in all seinen Lebensbereichen. Sie sind es gerade von ihrer priesterlichen Stellung und Funktion her, die Identität des Gottesvolkes im Jahwe-dienst zu gründen. Die Schriftwerdung der älteren Überlieferung ist ihr Werk (Pentateuch). Der Hohepriester wird in dieser Zeit der Repräsentant des Gottesvolkes. Einmal im Jahr vollzieht er im Allerheiligsten den Versöhnungsdienst für das ganze Volk. Nach der Zeit der Makkabäer verliert das Amt an Ansehen. Es degeneriert aufgrund politischer Verstrickungen. Andere Gruppierungen, wie vor allem die Pharisäer, verkörpern viel stärker die Treue zur gesamten Überlieferung. Im Prozess Jesu hat die Führung der Priesterschaft die Initiative zur Auslieferung an die Römer ergriffen. Mit dem Untergang des Tempels (70 n.Chr.) erlischt auch das alttestamentliche Priestertum. Der wirkungsgeschichtlich für die neutestamentliche Ekklesiologie bedeutsame Text findet sich Ex 19, 5 f.: Israel soll als besonderes Eigentumsvolk Jahwes unter allen anderen Völkern für ihn ein „Reich von Priestern und heiliges Volk" sein. Die Stellung des Priester als Mittler für das Volk ist auf Israel unter den Völkern angewandt. Es erfüllt den Dienst für die ganze Schöpfung als Halten des Bundes, indem es den einzigen Gott aus ganzem Herzen liebt und die Glieder einander, wie sich selbst. 1 Petr 2,5-10 hat dieses Verständnis des Gottesvolkes vom Priester-Dienst her (nach der griech. Übersetzung des Alten Testaments) aufgenommen und damit die Ekklesiologie vom gemeinsamen Priestertum aller getauften Gläubigen grundgelegt. Die neutestamentlichen Leitungs- und Verkündigungsdienste werden demgegenüber nicht auf das alttestamentliche Berufspriestertum bezogen. Paulus veranschaulicht vereinzelt seinen Dienst am Evangelium in Analogien zum Opferdienst: (Röm 15, 5 f.; Phil 2,17). Eine Christologie, die in Jesus, dem Sohn Gottes, den Hohen-Priester des Neuen Bundes sieht, entwirft der Hebräerbrief. Jesus ist im jüdischen Volk „Laie". Ihn als Priester zu verkünden ist eine Weiterführung der im Neuen Testament breit bezeugten Theologie des Kreuzestodes, die diesen als das universale Opfer der Versöhnung Gottes mit den Menschen erfasst. Hebr zieht aus dieser Hohepriesterchristologie aber begreiflicherweise keine Konsequenzen für ein kirchliches Priestertum: Christus ist der endgültige Hohepriester. Das Verständnis des Dienstamts in der Kirche läuft zunächst über die Vermittlung des vollmächtig Gesandten, des Leiters, des Vorstehers. In christologischer Rückbindung wird dieser Dienst als den Herrn selbst vertretender Hirtendienst begriffen. Seit Beginn des 2. Jh. setzt sich eine Dreiteilung des Dienstamtes in der ganzen Kirche durch: Bischof, Presbyter (= Ältester, davon etymologisch das deutsche Wort „Priester"), Diakon. Die Charakterisierung des bischöflichen (und später auch presbyteralen) Amtes durch priesterliche Titel (hiereus, sacerdos) begegnet seit etwa 200. Diese „priesterliche" Deutung des Amtes geht nicht zu Lasten der Stellung des einzigen Mittlers Christus; das priesterliche Dienstamt steht im Dienst des allein heilsvermittelnden Herrn. Der Aufbaudienst an der Gemeinde wird aber als ein heiliger Dienst erfasst. Darin liegt traditionsgeschichtlich auch ein Rückbezug auf das nachexilisch alttestamentliche Priestertum. Es dient nicht nur einer organisatorischen Ordnung, ohne die Gemeinschaften nun einmal nicht sein können: Es hilft der Kirche, Leib Christi zu werden. Die priesterliche Würde wird also nicht von Vollmachten für spezielle Dienste her, sondern wegen der fundamentalen Sorge für die Gemeinde begründet. Von daher stehen dem Priester Dienste wie der der Leitung der Eucharistie und der Aufnahme, auch der Wiederversöhnung in der Kirche zu. So tut er auch dem schon im 1. Petrusbrief so hervorgehobenen gemeinsamen Priestertum keinen Abbruch, im Gegenteil: Er dient ihm. Mit Recht sagt deshalb die Kirchenkonstitution des II. Vatikanums, dass sich gemeinsames und amtliches Priestertum nicht im Rangunterschied von weniger und mehr zueinander bestimmen lassen, sondern in ihrer Eigenart „wesentlich" unterschieden sind. Das bestreitet nicht, dass sie sich gegenseitig bedingen. Nur weil das Gottesvolk selbst priesterlich ist, sind die Diener Christi in der Gemeinde „Priester". Ohne sie würden allerdings die Getauften nicht zu einem priesterlichen Volk, das in Gemeinden lebt, die mehr sind als die Addition vieler einzelner. So ist der Priester gerade der Repräsentant der Kirche als Gemeinschaft, die als Gemeinschaft Heilsbedeutung für die hat, die diese Gemeinschaft bilden.
 


 

 

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